Derby Cycle

Elektrisch auf der Überholspur

Der Boom bei Pedelecs und E-Bikes ist ungebrochen – drei Millionen rollen bereits über deutsche Straßen. Der Hersteller Derby Cycle hat sein Sortiment schon vor zehn Jahren um elektrische Modelle erweitert – mit großem Erfolg: Die Cloppenburger sind in Deutschland Marktführer. Und exportieren in mehr als 60 Länder.

Marken wie Kalkhoff, Focus, Raleigh, Univega und Rixe sind vielen ein Begriff – selbst manchem Besitzer dieser Zweiräder ist der dahinter stehende Hersteller dagegen unbekannt. Das ist im Fachhandel anders: Dort gilt Derby Cycle mit rund eine halben Million jährlich produzierter Fahrräder als Branchenprimus. Die Cloppenburger sind nach eigenen Angaben der umsatzstärkste deutsche Produzent. Das stark wachsende Unternehmen profitiert auch vom ungebrochenen Boom bei E-Bikes und Pedelecs. So liefert Derby Cycle inzwischen etwa jedes dritte Rad mit Motor und Akku an die gut 3.000 Fachhändler. Bei E-Bikes und Pedelecs liegt der Hersteller damit deutschlandweit an erster Position.

Produktion pro Tag: 3000 Fahrräder

Rund 900 Mitarbeiter fertigen in Emstekerfeld in zehn Endmontagelinien täglich bis zu 3000 Fahrräder. Die Rohrahmen stammen überwiegend aus Asien. Fast alle anderen Produktionsschritte wie das Lackieren, die Laufradfertigung und die Montage von Schaltung, Bremsen und Lenker erfolgen in den weiten Hallen der früheren Kalkhoff-Werke. Trotz aller Automation gibt es weiterhin viel Handarbeit, etwa beim Einspeichen der Laufräder. Komfortable Stadt- und robuste Trekkingräder werden bei der zum niederländischen Pon-Konzern zählenden Firma ebenso gefertigt wie Rennmaschinen und Mountainbikes. Vier- bis fünfhundert Modelle zählen zum Sortiment. Was in Cloppenburg produziert wird, geht über das Mitte 2016 fertiggestellte Logistikzentrum im nahen Emsteker ecopark in mehr als 60 Länder. In den Hochregalen ist Platz für bis zu 150.000 Fahrräder.

30 Prozent Marktanteil erwartet

Rund drei Millionen E-Bikes rollen bereits auf deutschen Straßen. Und nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) hält der Boom an: Für 2016 verzeichnete der Branchenverband erneut ein zweistelliges Wachstum. Doch wie lange wird dies anhalten? „Etwa zwei Drittel der Strecken, die täglich in Deutschland mit dem Auto zurückgelegt werden, sind kürzer als fünf Kilometer", erklärt Arne Sudhoff von Derby Cycle. „Viele dieser Fahrten lassen sich ebenso gut mit elektrisch angetriebenen oder unterstützten Zweirädern bewältigen." Deshalb macht sich der Firmensprecher keine Sorgen um die Geschäftsaussichten. Ebenso sieht man es beim ZIV: Der Verband geht langfristig von einem Anteil der Elektroräder am Gesamtfahrradmarkt von bis zu 30 Prozent aus. Da eine rege Nachfrage auf viele ausgereifte Modelle trifft, dürfte die Branche weiter wachsen.

Diensträder verstärken den Boom

Was den Markt außerdem beflügelt: Waren E-Bikes bislang vor allem bei Älteren gefragt, entdecken nun auch jüngere Kunden das Elektrorad. „Egal ob beim Mountainbike oder Rennrad – künftig wird es in jedem Segment auch Modelle mit elektrischer Unterstützung geben", erwartet Sudhoff. Außerdem seien Motor und Akku immer unauffälliger und bald kaum noch zu sehen. Schwung bekommt die Branche dem Firmensprecher zufolge nicht nur durch die hohe private Nachfrage: „Dienstfahrräder sind ein Treiber des Booms bei E-Bikes." Seit der Steuervorteil nicht nur fürs Auto, sondern auch für Fahrräder gewährt wird, spendieren Arbeitgeber ihren Angestellten gern ein umweltfreundliches und gesundheitsförderndes Elektro-Dienstrad.

Autor/in: Peter Ringel
Veröffentlicht am 23. Oktober 2017
Letzte Aktualisierung am 24. October 2017