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Unternehmer des Jahres

Die Experten für gutes Klima

Bei nordluft in Lohne geht es familiär zu, denn für Walter und Ulla Kampers sind zufriedene Mitarbeiter noch immer die wichtigste Kennzahl eines erfolgreichen Unternehmens. Für ihr vielfältiges Engagement werden sie vom Verbund Oldenburger Münsterland nun als „Unternehmer des Jahres" ausgezeichnet.

Seine Wurzeln hat nordluft in einem ehemaligen Hühnerstall. Dort gründeten Harry Sauerberg und Walter Kampers 1998 ihr Unternehmen. Drei Jahre später ging nordluft mit einer eigenen Geräteserie direktbeheizter Warmluftsysteme an den Start und macht inzwischen „alles, was man mit Luft machen kann". Heute arbeiten hier 82 Mitarbeiter, darunter zwölf Auszubildende. Während Sauerberg sich bereits vor ein paar Jahren in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedete und seine Firmenanteile an vier Gesellschafter verkaufte, sitzt sein Kompagnon noch immer auf dem Chefsessel. Gemeinsam mit seiner Frau Ulla führt Walter Kampers die Firma mit Bedacht und vor allem Herz.

"Wir arbeiten in einer Branche, in der die Weichen für die Zukunft schon gestellt sind."

Walter Kampers
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Gemeinsam für die Region

Dass man vor 23 Jahren den richtigen Riecher hatte, liegt heute auf der Hand: „Wir arbeiten in einer Branche, in der die Weichen für die Zukunft schon gestellt sind", sagt der Diplom-Ingenieur. „Eine gute Luftqualität bekommt gerade in diesen Zeiten einen immer höheren Stellenwert." Zukunftsfähigkeit: kein Problem also. Und nun auch noch der Titel „Unternehmer des Jahres" – eine Auszeichnung, die schon einigen regionalen Größen verliehen wurde. „Zuerst dachte ich: Es kann doch gar nicht sein, dass wir als kleines Familienunternehmen uns in die Liste dieser Preisträger einreihen dürfen", berichtet Kampers. Konkurrenzdenken ist für den 66-Jährigen ohnehin fehl am Platz. Als überzeugter Oldenburger Münsterländer sieht er vor allem das große Ganze: „Hier gibt es viele gute Mittelständler, die sich die Wirtschaftskraft gemeinsam erarbeiten. Und die taucht nicht umsonst in jeder Statistik auf und macht unsere Region deutschlandweit bekannt."

Das Engagement, das sie Tag für Tag für ihr Unternehmen und ihre Mitarbeiter aufbringen, ist für die Kampers' selbstverständlich. „Dieser Preis gehört der gesamten Belegschaft", stellt Ulla Kampers sofort klar. Ihr Mann ergänzt: „Ohne sie würde es nordluft in dieser Form nicht geben."

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Engagement für Geflüchtete

Ihre zahlreichen ehrenamtlichen Aktivitäten, u.a. im Rotary Club Vechta und als ehemalige Regionalbotschafterin für das Netzwerk „Unternehmen integrieren Flüchtlinge", sind für Ulla Kampers ebenfalls keine große Sache: „Das ist für mich ein fließender Übergang zwischen unternehmerischem Engagement und privater Begeisterung für die wichtigen Themen unserer Zeit." Die Integration von Geflüchteten liegt ihr besonders am Herzen. Sechs jungen Menschen aus Syrien, Afghanistan und Pakistan ermöglichte sie bei nordluft bereits den Einstieg ins Berufsleben. Weitere sollen folgen. Und wenn es nach der 58-Jährigen geht, nicht nur im eigenen Haus: „Die Unternehmen sollten etwas mehr riskieren, mehr Akzeptanz walten lassen und es einfach mal probieren. Schon ein einfaches Praktikum kann für diese jungen Menschen den Unterschied machen."

Nicht zuletzt für diese kluge Sicht auf die Dinge war nordluft 2020 bereits Finalist beim Großen Preis des Mittelstands, einer der begehrtesten Wirtschaftsauszeichnungen des Landes. Und auch in diesem Jahr sicherte sich der Experte für Lüftungssysteme eine weitere Ehrung. Zum fünften Mal wählte das Wirtschafts- und Finanzmagazin Capital „Deutschlands beste Ausbilder" in einer groß angelegten Studie aus. Unter ihnen findet sich nun auch nordluft. Den bundesweiten Vergleich braucht man keineswegs scheuen. „Wir können mit Stolz sagen, dass wir bisher jeden Azubi durch die Prüfung gebracht haben. Wir stecken viel Arbeit in die Ausbildung, denn sie ist das Fundament für gute Fachkräfte. Und die brauchen wir heute mehr denn je", sagt Walter Kampers.

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Und nun: Generationswechsel

Durch Corona wurde die Nachwuchssuche zusätzlich erschwert. Auch Praktika waren in letzter Zeit kaum möglich. „Deshalb freuen wir uns umso mehr, dass in den Herbstferien einige Neuntklässler für ein freiwilliges Praktikum bei uns waren", sagt Ulla Kampers. „Die kommen zwar noch nicht nächstes Jahr für eine Ausbildung in Frage, sondern erst übernächstes oder das danach. Aber es lohnt sich immer, jungen Menschen eine Perspektive aufzuzeigen."

Wer ausbilden will, braucht heutzutage also einen langen Atem. Für die Kampers' kein Problem – übrigens auch dann nicht, wenn es um die eigene Nachfolge geht. Sohn Christian ist seit Anfang 2021 Mitglied der Geschäftsführung. Ein Schritt, der lange geplant war: „Christian wollte schon als Kind mithelfen. Damals hat er noch fleißig Schrauben sortiert, die von der Baustelle zurückkamen. Das Taschengeld, das er dafür bekam, hat er gespart und sich irgendwann ein eigenes Mountainbike gekauft", erinnert sich Papa Walter. Gut wirtschaften konnte der Junior also schon immer. Nach der Ausbildung als Industriekaufmann folgten Maschinenbaustudium und einige Jahre Berufserfahrung im Familienbetrieb. Nun wird er die Geschicke des Unternehmens bald selbst leiten. Und wie gut funktioniert das Loslassen? „Das fällt mir gar nicht so schwer", antwortet der Seniorchef schmunzelnd, „denn ich bin schon jetzt Teilzeitrentner und finde das gut so." Ihn trifft man nur noch vormittags in der Firma, danach stehen Gartenarbeit und Golf spielen auf dem Programm. 

Und auch Ulla Kampers möchte in ein paar Jahren kürzertreten. Für eine Nachfolge hat die Leiterin für Personal und Finanzen allerdings klare Vorstellungen: „Wer meinen Job übernehmen möchte, muss soziales Engagement zeigen. Es würde mich zutiefst enttäuschen, wenn hier das Menschliche verloren ginge."

Ja, bei nordluft menschelt es gewaltig. Das Ehepaar Kampers ist erfrischend ehrlich und agiert auf Augenhöhe – stets im Plauderton, aber immer auch mit unternehmerischem Weitblick. Es sind Eigenschaften wie diese, die am Ende des Tages den Unterschied machen. Für Mitarbeiter, Geschäftspartner und nicht zuletzt auch für die gesamte Region.

Bisherige Preisträger

Mit Engagement und Leidenschaft zum Erfolg

Seit 2003 wird alljährlich der „Unternehmer des Jahres" im Oldenburger Münsterland ausgezeichnet. Zur Wahl stehen Unternehmen, die mindestens fünf Jahre am Markt sind.

Eine zentrale Rolle bei der Entscheidungsfindung bilden für die Jury Kriterien wie die Umsatz- und Beschäftigungsentwicklung, das Engagement in der Ausbildung und bei der Beschäftigung von Frauen sowie die Geschäftsidee – immer bezogen auf das Jahr der Verleihung.

Die Preisträger

2019 Carlo und Felix Graepel, Friedrich Graepel AG, Löningen
2018 Stephan Witte, Kampsen GmbH & Co. KG, Cloppenburg.
2017 Ulrich Ehrenborg und Helmut Kohake, Müller Technik GmbH, Steinfeld
2016 Thomas Claaßen, Maschinen- und Metallbau Claaßen GmbH, Saterland
2015 Jürgen Horstmann, Bernard Lampe und Richard Netzel, Beckermann Küchen GmbH, Cappeln
2014 Erich Stallkamp, Erich Stallkamp ESTA GmbH, Dinklage
2013 Stefan Niemeyer, MIAVIT GmbH, Essen/Oldb.
2012 Karl-Heinz Witte, Karl-Heinz Witte GmbH & Co. KG, Lastrup
2011 Dr. Jutta Middendorf-Bergmann, Ludwig Bergmann Maschinenfabrik GmbH, Goldenstedt
2010 Roland Zerhusen, Zerhusen Kartonagen GmbH, Damme
2009 Hermann Schickling, Hermann Schickling Maschinenbau GmbH, Visbek
2008 Wolfgang Mählmann, Mählmann Gemüsebau GmbH & Co. KG, Cappeln
2007 Olaf von Lehmden und Kunibert Ruhe, EnviTec Biogas AG, Lohne
2006 Klaus und Roger Böckmann, Böckmann Fahrzeugwerke GmbH, Lastrup
2005 Franz Grimme, Grimme Landmaschinenfabrik GmbH & Co. KG, Damme
2004 Franz und Gottfried Nietfeld, Nietfeld Feinkost GmbH, Dinklage
2003 Hans Höffmann, Höffmann-Reisen GmbH, Vechta