Firmenchef mit 15

Der Ganzjungunternehmer

Cloppenburg ist ein gutes Pflaster für wagemutige Unternehmer. Hier gab es zuletzt weit mehr Firmengründer als anderswo in Niedersachsen. Und besonders junge wie Bernd Deeken. Der gründete seine IT-Firma schon als Jugendlicher.

Zwei Wochen bevor im Mai 2018 europaweit neue Regeln für den Datenschutz in Kraft traten, stöhnten Unternehmer landauf landab über den immensen Aufwand. Auch Bernd Deeken machte sich Gedanken. Es war Himmelfahrt, die Kumpel feierten. „Da saß ich im Büro und hab gedacht, man muss dringend was zur Datenschutzgrundverordnung machen", erinnert sich der 17-Jährige. „Viele Firmen bekommen sonst Probleme." Also organisierte der Berufsschüler flugs eine Messe. Fünf Wochen später kamen rund 80 Firmenvertreter zum „Security Day" in die Cloppenburger Stadthalle, um sich bei Herstellern und IT-Dienstleistern über Fallstricke und Lösungen beim Datenschutz zu informieren. Einer der Aussteller war Deeken EDV.

Seine Firma hatte der Jungunternehmer als 15-Jähriger gegründet. Damals gestaltete Deeken Webseiten, die erste bastelte er für das Repair Café, in dem der blonde Schlaks bis heute an Computern von Hilfesuchenden schraubt. Als weitere Aufträge kamen, bestand der Vater – ein Steuerberater – auf einer Firmengründung . Die war allerdings schwieriger als gedacht. Als Deeken seine Firma beim Amt anmelden wollte, hatte man dort Bedenken und schickte zwei Vertreter des Jugendamts zu den Eltern nach Hause. Es folgten Gespräche mit Lehrern. Nachdem sich das Prozedere immer länger hinzog, wollte der Jugendliche fast aufgeben. Schließlich hatten die Behörden ein Einsehen und er konnte seine erste Rechnung schreiben. Volljährige haben es da leichter – und sind im Landkreis Cloppenburg auch besonders gründungsfreudig: 71 Firmengründungen pro 10.000 Einwohner gab es dort im Jahr 2017 laut der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer. Der Durchschnitt in Niedersachsen liegt bei 59.

Weil Deeken noch keinen Führerschein hat, radelt er zu seinen Kunden in Cloppenburg. Weiter entfernte Unternehmen holen ihn mit dem Auto ab. Die Geschäftstermine muss der junge Chef auf den Nachmittag legen, vormittags lernt er in der Berufsschule fürs Informatik-Fachabitur. Nebenher machte er eine Grundausbildung beim Technischen Hilfswerk. Für die Fahrschule bleibt da wenig Zeit, erzählt Deeken, „die sagen, ich soll jetzt Gas geben." Doch seine Firma floriert ja auch ohne Fahrerlaubnis. Der Mitarbeiter, den er zuerst eingestellt hatte, war so alt wie er selbst. Der zweite Beschäftigte hat dagegen schon Berufserfahrung – und einen Führerschein.

Autor/in: Peter Ringel
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