IKEA kauft in Garrel ein

Tolle Wurst!

Firmen, die mit IKEA zusammenarbeiten wollen, müssen einen Ehrenkodex befolgen und sich einer strengen Qualitätskontrolle unterziehen. Diese Regelung gilt insbesondere für Lieferanten. Das in Garrel ansässige Unternehmen Goldschmaus hat es geschafft: Es liefert in Zukunft knackige Würstchen für die in Deutschland verkauften Hot Dogs von IKEA.

Die heiße Wurst im Brötchen ist beim Besuch des schwedischen Einrichtungshauses genauso obligatorisch wie der Blick aufs Billy-Regal, der Griff nach dem Maxi-Beutel Teelichter und der kleine Umweg durch das Fundgrube genannte Restelager. Neu ist, dass Möbeljunkies schon bald in Knacker aus dem Oldenburger Münsterland beißen werden. IKEA wird nämlich in Zukunft die Hälfte seiner Würstchen für die deutschen Filialen in Garrel ordern.

Alle Anforderungen erfüllt

Lieferant ist Goldschmaus, ein Unternehmen mit zuletzt rund 420 Millionen Euro Jahresumsatz. Dass der lukrative Auftrag hier im Landkreis Cloppenburg gelandet ist, ist beileibe kein Zufall. Der Betrieb verfügt zum einen über ausreichend Kapazitäten und hat zum anderen die Vorgaben hinsichtlich fairer und sicherer Arbeitsbedingungen erfüllt. Die Schweden schauen gerade bei diesen Punkten genau hin. "Wir möchten sicherstellen, dass die Mitarbeiter unserer Lieferanten anständig behandelt werden", sagt IKEA-Sprecher Sven Kleuter. Und da gab es in Garrel nichts auszusetzen.

Ergebnis eines Umdenkungsprozesses

Tatsächlich hat man bei der Goldschmaus Gruppe umgedacht. Jahrelang wurde die Fleischindustrie für ihre Arbeitsbedingungen ebenso kritisiert wie für die schlechte Unterbringung der meist osteuropäischen Arbeiter, die von Subunternehmen angeheuert wurden. In Garrel nahm man sich die Kritik zu Herzen. Im September 2017 gab Goldschmaus bekannt: Rund 400 bis dahin über Subunternehmen beschäftigte Mitarbeiter werden in ein direktes Arbeitsverhältnis übernommen. "Wir wollten nicht länger auf andere angewiesen sein", erklärte Geschäftsführer Josef Hempen. Auch für das Thema Wohnungen sucht er inzwischen nach gangbaren Lösungen.

Beifall von den Kritikern

Der neue Weg fand sogar Zuspruch bei den härtesten Widersachern. "Wir begrüßen dieses Vorgehen, das geht absolut in die richtige Richtung", lobte Matthias Brümmer von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten. "Damit ist Goldschmaus Vorreiter und von allen Seiten zu unterstützen." Ähnlich äußerte sich der damalige niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies. Er bezeichnete die Übernahme aller Mitarbeiter in ein direktes Arbeitsverhältnis als "Blaupause für die ganze Branche".

Der IKEA-Auftrag ist also weit mehr als nur ein weiteres gutes Geschäft für das Unternehmen und seine rund 1400 Beschäftigten. Er ist auch die Bestätigung dafür, im Herbst 2017 richtige und zukunftsweisende Entscheidungen getroffen zu haben.

Autor/in: Claus Spitzer-Ewersmann
Veröffentlicht am 17. Januar 2018
Letzte Aktualisierung am 18. April 2018