Rasta-Boss Stefan Niemeyer

„Der Sport bietet Identifikation“

Stefan Niemeyer ist nicht nur erfolgreicher Unternehmer („Miavit"), sondern auch Geschäftsführer und größter Förderer von Rasta Vechta, dem sportlichen Aushängeschild des Oldenburger Münsterlandes. Im Interview erklärt er, warum ausgerechnet Basketball der Region zu einem positiven Image verhilft.

Frage: Rasta Vechta ist das sportliche Aushängeschild des Oldenburger Münsterlandes. Was bedeutet das für Sie – Verpflichtung, Ansporn, auch Belastung?

Stefan Niemeyer: Wenn man das hier richtig einordnen will, muss man wissen, dass nichts geplant war. Der Erfolg von Rasta fußt auch auf etlichen glücklichen Fügungen. Unsere erste Saison in der Bundesliga war dabei ganz sicher ein Höhepunkt. Wenn man sieht, dass wir die Euphorie auch nach dem Abstieg halten konnten, dann ist das ganz sicher Ansporn, so weiterzuarbeiten.

Frage: Sie stammen aus der Region und machen sich für sie stark. Was ist Heimat für Sie?

Niemeyer: Ich lebe und verdiene mein Geld sehr gern hier. Mir gefallen die Menschen, ich mag den Umgang miteinander und das Ländliche. Unsere Region bietet viel für die Leute, das wird oft unterschätzt. Ich wollte hier auch nie weg. Selbst während des Studiums damals in Osnabrück hat es mich fast jedes Wochenende nach Vechta gezogen. Das ist Heimat.

Es schmeichelt mir schon, erfolgreich zu sein.

Frage: Was zeichnet die Menschen in der Region besonders aus? Wofür stehen sie?

Niemeyer: Sie sind fleißig und denken sehr kaufmännisch. Außerdem engagieren sich viele von ihnen ehrenamtlich und in sozialen Fragen. Das Vereinswesen ist stark ausgeprägt. Das gefällt mir.

Frage: Sind Sie eitel? Brauchen Sie das Rampenlicht?

Niemeyer: Nein, aber es schmeichelt mir schon, erfolgreich zu sein. Als ich als Unternehmer des Jahres ausgezeichnet wurde, habe ich meine Rede mit den Worten begonnen, „Ich habe das verdient". Das war ein bisschen selbstironisch, aber natürlich schwang da auch Stolz mit.

Frage: Wenn es nicht Basketball wäre, bei dem Sie sich ausleben, was wäre es dann?

Niemeyer: Ich habe mich auch im Beruf ausgelebt. Wir haben damals im Unternehmen mit acht Leuten begonnen, heute sind wir 350. Diese Entwicklung hat mir viel Spaß gemacht. Ich hatte aber auch immer andere Dinge, ganz früher die Mitarbeit im Jugendzentrum, heute Rasta. Aber wenn man aus einem Unternehmen kommt, muss man aufpassen, denn das Tempo im Ehrenamt ist ein anderes. Man darf die Leute nicht überfahren.

Es könnte auch Volleyball oder Handball sein

Frage: Gibt es bei Ihnen auch Aktivitäten in gedrosselter Geschwindigkeit?

Niemeyer: Ja, ich sorge für den nötigen Ausgleich. Ich bin leidenschaftlicher Golfspieler. Zweimal pro Woche möchte ich schon auf dem Platz stehen, wir haben hier sehr schöne Anlagen. Da geht es ruhiger zu, auch wenn ich selbstverständlich ehrgeizig bin und mich permanent verbessern möchte. Ansonsten kann ich mir den Luxus leisten, den Tag so einzuteilen, wie ich es brauche. Da ist auch tagsüber mal frei und ich arbeite abends länger.

Frage: Warum funktioniert Basketball in Vechta so gut?

Niemeyer: Der Sport bietet Identifikation. Es könnte auch Volleyball oder Handball sein. Da haben die Leute etwas Positives, was sie stolz macht. Als wir zum ersten Mal in Berlin gespielt haben, waren tausend Fans mit dabei – die Zeitungen haben natürlich berichtet, woher wir kommen und warum wir so enthusiastisch sind. Das gab jede Menge positive Schlagzeilen. Hier in Vechta ist jedes Heimspiel ein gesellschaftliches Ereignis, das wir auch gern zelebrieren. Viele Besucher bleiben bis weit nach Spielschluss im Dome und genießen das Beisammensein. Meet and greet ist ein wichtiger Faktor, über alle Generationen.

Frage: Abgesehen von den sportlichen Fähigkeiten: Was sollte einen Rasta-Spieler auszeichnen?

Niemeyer: Wir brauchen hier Leute, die mit uns leben und sich mit uns identifizieren. Dafür müssen wir hart arbeiten. Basketball-Deutschland weiß aber, dass wir uns sehr intensiv um die Spieler kümmern, ihnen Top-Wohnungen geben oder die Kinder in den besten Kitas anmelden. Wichtig ist uns eine gewisse Bodenständigkeit und dass sich ein Spieler nicht nur selbst betrachtet, sondern immer das Team sieht. Genau wie im normalen Berufsleben.

Ich weiß nicht, ob wir wirklich immer in der Bundesliga spielen müssen.

Frage: Was sagen Ihre Unternehmerkollegen zu Ihrem doppelten Engagement als Firmen- und Rasta-Chef?

Niemeyer: Es gibt große Anerkennung, das kann ich sagen. Grundsätzlich ist die Bereitschaft der Wirtschaft in der Region, Rasta zu unterstützen, ganz enorm. Darüber freue ich mich sehr. Es gibt aber auch Unternehmen, die noch zurückhaltend sind. Wir wundern uns darüber und hoffen, dass wir das noch ändern. Ich weiß nicht, ob wir wirklich immer in der Bundesliga spielen müssen. Aber wenn wir das wollen, brauchen wir vermutlich doppelt so viel Geld wie bisher.

Frage: Sie haben einmal gesagt, Ihr Unternehmen stehe auch für Kontinuität. Ist die auch im Sport, speziell im Basketball möglich?

Niemeyer: So lange ich persönlich und so lange mein Unternehmen das kann, werden wir hinter der Organisation Rasta stehen. Das meine ich mit dem Ausdruck Kontinuität. Der Bau der Halle ist dafür das beste Beispiel. Meine Familie und ich hätten uns ja nicht so sehr engagiert und für 20 Jahre verpflichtet, wenn wir nicht die Perspektiven sehen würden.

Frage: Stößt Ihr Modell auch andernorts auf Interesse?

Niemeyer: Oh ja, wir hatten bereits sehr interessierte Besucher etwa aus Heidelberg, Düsseldorf und Lüneburg hier, die sich unsere Halle genau angesehen haben. Sogar aus Vietnam wurde uns Interesse signalisiert.

Autor/in: Interview: Claus Spitzer-Ewersmann
Veröffentlicht am 24. August 2017
Letzte Aktualisierung am 21. September 2017