Pferdeauktionen

Edles Blut aus Oldenburger Gestüten

Auf einer Fohlenauktion in Vechta haben viele künftige Medaillensammler ihren ersten Auftritt, bevor sie bei internationalen Reitsport-Championaten glänzen. Denn die Oldenburger Pferde tummeln sich gern und oft in der Weltspitze, das Oldenburger Münsterland ist das Zentrum der Zucht.

Die eleganten und charakterstarken Oldenburger werden von der internationalen Reitelite hoch geschätzt – bei der Dressur wie beim Springreiten. Das zeigt sich etwa am Bieterfeld und den Millionenumsätzen bei den Auktionen in Vechta. Und ebenso an der Rangliste des Weltverbands FEI. Mitte 2017 führten Oldenburger Sportpferde in allen Altersklassen die Dressur-Rankings an: Ronaldinyo bei den unter 14-jährigen Reitern, Robbespiere bei den Junioren, West Side Story bei den Jungen Reitern und Weihegold bei den Reitern und Senioren mit der weltweit erfolgreichsten Dressurreiterin Isabell Werth im Sattel. Gezüchtet wurden die ausgezeichneten Oldenburger unter anderem auf Gestüten in Essen im Kreis Cloppenburg oder Goldenstedt im Kreis Vechta.

Training für den großen Auftritt

Wie bei zweibeinigen Spitzensportlern werden auch bei den Sportpferden die Weichen für den Erfolg früh gestellt. Robbespiere begann seine Karriere 2003 auf der Elite-Fohlenauktion in Vechta, dort paradierte 2012 auch West Side Story. In der Kreisstadt präsentiert sich der hoffnungsvollste und schönste Nachwuchs der Oldenburger Rasse alljährlich zwischen Mitte und Ende August. Die Fohlenelite bezieht bereits einige Wochen zuvor ihre exquisiten Stallboxen im Oldenburger Pferde-Zentrum und wird für den ersten großen Auftritt trainiert.

Vier weitere Male im Jahr versammeln sich bei Auktionen in Vechta Fachleute, Züchter und Käufer: Anfang April und Anfang Oktober lassen sich bei den Elite-Auktionen besonders talentierte Oldenburger Spring- und Dressurpferde ersteigern. Die Summer und Winter Mixed Sales bieten Anfang Juni und Anfang Dezember neben Top-Vierbeinern auch weniger hochpreisige Sportpferde an. Bei der Elite-Herbstauktion 2016 gab es bei rund 50 Reitpferden einen Umsatz von knapp 2,5 Millionen Euro. Die Hälfte der Tiere geht ins Ausland.

Vor jeder Auktion in Vechta steht ein Gesundheitscheck an. Röntgenbilder und tierärztliche Bescheinigungen sind für potenzielle Käufer einsehbar. Sie können während des Trainings die Wunschkandidaten begutachten und reiten. Hat sich ein Interessent für ein Pferd entschieden, muss er nur noch das Bieterduell gewinnen – vor Ort oder diskret am Telefon. Wer auch immer den Zuschlag erhält: Fällt in Vechta der Hammer aus Rosenholz, ist der Weg für eine weitere Karriere eines Oldenburger Sportpferds frei.

4.500 Fohlen werden im Jahr geboren

Organisiert werden die Auktionen, Prämierungen und Leistungsprüfungen vom traditionsreichen Oldenburger Pferdezuchtverband, der alle Züchter der Rasse vereint. Zuchtziele sind die korrekte Bewegung in allen Gangarten, Sprungvermögen, die sogenannte Rittigkeit, Leistungswille und Ausdauer. Die etwa 4.500 jährlich im Oldenburger Zuchtgebiet geborenen Fohlen haben ihren ersten öffentlichen Auftritt bei den Brennterminen von Mitte April bis Ende Juli. Dann erhält der Nachwuchs mit Abstammungsnachweis das Brandzeichen: Ein gekröntes O und außerdem einen Mikrochip. Damit können die Fohlen dem wohl berühmtesten Oldenburger Pferd nacheifern: Donnerhall. Der Dunkelfuchs gewann in den neunziger Jahren nicht nur zweimal Dressur-WM-Gold und viele weitere Medaillen. Als Deckhengst zeugte er auch fast 300 erfolgreiche Nachkommen.

Autor/in: Peter Ringel
Veröffentlicht am 12. September 2017
Letzte Aktualisierung am 20. September 2017