Ohr am Fass

Über einen, der Whisky hört

Die Region schmecken? Doch, das geht! Brennmeister Jens Lübbehusen kreiert in seiner Destillerie in Emstek einen einzigartigen Whisky, in dem die Eigenheiten des Moors mitschwingen. Noch hält die bernsteinfarbene Flüssigkeit allerdings in Eichenfässern ihren Reifeschlaf ...

Ein Single Malt Whisky aus Emstek, gebrannt nach allen Facetten der Destillerie-Kunst? Nein, das ist kein Traum von Gourmets mit regionaler Verbundenheit, sondern bald Wirklichkeit. Genauer gesagt: Im Frühjahr 2018 soll das Produkt nach jahrelanger Reifung aus dem Fass in Flaschen fließen und Kenner wie Gelegenheitsgenießer gleichermaßen verzücken. Jens Lübbehusen macht es möglich.

Erlebniswelt in Emstek

2014 eröffnete er die Destilliere The Lübbehusen Malt Distillery im ecopark von Emstek bei Cloppenburg und durfte sich gleich reger Aufmerksamkeit selbst von offizieller Seite erfreuen – beim Durchtrennen des roten Bandes waren neben 2.000 Besuchern auch der Bürgermeister von Emstek und der Landrat des Kreises Cloppenburg anwesend. Eine wahre Whisky-Erlebniswelt hat Lübbehusen mit seiner Brennerei geschaffen: Gästen werden exklusive Führungen und individuelle Whisky-Tastings im Verkostungsraum geboten, der – thematisch konsequent – eingerichtet ist wie ein Holzfass. Auch einen Shop mit bis zu 90 qualitativ hochwertigen und seltenen Sorten findet sich in der Destillerie.

Rezeptur bald 200 Jahre alt

Den Anstoß zum Destillieren gab ein altes Rezeptbuch zur Herstellung von Hochprozentigem aus dem Jahr 1832. Die Vorfahren von Jens Lübbehusen sollen es zurückgelassen haben, als sie von Emstek in die USA emigrierten. Er selbst destilliert seit 2009, drei Jahre später begann er mit der Whisky-Produktion. Über diese Kunst sagt er: „Es ist eine Philosophie an sich. Whisky muss man erleben – riechen, schmecken, sehen, sogar hören!"

Spannendes Warten

Für sein Produkt verwendet Brennmeister Lübbehusen schottisches „peated malt", also Malz, das über Torffeuer getrocknet wurde, „unpeated malt" und „rye" (Roggen). Mit Wasser aus Naturquellen der Region setzt er die Flüssigkeit zum Gären an. Die so entstandene „Mash" wird in „Pot Stills", stattlichen Brennblasen aus Kupfer, gebrannt. Und dann passiert erst einmal: nichts. Zumindest nichts, dass für das menschliche Auge erkennbar wäre.

Der Whisky schlummert in Fässern aus amerikanischer Weißeiche und erhält seinen charakteristischen Geschmack, indem er die Aromen aus zuvor gelagertem Whisky, Sherry oder Bourbon annimmt. Mehrere sogenannte Reifejahre, auch Jahrzehnte können ins Land gehen, bevor ein Whisky fertig gereift ist. Das Gefühl des Wartens findet Lübbehusen spannend: „Ich bin so neugierig, dass ich jeden Tag am Produkt riechen möchte."

Credo: leicht rauchig

Wie der Whisky werden soll, kann man lediglich „vordenken", nennt es der Fachmann. Denn der endgültige Geschmack zeigt sich erst, wenn das Produkt vollendet ist. Eines aber steht schon fest: „Leicht rauchig " wird er sein – so beschreibt Lübbehusen seine Kreation. „Das passt zu unserer Moorregion", erklärt der 40-Jährige und betont: „Mein Anspruch ist nicht, andere zu kopieren. Ich will vielmehr die besonderen klimatischen Bedingungen der Region einfließen lassen und so ein Unikat schaffen."

Wer im Frühjahr 2018 eine der etwa 2.500 Flaschen ersteht, kann sich also sicher sein, in einen unverwechselbaren Genuss zu kommen. Dass das auch in Zukunft so bleibt, ist Teil des Qualitätsversprechens von Jens Lübbehusen. So individuell der Charakter seines Whisky, so klar auch seine Haltung: „Wir werden nie ein Industriebetrieb!"

Autor/in: Mareike Lange
Veröffentlicht am 18. Januar 2018
Letzte Aktualisierung am 22. January 2018