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Innovationspreis des Oldenburger Münsterlandes

Der Roboter, dein Freund und Helfer

Jeder Brand birgt Gefahren für diejenigen, die ihn bekämpfen. Damit Feuerwehren in Notlagen sicher agieren können, wurde bei Alpha Robotics in Vechta ein taktischer Einsatzroboter entwickelt. Jetzt wird das aufstrebende Unternehmen mit dem Innovationspreis des Oldenburger Münsterlandes ausgezeichnet.

Mehrere Tage lang brennt im Frühjahr 2020 das Südlohner Moor. Eine Fläche von rund 55 Hektar steht in Flammen. Bis zu 350 Feuerwehrleute aus den Landkreisen Vechta, Diepholz und Cloppenburg sind vor Ort und geben ihr Bestes. In weniger gut zugänglichen Regionen kommt der Prototyp eines taktischen Einsatzroboters zum Einsatz. Er ist unter anderem ausgestattet mit einem leistungsstarken Wasserwerfer und einer Kamera mit integrierter Wärmebildtechnik. Bei dem Gerät, das seine Feuertaufe vier Monate zuvor bei einem Lagerhallenbrand in Quakenbrück erlebte, handelt es sich um eine Entwicklung der Firma Alpha Robotics in Vechta.

 

 

„Wir denken quer, neu, disruptiv, visionär – alles, um Herausragendes zu schaffen."

Oliver Rasche
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Unterstützung durch lokale Wehren

Chefdenker und Geschäftsführer des Unternehmens ist Oliver Rasche. In seinem Lebenslauf hat der 43-Jährige einen Abschluss als technischer Fachwirt und ein Studium des Wirtschaftsingenieurwesen stehen. 2015 gründete er die SLT GmbH in Lohne. Seine wahre berufliche Bestimmung fand er zwei Jahre später nach der Umfirmierung zu Alpha Robotics. Ein von ihm bereits in den Anfangstagen entwickelter Rasenmähroboter steht heute noch im Foyer am Firmensitz. „Schon damals", sagt Rasche, „habe ich fast ausschließlich mit Zulieferern und Entwicklern hier aus der Region zusammengearbeitet".

Das Prinzip behält Rasche bei. Er weiß, dass sich Feuerwehrleute häufig in große Gefahr begeben – und stellt sich die Frage, ob man sie nicht mit technischer Hilfe unterstützen kann. Seine Idee: ein unbemannter, ferngesteuerter und teilautonomer Roboter. Gemeinsam mit seinem Mitarbeiterstab beginnt er zu tüfteln.

Schon in der Frühphase involviert er die örtliche Feuerwehr, die ihm von nun an mit Rat und Tat zur Seite steht. Und die Lohner Kameraden binden die moderne Löschmaschine nach Möglichkeit und Notwendigkeit in ihre Einsätze ein. Solche Praxistests sind Gold wert. Zugute kommt Rasche darüber hinaus, dass er und sein Projektleiter Philipp Hartke selbst als Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr aktiv sind und die Probleme, die vor Ort auftreten können, aus eigener Erfahrung kennen.

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Kraftprotz mit bis zu acht Stunden Laufzeit

Oliver Rasche ist von Beginn an von seiner Innovation überzeugt. „Solche Roboter gab es bis dahin nicht." Das wendige Fahrzeug mit der Bezeichnung „Alpha Wolf R1" lässt sich als mobile Plattform für unterschiedlichste Anwendungen und Aufgabenstellungen im zivilen Bereich einsetzen.

Und der „Wolf" ist ein echter Kraftprotz. Mit bis zu vier Tonnen Zugkraft und einer Spitzengeschwindigkeit von 15 km/h kann er in nahezu jedem noch so unwegsamen Gelände seine Fähigkeiten ausspielen und etwa auch schwere, löschwassergefüllte Schläuche über mehrere hundert Meter hinter sich herziehen. Der Akku hält sechs bis acht Stunden. Die Kommunikation in Krisenlagen erfolgt in Echtzeit über eine Handfernbedienung oder – wenn die Einsatzlage es erfordert – von einem mobilen Roboterleitstand aus. Ist letzteres der Fall wird der „Wolf" von Drohnen begleitet, um das Umfeld und die Einsatzlage besser beurteilen zu können.

Daran, dass in seinem inzwischen 20-köpfigen Team noch viel mehr Kreativität und Erfindergeist schlummert, hegt Oliver Rasche keine Zweifel. „Unmögliches möglich zu machen", so definiert er eines seiner Ziele. Er gibt sich nicht mit dem zufrieden, was ist. Sondern sucht nach dem, was sein könnte und sollte. Auf der Website des Unternehmens steht: „Wir denken quer, neu, disruptiv, visionär – alles, um Herausragendes zu schaffen." Er selbst befinde sich mehr oder weniger im Dauerclinch mit dem permanenten Wunsch nach Verbesserungen, sagt Rasche.

Einsatzmöglichkeiten gibt es viele

Was bei Alpha Robotics allerdings nicht gefragt ist, ist zielloses Stochern im Nebel. „Eine Vision hat für uns nur dann einen Wert, wenn sie auch zur Realität wird werden kann." Also den Menschen nützt. Und tatsächlich bezeichnet es Oliver Rasche als eine seiner wichtigsten persönlichen Antriebskräfte, jene, die anderen helfen wollen, vor Gefahren zu bewahren. „Gerade diese Kräfte benötigen den besten Schutz, um einfacher, besser und vor allem sicherer handeln zu können."

Der Markt für Roboter wie die von Alpha Robotics wachse, sagt Vordenker Rasche. Das habe längst auch erste Unternehmen in Asien, Frankreich und den USA auf den Plan gerufen. Die Mitbewerber schlafen nicht. Einsatzmöglichkeiten gibt es auch abseits der klassischen Brandbekämpfung schließlich viele – etwa in Erdbebengebieten, bei Notlagen im Gebirge oder in Tunneln.

Bisherige Preisträger

Wenn aus Ideen Erfolge werden.

Im Jahr 2014 wurde erstmals ein Unternehmen mit dem Innovationspreis des Oldenburger Münsterlandes ausgezeichnet.

Um sich am Wettbewerb um den Innovationspreis zu beteiligen, können interessierte Unternehmen Bewerbungen einreichen, in denen sie verdeutlichen, worin ihre Innovation besteht und wie sie sich auf Kunden, Umwelt, Gesellschaft und den Standort auswirkt. Auch die unternehmerische Entwicklungsleistung sollte herausgearbeitet werden. Daneben ist die Marktreife Voraussetzung für eine erfolgreiche Beteiligung am Wettbewerb.

Die Preisträger

2019 Tierklinik Lüsche, Bakum
2018 Markus Kenter, AKE Zentri-JET GmbH, Garrel
2017 Dr. Torsten Bremer, BOGE Elastmetall GmbH, Damme
2016 Franz Wessendorf, Wessendorf Systembeschichtungen GmbH, Emstek
2015 Bernhard Aumann und Dr. Arthur Schüßler, Wilhelms GmbH, Cloppenburg
2014 Stephan Luker und Markus Kenter, Phoenix Fire Protect Development GmbH, Emstek-Halen