Pferdemekka Mühlen

Kleines Dorf mit großem Namen

Mühlen, die Bauernschaft mit wenigen Höfen, ist in wenigen Jahrzehnten zum Zentrum eines international bekannten Pferdeimperiums geworden. Der einstige Springreiter Paul Schockemöhle züchtet dort Sportpferde, für die Millionensummen aufgerufen werden. So wie für Dressur-Weltrekordler Totilas.

In der Welt des Reitsports hat das kleine Dorf einen legendären Klang: Mühlen. Hier gibt es angeblich so viele Pferde wie Einwohner. Darunter sind etliche Berühmtheiten, bei den Vier- wie bei den Zweibeinern. Bekannt wurde der Ort südlich von Vechta durch die drei Brüder Schockemöhle: Paul folgte als einer der weltbesten Springreiter in den 1980ern seinem älteren Bruder Alwin, der seit den sechziger Jahren unter anderem mehrfach olympisches Gold gewann. Der mittlere Bruder Werner war in Mühlen als Züchter erfolgreich, ebenso Paul.

Das nächste Talent ist schon da

Welch wichtige Rolle Mühlen im Pferdesport bis heute spielt, lässt sich aktuell anhand der deutschen Meisterin im Springreiten von 2017 zeigen: Die 23-jährige Amazone Laura Klaphake vom RV Oldenburger Münsterland stammt aus Mühlen. Ihre Pferde, Silverstone G und Catch me if you can, kommen aus dem Mühlener Stall von Paul Schockemöhle, für den auch ihr Trainer Franke Sloothaak arbeitet. Klaphakes Vater arbeitet bei Schockemöhle als Sales Manager, die Tochter war schon als Kind im Stall des Multi-Unternehmers unterwegs.

Neben der Reiterprominenz ist in Mühlen eine ganze Reihe weltberühmte Pferde zu Hause. Der von Paul Schockemöhle gemeinsam mit Ann Kathrin Linsenhoff gekaufte Millionenhengst Totilas wird heute für die Zucht eingesetzt. Das teuerste Dressurpferd der Welt hatte die Sportbühne 2015 verlassen. Jetzt ist sein Samen, wahlweise frisch oder tiefgekühlt, online bestellbar. Die Decktaxe beträgt 2.500 Euro. Auch andere Pferdelegenden hatten ihr Gnadenbrot auf den Mühlener Weiden erhalten. So etwa Paul Schockemöhles erfolgreicher Deister oder Franke Sloothaaks Olympiasieger Walzerkönig.

Eine Pferdeklink mit zwei OP-Sälen

Das Pferdedorf ist nicht nur eine Hochburg der Springreiter. Alwin Schockemöhle, Jahrgang 1937, widmete sich nach seiner eigenen Karriere auch dem Trabrennsport und der Traberzucht. Sichtbar wird dies an der überdachten, mehr als einen Kilometer messenden Trabrennbahn. Für die Infrastruktur zur Versorgung der edlen Tiere ist in Mühlen auch gesorgt. Seit 1985 gibt es eine Pferdeklinik mit drei Behandlungsräumen und zwei Operationssälen. Hier kommt moderne Medizintechnik nicht nur bei Diagnose und Therapie, sondern auch bei der Reproduktion zum Einsatz.

Die Pferde sind in Mühlen allerdings nicht der einzige Wirtschaftsfaktor. So wurde Mühlen dank der Paul Schockemöhle Logistics auch Sitz einer der größten deutschen Speditionen des Landes.

Autor/in: Peter Ringel
Veröffentlicht am 12. September 2017
Letzte Aktualisierung am 19. September 2017