Preisgekrönter Floristen-Nachwuchs aus dem Oldenburger Münsterland

Ein starkes Team

Mehr geht nicht: „Azubi-Cup 2018" und „Beste Bewerbung", Theresa Dinkgrefe und Evelin Schmidt haben beim Fleurop Azubi-Cup, dem Nachwuchswettbewerb der Floristen, in Berlin abgeräumt. Und das obwohl die beiden noch mitten in der Ausbildung sind. Gerade erst begann ihr drittes Lehrjahr. Nach dem Geheimnis des Erfolges befragt antwortet ihr Chef Rick Schouten: „Ganz klar, die beiden sind einfach entspannt." Und daran ist sein Ausbildungsbetrieb nicht unbeteiligt.

Wir fahren nach Berlin

Als Evelin und Theresa die Idee hatten, sich für die Meisterschaft zu bewerben, wurden sie vom ihrem Ausbildungsbetrieb Schouten Blumen und Pflanzen in Cloppenburg bestmöglich unterstützt. Eine kreative Bewerbung war gefragt. Schnell stand fest: Ein Film soll es sein. Chefin Marion Schouten half gern. Steht sie doch regelmäßig für den YouTube Channel des Gartencenters vor der Kamera. Das Ergebnis hat die Jury überzeugt: Mit ihrer Video-Bewerbung haben sich die beiden angehenden Floristinnen das Ticket nach Berlin gesichert. Neben dem Finale erwartete sie dort ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm von Coaching durch Top-Floristen bis Yoga als entspannten Start in den Tag. Und was gaben die Ausbilder ihrem Nachwuchs mit auf den Weg? „Habt Spaß, lernt die Leute kennen, nehmt mit für euch, was ihr könnt", sagt Rick Schouten. Druck Fehlanzeige. „Am Ende haben alle Final-Teams das Thema sehr gut umgesetzt", lobt er, „aber unsere Mädels haben technisch sehr sauber gearbeitet, das war wirklich herausragend".

Der zusätzliche Preis für die beste Bewerbung war das I-Tüpfelchen. Über ihr Werkstück und das ganze „Abenteuer Berlin" berichten Evelin und Theresa in einem Video-Special auf Youtube. Und sie lassen auch künftig von sich hören und sehen: nachdem sie im Finale ein Werkstück für „das ideale Instagram-Foto" hergestellt haben, betreuen die beiden Auszubildenden künftig den Instagram-Account @schouten_blumen_und_pflanzen, auf dem sie aus ihrem dritten Lehrjahr berichten.

Solides Handwerk und wachsende Verantwortung

Wie lernt man, in kurzer Zeit kreative Höchstleistungen zu erbringen? Ausbilderin Marion Schouten ist überzeugt: „Technik ist das A und O." Neben dem Tagesgeschäft erproben sich ihre Auszubildenden an Wahlprojekten. Thema und Budget werden selbst ausgesucht, vom Entwurf bis zur Umsetzung liegt alles in der Hand der künftigen Fachkräfte. Eine willkommene Ergänzung zum Unterricht in der Berufsschule sind Schulungen im eigenen Unternehmen. „Wenn wir zum Beispiel unsere Orchideen-Umtopf-Aktion haben, kommt eine Top-Fachfrau ins Haus. Die nimmt sich dann natürlich nochmal extra Zeit für unsere Azubis", berichtet Marion Schouten. Zur klassischen Lehrarbeit gehört für sie auch Stück für Stück Verantwortung zu übertragen. Nach der Zwischenprüfung führen die angehenden Floristen ihre ersten Kundenprojekte selbständig durch. „Das kann ein Grabkranz sein, ein Beratungsgespräch oder auch eine Zeichnung für einen Brautstrauß. Die Ergebnisse werden besprochen und meistens werde ich positiv überrascht". freut sich Marion Schouten.

Vielfältiges Berufsbild

Marion und Rick Schouten sind in die Leidenschaft für die Grüne Branche hineingewachsen. Früh waren beide mit den Eltern auf Fachmessen unterwegs, immer auf der Suche nach neuen Trends, nach denen sie den typischen Schouten-Stil zusammenstellen. „Unsere Kunden suchen bei uns kein Produkt, sondern Inspiration. Wir bieten ein Einkaufserlebnis und leben unsere Ideen vor", beschreibt Rick Schouten das Konzept. Das trifft auch auf die Auszubildenden zu. „Florist ist ein unglaublich vielfältiger, kreativer Beruf. Oft wird ausschließlich an Blumensträuße gedacht. Es gibt aber auch Event-, Trauer- und Messefloristik, auf die man sich spezialisieren kann. Das sind ganz andere Herausforderungen", erklärt er. Die Begeisterung geben die Unternehmer erfolgreich an den Nachwuchs weiter: „Wer bei uns ausgebildet wurde, ist mit Herz und Seele dabei", freut sich Schouten.

Der Ausbildungsbetrieb

Nachdem die erste Generation Schouten noch kleinere, in ganz Deutschland verstreute Filialen betrieben hat, fokussiert sich das Unternehmen mittlerweile auf das Oldenburger Münsterland. Das Gartencenter in Cloppenburg ist mit 3.000 Quadratmetern der größte Standort, ein weiteres in Quakenbrück sowie Blumenläden in Friesoythe und Löningen gehören dazu. Die Mitarbeiter werden flexibel an allen Standorten eingesetzt – für die Auszubildenden ein zusätzlicher Blick über den Tellerrand, denn Kundschaft und Schwerpunkte sind überall verschieden.

Mit YouTube zu neuen Kunden
Weit über die Grenzen des Oldenburger Münsterlandes hinaus bekannt ist der YouTube-Kanal „Flowers by Schouten". Marion Schouten produziert im Jahr etwa 100 Videos, in denen sie Floristikprojekte Schritt für Schritt vorstellt oder Profitipps gibt. „Es gab in diesem Bereich eine Marktlücke", sagt sie. „Es wurde viel gebastelt, aber ein Kanal für floristische Arbeiten fehlte. Die Zuschauer sollen aus meinen Videos etwas mitnehmen – vielleicht eine Idee für ein Material, eine Farbkombi oder auch einen Pflegetipp. Und natürlich möchte ich auch unterhalten. Entertainment gehört einfach dazu, YouTube ist das neue Fernsehen."

Die meisten Ideen entwickelt Marion Schouten spontan, mal durch Produkte im Laden inspiriert, mal durch die Natur. „Wenn wir die Videos aufzeichnen, mache ich viele Projekte auch selbst das erste Mal." Ihr Konzept geht auf. Über 20.000 Abonnenten zählt der Kanal mittlerweile, ein Video mit Hortensien-Tipps wurde knapp eine halbe Million Mal aufgerufen. Dabei ist Social Media für Marion Schouten eher ein Hobby. Der YouTube-Channel trägt sich wirtschaftlich noch nicht, macht sich aber doch im Geschäft vor Ort positiv bemerkbar. „Es gibt immer häufiger Kunden, die weite Anreisen auf sich nehmen, oder auch extra ein langes Wochenende so legen, dass sie zu uns kommen können. Das ist schon toll." Ein Online-Shop ist in Planung. Momentan betreut Marion Schouten den Kanal in ihrer Freizeit. Aber dabei muss es nicht bleiben. „Ich habe schon immer Spaß daran gehabt, zu präsentieren oder Workshops zu geben. Aber wenn von unseren Mitarbeitern oder Azubis jemand Lust hat, sich mal in einem Video auszuprobieren, herzlich gerne." Für 2019 sind noch Ausbildungsplätze zu vergeben.