Thülsfelder Talsperre

Niedersachsens ältester Stausee

Anders als viele andere Bundesländer verfügt Niedersachsen nur über eine relativ geringe Anzahl an Talsperren. Die meisten davon liegen im Harz. Eine Ausnahme bildet die Thülsfelder Talsperre, die einerseits dem Schutz vor Hochwasser dient und andererseits als Naherholungsgebiet genutzt wird.

Fast drei Millionen Reichsmark statt der veranschlagten zwei kostete der Bau der Talsperre, der 1923 vom Landtag des damaligen Freistaats Oldenburg beschlossen worden war. Im Vergleich zu Kostensteigerungen bei heutigen Projekten ein Klacks. Und längst weiß man: Die Millionen waren gut angelegt. Die Talsperre schützt weite Teile des Oldenburger Münsterlandes vor Überflutungen.

Die älteste Talsperre des Landes

Die Soeste, die bei starkem Regen schnell über die Ufer trat und die Region rund um Friesoythe überschwemmte, machte den Menschen zu Beginn des vorigen Jahrhunderts arg zu schaffen. Insbesondere die Landwirtschaft im nördlichen Teil des Landkreises Cloppenburg litt sehr unter dem störrischen Fluss. Zugleich sollte der Wasserbedarf für den über dem Niveau von Ems und Hunte gelegenen Küstenkanal auch für sommerliche Trockenzeiten gesichert werden. Nach dem Beschluss des Landtags begann eine Hamburger Firma 1924 mit den Erdarbeiten, die bis 1927 dauerten. Die Thülsfelder Talsperre ist damit die älteste im Bundesland Niedersachsen. Und mit einem Stauinhalt von 10,8 Millionen Kubikmetern auch eine der größten.

Lebensraum für Tiere und Pflanzen

Begünstigt wurde der Bau durch die geologischen Gegebenheiten, speziell durch eine natürliche Geestenge und flache Sandrucken mit Dünen. So mussten bei einem Umfang von immerhin zwölf Kilometern nur 3,6 Kilometer Erddamm aufgeschüttet werden. Das Fehlen einer dominierenden Betonmauer hat viel dazu beigetragen, dass sich die Talsperre zu einem attraktiven und gern genutzten Naherholungsgebiet entwickelt hat. Zudem dient der Stausee mit seinen weitläufigen Flachwasserzonen und den angrenzenden Heide- und Sandtrockenflächen zahlreichen und zum Teil bedrohten Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum.

Sanierung nach 75 Jahren

Im Laufe der Jahre nagte allerdings der Zahn der Zeit an der Talsperre. Gutachter stellten zu Beginn des neuen Jahrtausends fest, dass die Standfestigkeit der Dämme nicht mehr gewährleistet sei. Im alten Auslaufwerk hatte man darüber hinaus Risse entdeckt. So musste die Anlage zwischen 2002 und 2006 umfangreich und für rund 15 Millionen Euro saniert werden. Weitere Arbeiten folgten 2009. Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz hatten erkannt, dass sich im Erdreich unter dem Ablaufstollen verstärkt gefährliche Hohlräume gebildet hatten. Seitdem diese verfüllt wurden, so betont das NLWKN heute, "arbeitet die Talsperre Thülsfeld tadellos und hat alle Probeeinstaus problemlos gemeistert".

 

Autor/in: Claus Spitzer-Ewersmann
Veröffentlicht am 21. März 2018
Letzte Aktualisierung am 1. August 2018