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Preis für das unternehmerische Lebenswerk

Bodenständig zum Welterfolg

Wie kaum ein anderer Firmenchef im Oldenburger Münsterland steht Franz Grimme für den Gleichklang aus Heimatverbundenheit und weltweitem Geschäftserfolg. Jetzt wird der Dammer Ehrenbürger vom Verbund Oldenburger Münsterland für sein „Unternehmerisches Lebenswerk" geehrt.

Gefragt, was denn die wichtigste Entscheidung seines beruflichen Lebens gewesen sei, ist Franz Grimme um eine schnelle Antwort nicht verlegen. „In einigen Bereichen habe ich nicht meinen Schwerpunkt gesehen, konnte aber immer die richtigen Leute für die Firma gewinnen und ihnen mein Vertrauen geben", erklärt der 75-Jährige rückblickend. Die eigenen Schwächen ebenso kennen, wie die eigenen Stärken, und daraus die richtigen Schlussfolgerungen ziehen – eine der zentralen Eigenschaften von erfolgreichen Unternehmern. Und ein Wesensmerkmal, das Franz Grimme treffend charakterisiert.

Grimme – dieser Name zählt in Damme. Und darüber hinaus. Seit fünf Generationen steht die Familie im Blickfeld der Öffentlichkeit. Dabei begann ihre Geschichte – wie die so vieler späterer Marktführer aus der Region – eher unspektakulär. Franz Carl Heinrich Grimme hatte 1861 die örtliche Schmiede übernommen. Ihm folgte zur Jahrhundertwende sein Sohn Franz August. Richtig Fahrt nahm der Betrieb nach 1930 auf, als Franz Grimme, Vater des jetzigen Eigentümers, den Schmiedebetrieb übernahm. Er entwickelte mit einem Auffangkorb für Kartoffelroder ein erstes erfolgreiches Serienprodukt für eine rationellere und schonendere Kartoffelernte. Auftakt für eine wohl beispiellose Erfolgsgeschichte.

„Ich wollte immer die besten Maschinen für unsere Kunden."

Franz Grimme
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Mit den Kunden auf Tuchfühlung

Für den jetzigen Preisträger Franz Grimme war der Berufsweg vorgezeichnet. Der Urenkel des Gründers hatte in Köln und Pforzheim Maschinenbau und Betriebswirtschaft studiert. 1970 stieg er mit 24 Jahren nach Abschluss des Studiums bei Grimme ein. An seine ersten Arbeitstage erinnert er sich noch gut. „Ich kam in die Konstruktionsabteilung und entwarf eine Schleppkette für die Montage, die vom Prinzip noch heute eingesetzt wird. Aber ich merkte trotzdem: Ich will raus aus dem Büro!" Er wechselte in den Vertrieb und forcierte die Internationalisierung. „Das war meine Sache: mit den Leuten auf Tuchfühlung gehen, mit ihnen schnacken, Pläne schmieden und praxisgerechte Lösungen entwickeln. Die Verbindung von Technik und Vertrieb wurde meine Leidenschaft."

Wer heute mit Freunden der Familie spricht, wird hören: Franz Grimme hat sich kaum verändert. Er ist bodenständig und nahbar geblieben. Ein echter Oldenburger Münsterländer. Und auch einer, der klare Ziele schätzt und verfolgt, aber – so räumt er ein – auch ehrgeizig ist. „Ich wollte immer die besten Maschinen für unsere Kunden", bekräftigt er. „Wenn ich auf einem Feld eine in einer anderen Farbe als unserem Rot sah, wusste ich: Wir müssen noch mehr tun. Wir müssen immer eine Nasenlänge voraus sein."

Modernisierung und Weiterentwicklung

Bei Übernahme der alleinigen Geschäftsführung 1980 ist das Familienunternehmen mit 350 Mitarbeitern längst marktführend in der Kartoffelerntetechnik. Dennoch treibt Franz Grimme die Modernisierung voran. Er baut das Exportgeschäft weiter aus und lässt neue Maschinen entwickeln, die noch effizienter auf unterschiedliche Boden- und Sortenbeschaffenheiten reagieren. „Wir wollten es den Landwirten draußen auf den Feldern mit unseren Innovationen stets so leicht wie möglich machen – sie müssen schließlich mit unseren Maschinen ihr Geld verdienen", sagt er. Dass er dabei die eigenen wirtschaftlichen Ziele nicht aus den Augen verliert, versteht sich von selbst.

Eine Sache liegt ihm dabei besonders am Herzen. „Mein Vater hat Mitte der 1960er Jahre entschieden: Wir konzentrieren uns voll auf die Kartoffeltechnik. Das war goldrichtig. In den 1990ern spürte ich jedoch, unsere Kunden wollen mehr. Deshalb sollen wir auch beim Pflanzen und Einlagern der Kartoffeln die Technik liefern." So stellt das Unternehmen 1999 auf der Agritechnica-Messe in Hannover die selbst entwickelte Lege- und Lagertechnik – made in Damme. Die technisch verwandte Rübentechnik folgt 2003, die massive Ausweitung der Gemüsetechnik mit der Übernahme des dänischen Herstellers ASA-LIFT 2013.

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Auch mit 75 in der Firma präsent

Über den Tellerrand blicken und nicht nur die eigenen Interessen im Auge haben, dieser Philosophie fühlt sich Franz Grimme verpflichtet. Als Chef überträgt er Verantwortung, motiviert seine Mitarbeiter durch Vertrauen. „Ich war nie jemand, der meint, alles muss über meinen Schreibtisch laufen." Bei wichtigen Entscheidungen hört er auf seinen Bauch, seine Berater in der Firma und seine Frau Christiane. Beide haben 1985 geheiratet und mit Philipp und Christoph zwei Söhne, die inzwischen geschäftsführende Aufgaben in der GRIMME-Gruppe übernommen haben.

Ihr Inhaber selbst ist auch mit seinen 75 Jahren täglich im Büro anzutreffen. „Ich möchte einfach auf dem Laufenden bleiben und bin an den weiteren Entwicklungen interessiert", verrät er. Dass beim heimischen Mittagessen nicht nur gelegentlich Themen aus der Firma auf den Tisch kommen, dürfte bei einem Familienunternehmen nichts Besonderes sein, lässt der Naturliebhaber durchblicken.

Gewürdigt als Botschafter der Region

Über Franz Grimme zu schreiben, ohne seine soziale Einstellung und den Einsatz für seine Heimatstadt Damme zu erwähnen, hieße, nur einen Teil seiner Persönlichkeit zu würdigen. „Wenn man nach rechts und links und nicht nur geradeaus schaut, dann sieht man, was in unserer Gesellschaft schiefläuft", macht er seine Motivation deutlich. Sie findet ihren Ausdruck etwa in der Unterstützung für die von ihm 2012 mitgegründete Dammer Bürgerstiftung und die Andreasstiftung in Vechta. Im Andreaswerk engagiert sich im Übrigen auch das Unternehmen. Jeder Auszubildende absolviert ein mehrwöchiges Praktikum in der Einrichtung der Behindertenhilfe. „Das prägt im positiven Sinne die Persönlichkeit der jungen Leute."

Wer viel gibt, bekommt auch viel zurück. Nachdem er bereits 2011 zusammen mit seiner Frau mit dem Niedersächsischen Verdienstorden ausgezeichnet worden war, wurde Franz Grimme 2016 zum Ehrenbürger der Stadt Damme ernannt – wie sein Vater 30 Jahre zuvor. Bürgermeister Gerhard Muhle würdigte den Geehrten als „herausragenden Botschafter der Region", lobte dessen Standorttreue und soziales Engagement.

Am Ende ist Franz Grimme einer jener Unternehmer, die das Oldenburger Münsterland stark gemacht und seinen Namen hinaus in die Welt gebracht haben, ohne ihre eigenen Wurzeln zu vergessen und ihre gesellschaftlichen Verpflichtungen zu vernachlässigen. Während seiner Zeit als Geschäftsführer stieg die Zahl der Mitarbeiter von rund 350 auf mehr als 2.800, die meisten davon in Damme und dem nahen Rieste. Eine stolze Bilanz.

Bisherige Preisträger

Leuchttürme und Vorbilder für die gesamte Region

Die Ehre, für ihr „Unternehmerisches Lebenswerk" ausgezeichnet zu werden, wird seit dem Jahr 2003 ausschließlich Persönlichkeiten aus dem Oldenburger Münsterland zuteil, die das 65. Lebensjahr bereits vollendet und sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen haben.

Neben den bereits bei den anderen Auszeichnungen genannten Kriterien ist hier beispielsweise auch das soziale oder kulturelle Engagement sowie das gesellschaftliche Ansehen von zentraler Bedeutung.

Die Preisträger

2019 Hildegard Remmers und Gerd-Dieter Sieverding, Remmers Gruppe AG, Löningen
2018 Günther Zerhusen, Zerhusen Kartonagen GmbH, Damme
2017 Clemens-August Krapp, Krapp Eisen GmbH & Co. KG, Lohne
2016 Wilhelm Sieverding, Sieverding Heizungs- und Sanitärtechnik GmbH, Cappeln
2015 Maria Vogelsang-Verhülsdonk, Hugo Vogelsang GmbH, Essen/Oldb.
2014 Heinz Dettmer, Dettmer Verpackungen GmbH, Lohne
2013 Heiner Bröring, Heiner Bröring GmbH & Co. KG, Dinklage
2012 Heinrich Schulz, SCHULZ Systemtechnik Gmbh, Visbek
2011 Alfons Suding, SUDING Beton- und Kunststoffwerk GmbH, Bakum
2010 Franz Meyer, fm Büromöbel GmbH & Co. KG, Bösel
2009 Heinrich Wernsing, Wernsing Feinkost GmbH, Essen/Oldb.
2008 Paul-Heinz Wesjohann, PHW-Gruppe, Visbek · Erich Wesjohann, EW-Group, Visbek
2007 Karl-Heinz Diekmann, Pöppelmann GmbH, Lohne
2006 Dr. h.c. Peter Waskönig, Waskönig+Walter Kabel-Werk GmbH & Co. KG, Saterland
2005 Dr. Hildegard Schnetkamp, Schnefrost Ernst Schnetkamp GmbH, Löningen
2004 Josef Meerpohl, Big Dutchman AG, Vechta
2003 Peter Mager, NORDENIA AG, Steinfeld