Ansgar Hagen

Der Chef vom Revier

Deutschlands bekanntestes Polizeirevier liegt an der Hamburger Reeperbahn: die Davidwache. Seit März 2017 führt Polizeioberrat Ansgar Hagen das Kommando auf dem PK 15. Aufgewachsen ist der 51-Jährige in Bösel im Landkreis Cloppenburg.

Ansgar Hagen – aus Bösel an die Elbe

Frage: Herr Hagen, wollten Sie immer schon Polizist werden?
Ansgar Hagen: Der Weg war tatsächlich ein wenig vorgezeichnet. Mein Opa war Richter, mein Vater Polizist. Ja, ich wollte immer Polizist werden, das war mein Kindheitstraum. Etwas anderes gab es nicht. Nachdem ich mein Abitur am Albertus-Magnus-Gymnasium in Friesoythe gemacht hatte, habe ich mich bundesweit in mehreren Bundesländern um einen Ausbildungsplatz beworben. Gelandet bin ich in Hamburg. Dort erhielt ich als erstes die Möglichkeit, bei der Polizei anzufangen. Ich freute über die Möglichkeit, über den Tellerrand hinaussehen zu dürfen. Rückblickend betrachtet war diese Entscheidung absolut richtig.

Konnten Sie sich schnell von zuhause abnabeln?
Hagen: Das dauert länger, als man glaubt. Ich bin in Bösel behütet und ländlich aufgewachsen. Das hat mich geprägt. Es gab und gibt auch weiterhin eine enge Verbindung mit der Familie, zu Verwandten und Freunden. In den ersten Jahren bin ich häufig gependelt. Das hat sich erst gelegt, als ich – natürlich im Oldenburger Münsterland – meine jetzige Frau kennengelernt habe und wir in Hamburg richtig sesshaft wurden. Auch mit den Freunden von damals treffe ich mich immer noch; das ist dann so vertraut, als ob man sich gerade erst gesehen hat.

Dennoch: Aus dem kleinen Bösel in die Metropole – das war sicher ein Kulturschock?
Hagen: Ja und nein. Natürlich ist in Hamburg vieles anders als im Oldenburger Münsterland. Aber ich finde Hamburg noch recht überschaubar und gar nicht so furchtbar großstädtisch. Die Stadt ist solide gewachsen, wirkt auf mich eher wie eine Aneinanderreihung von kleineren Städten und Dörfern, in denen unter den Menschen in Teilen auch ein großer Zusammenhalt herrscht. Das macht für mich ihren speziellen Charme aus. Und manche Stadtteile erinnern mich sogar direkt ans Oldenburger Münsterland.

Was haben Sie aus Ihrer Heimat mitnehmen können?
Hagen: Ganz sicher die Bodenständigkeit. Mir wurde in der Vergangenheit zurückgespiegelt, dass ich bescheiden geblieben bin, ehrlich und zuverlässig. Dass man kann sich jederzeit auf mich verlassen kann. Das freut mich sehr. Das ist ja durchaus typisch für Menschen, die aus dem Oldenburger Münsterland kommen. Und in meinem Beruf kann das alles auch nicht schaden.

Wie sind Sie denn als Polizist?
Hagen: Selbstverständlich gehören zum Beruf auch Verwaltungs- und Organisationsarbeiten. Aber ich bin jemand, der hier auf St. Pauli so oft wie möglich raus auf die Straße will und den Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern sucht. Hamburg ist eine sehr offene, bunte und pulsierende Stadt, damit verbunden sind viele Chancen, aber auch viele Probleme. Deshalb muss man Fingerspitzengefühl für den Umgang miteinander entwickeln. Das bedeutet eine große Verantwortung und macht unsere Tätigkeit besonders spannend.

Und, haben Sie hier schon mal jemand aus der alten Heimat festnehmen müssen?
Hagen: (lacht) Nein, vielleicht ist mal einer in eine Verkehrskontrolle geraten. Aber das war's auch schon.