Flohmarkt in Elisabethfehn

Feilschen am Kanal

Historische Comichefte aus den Sechzigern, ausrangierte Kaffeetassen, nicht mehr benötigte Kinderkleidung – jedes Jahr zu Himmelfahrt trifft sich die norddeutsche Trödelgemeinde am Kanal von Elisabethfehn. Auf einer Strecke von zehn Kilometern findet hier der längste Flohmarkt Deutschlands statt.

Heinz Schalk hat den ganzen Tisch voller Drucklettern aus Messing. Wer kauft denn sowas? „Viele", lacht der Händler aus Bremen. Die Buchstaben sind ein echter Hingucker und eignen sich bestens als Dekoration im Vintage-Wohnzimmer. „Eben nicht so ein Kitsch, wie er sonst häufig angeboten wird." Aber keine Sorge, auch den gibt es am Kanal.

Fast 2000 Hobbytrödler haben ihre Stände am Ufer zwischen Elisabethfehn-Dreibrücken und Kamperfehn aufgebaut. Viel Nützliches findet sich darauf, auch viel Überflüssiges. Was der eine nicht mehr braucht, daran hat ein anderer Freude. Gerümpel vom Dachboden oder aus dem Keller wird direkt vom Anhänger verkauft, Omas Geschirr steht vor einem Paar neonfarbener Turnschuhe. Gleich nebenan hat einer ein ganzes Möbellager errichtet. Drei Stände weiter stauen sich die Neugierigen bei den Babyklamotten. Zehn Euro soll der Stapel mit den kleinen T-Shirts kosten. Für sechs Euro wechseln sie schließlich den Besitzer. Feilschen lohnt sich.

Flohmärkte üben auf viele Menschen einen besonderen Reiz aus. Dieser hier am letzten noch schiffbaren Fehnkanal in Deutschland sogar noch ein wenig mehr. Runde zehn Kilometer ist er lang, Stand reiht sich an Stand. Es gibt keinen Rundweg und keine Querverbindungen, dafür einen Busservice zum Schnäppchenpreis. Für die Verpflegung der mehrere Zehntausend Besucher stehen Wurst-, Döner- und Bierbuden bereit.

Heinz Schalk, der Mann mit den Lettern, hat gerade wieder einen Liebhaber für einen kompletten Setzkasten gefunden. „Eine schmalfette Groteskschrift, 96 Punkt, die früher für den Druck auf den Schleifen von Kränzen verwendet wurde", weiß der Käufer. 120 Euro hat er bezahlt. Ein guter Preis? „Keine Ahnung", kommt die Antwort. „Aber woanders finde ich sowas nicht." Nein, nur hier, auf dem Himmelfahrts-Flohmarkt in Elisabethfehn. Nächster Termin: Donnerstag, 10. Mai 2018

 

Autor/in: Claus Spitzer-Ewersmann
Veröffentlicht am 10. März 2018
Letzte Aktualisierung am 17. Juni 2018