Gewerbeparks

Die ganz starken Drei

Der eine so, der andere so. Am Ende zählt der Erfolg. Und während manche Firmen auf einen Einzelstandort vertrauen, setzen andere auf die Nähe zu weiteren Unternehmen und siedeln sich in einem Gewerbepark an. Das Oldenburger Münsterland hat gleich drei davon – und alle verfügen über ein ganz eigenes Profil.

 

Das Rumpeln wird einige Kilometer weit zu hören gewesen sein. Ende März 2018 fiel den Landräten Herbert Winkel (Vechta) und Martin Lübbersmann (Osnabrück), den Bürgermeistern aus Rieste, Neuenkirchen-Vörden, Damme und der Samtgemeinde Bersenbrück sowie Niedersachsenpark-Geschäftsführer Uwe Schumacher ein Stein vom Herzen.

Die sieben Herren hatten allen Anlass stolz zu sein: Das Bundesverkehrsministerium hatte den Planungen für eine neue Anschlussstelle an der Autobahn A1 durch einen sogenannten „Gesehen-Vermerk" zugestimmt. Damit wird das interkommunale Industrie- und Gewerbegebiet Niedersachsenpark eine zweite Anbindung an die Hansalinie erhalten. Allgemein wird die Zusage als Anerkennung für die positive Entwicklung des Parks in den letzten Jahren angesehen.

Über 60 Firmen im Niedersachsenpark

Die Erfolgsbilanz kann sich in der Tat sehen lassen. Zurzeit sind auf dem 412 Quadratmeter großen Gelände mehr als 60 Firmen mit etwa 2500 Beschäftigten angesiedelt – vom Weltkonzern adidas bis zu kleinen Zimmereibetrieben. Einen zentralen Grund für die Ansiedlung benannte die PSA Peugeot Citroen: Der Niedersachsenpark bilde „die logistische Mitte für das Deutschland nördlich von Frankfurt". Der Automobilhersteller lagert hier in seinen Hallen fast 60.000 unterschiedliche Artikel. Groß ist auch die Akzeptanz der regionalen Wirtschaft. So hat Ende 2017 der Landmaschinenhersteller Grimme zusätzliche 6,5 Hektar Grundfläche im Niedersachsenpark angekauft.

Geschäftsführer Schumacher blickt optimistisch in die Zukunft. Der Park wachse gemeinsam mit der Region, die beste Perspektiven habe. Zudem profitierten viele kleinere Betriebe aus der Umgebung von der Zusammenarbeit mit den Firmen aus dem Niedersachsenpark. Für Franz-Josef Sickelmann, Landesbeauftragter für regionale Landesentwicklung, ist er ein Symbol für die Boomregion. Die frühere Auffassung, die Zukunft liege in den Metropolen und nicht im ländlichen Bereich, sei damit widerlegt. „Ich bin stolz auf das, was hier entstanden ist." Das habe Vorbildcharakter für viele andere Bereiche in Niedersachsen.

Eine gute Adresse: der ecopark

Ortswechsel. Über die A1 Richtung Norden. Eine halbe Stunde Fahrzeit bis zur Abfahrt Cloppenburg. Und dann noch 800 Meter bis zum ecopark. Im August 2018 herrscht hier einmal mehr ausgelassene Stimmung. Deutschlands zweitältester Fahrradproduzent feiert Richtfest. Das Unternehmen Hercules errichtet in Emstek ein neues Verwaltungsgebäude und eine Glasfronthalle für eine Dauerausstellung. Werkstatt und Lager kommen hinzu. „Mit der neuen Zentrale geben wir Hercules endlich wieder ein echtes Gesicht", freut sich Geschäftsführer Bernard Meyer.

Dass die Standortwahl auf den ecopark fiel, ist kein Zufall. Er gilt seit seiner Gründung im Jahr 2002 als äußerst gute Adresse. Das landschaftsplanerisch aufwendig gestaltete Areal umfasst gut 300 Hektar. Für interessierte Unternehmen (zurzeit sind es 20 mit rund 600 Beschäftigten) lassen sich Grundstücksgrößen zwischen 3000 Quadratmetern und 20 Hektar individuell zuschneiden. „Bei der Ansiedlung neuer Betriebe gibt es kaum Einschränkungen hinsichtlich Branche oder Größe", betont Geschäftsführer und Vordenker Uwe Haring. Nicht vorgesehen seien hier lediglich großflächiger Einzelhandel, Vergnügungsstätten und Betriebsleiterwohnungen. Dafür haben neue Unternehmen die Möglichkeit, sich bereits bei der Ansiedlung eine Nachbarfläche für eine eventuelle Vergrößerung reservieren zu lassen. Und diese Chance hat bislang schon etwa die Hälfte der Betriebe genutzt und ist im ecopark räumlich und personell gewachsen.

Zum Erfolg trägt das hochwertige Umfeld maßgeblich bei. So gehen etwa die städtebaulichen Qualitäten des ecoparks über die attraktive Landschaftsgestaltung mit vielen Grün- und Freiflächen, die zum Beispiel eine aktive Pausengestaltung in der Natur möglich machen, hinaus. „Von der Lage her ist der ecopark für uns perfekt, für unsere Mitarbeiter übrigens auch", bestätigt Christa Kühling, Inhaberin der Kühling Fruchthandel KG. Und noch etwas: Eine Kooperation mit Kinderbetreuungseinrichtungen in unmittelbarer Nähe gewährleistet die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Ein Juwel in Aufbruchsstimmung: der c-port

Und weiter geht die Fahrt. Hinter Friesoythe liegt am Küstenkanal der c-port. Der Binnenhafen wurde 2003 gegründet, er wird heute gemeinsam vom Landkreis Cloppenburg, von der Stadt Friesoythe und der Gemeinde Saterland getragen. Arno Djuren, seit Juli 2017 Geschäftsführer, hat den Gesellschaftern zuletzt viel Freude bereitet. 2017 konnte beim Umschlag nämlich mit 165.128 Tonnen ein neuer Bestwert aufgestellt werden – eine deutliche Steigerung gegenüber den 106.202 Tonnen aus dem Jahr zuvor.

Mehr als 25 Firmen mit über 150 Mitarbeitern haben sich im c-port angesiedelt. Grund: Der Hafen bietet insbesondere Unternehmen aus Branchen wie Futter- oder Düngemittel, Mineralöle, Baustoffe, Torfe und Erden großzügige Flächen ohne Nutzungseinschränkungen. Darüber hinaus begrüßt das Management auch Ansiedlungen aus den Bereichen Recycling, Kunststoff und regenerative Energien. Djuren entdeckt hier noch viele Möglichkeiten, denn: „Der c-Port ist ein Juwel in Aufbruchsstimmung."

Tatsächlich stehen hinter der 570 Meter langen Kaje mit Anlegestellen für fünf Europaschiffe 35.000 Quadratmeter hochwertig befestigte Umschlag- und Lagerfläche zur Verfügung, speziell ausgerichtet auf den regionstypischen Umschlag von Schütt-, Massen- und Schwergütern sowie Containern und Stückgut. Potenzial? Reichlich.

Arno Djuren sieht vor allem die hervorragende verkehrliche Anbindung über die Bundesstraßen 401 und 72 sowie den direkten Zugang zum Küstenkanal als „Pfunde, mit denen wir wuchern können". Der Geschäftsführer hofft für die Zukunft auf ein Umdenken der Logistiker. Schwere und sperrige Güter gehören für ihn von der Straße und hinauf auf Binnenschiffe. Eine wichtige Aufgabe für die kommenden Jahre werde deshalb darin liegen, den c-port noch mehr als bisher als Logistikdrehscheibe zu positionieren. „Dafür haben wir hier am Kanal die besten Voraussetzungen."

Drei Gewerbeparks, drei Standorte, drei Mal große Zukunftschancen. Die Wirtschaft und die Menschen in der Region profitieren davon.

Autor/in: Claus Spitzer-Ewersmann
powered by webEdition CMS