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Existenzgründer des Jahres

Der Spätgründer mit der Hydraulik

Stephan Kallage hat sein Unternehmen „Eska Hydraulik" binnen weniger Jahre auf Erfolgskurs gebracht. Der vom Verbund Oldenburger Münsterland verliehene Titel „Existenzgründer des Jahres" ist der verdiente Lohn für Mut, Entschlossenheit und Risikobereitschaft.

Das beste Alter, um sich selbstständig zu machen? Stephan Kallage lehnt sich in seinem Stuhl zurück und überlegt. „Da will ich mich nicht festlegen, das muss jeder allein herausfinden", sagt er wenig später. Fest steht: Gründer sind nicht immer jung und wild und kommen frisch von der Universität. Rund 45 Prozent waren in den vergangenen Jahren nach Angaben des Statistischen Bundesamtes älter als 35 Jahre. Existenzgründung ist also keine Frage des Lebensalters.

 

 

„Gerade konnten wir den größten Auftrag der Firmengeschichte an Land ziehen."

Stephan Kallage
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Vom Einzelkämpfer zum Firmenchef

Stephan Kallage wagte den Schritt 2013, mit 47 Jahren, aus einer sicheren Anstellung heraus. Ausschlaggebend dafür, so räumt er ein, sei ein persönlicher Schicksalsschlag gewesen. „Da habe ich mich entschlossen, neu über mein Leben und das, was ich eigentlich erreichen möchte, nachzudenken." Bald steht für den gelernten Landmaschinenmechaniker fest, dass er sich seinen schon lang gehegten Traum von der Selbstständigkeit nun endlich erfüllen will – mit einem Portfolio, das seinesgleichen sucht: professionellen Hydrauliklösungen. Oder kurz gesagt: Konzepten dafür, dass die Kraft dort ankommt, wo sie gebraucht wird.

Anderthalb Jahre ist Kallage als Einzelkämpfer tätig. Dann merkt er, dass er so nicht vorankommt: „Es gab Kunden, die waren von meiner Leistung überzeugt. Dennoch kam es nicht zum Auftrag, weil sie mir die Abwicklung allein nicht zugetraut haben." Also stellt er erste Mitarbeiter ein. Ein Kompagnon steigt ein und wieder aus. Aber so langsam kommt eine Linie in die Sache. Heute bietet die Eska Hydraulik GmbH 16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Vechta einen sicheren Arbeitsplatz. Ein wenig könne das Unternehmen noch wachsen, erklärt Kallage, aber die Zahl der Beschäftigten würde er gern auch in Zukunft überschaubar halten. Ein moderates Wachstum ist okay, mehr muss es nicht unbedingt sein.

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Der größte Auftrag der Firmengeschichte

Für Aufmerksamkeit über die Fachkreise hinaus sorgte das Engagement für das im Auftrag des Bremerhavener Alfred-Wegener-Institut fahrende Forschungsschiff Polarstern. Der Eisbrecher ist vor allem in den arktischen und antarktischen Gewässern unterwegs. Im Frühjahr 2021 wurde ein neuer Kran an Bord installiert, zu dem Stephan Kallages Team die Hydraulik beisteuerte. Eine echte Herausforderung, da in den Einsatzgebieten der Polarstern häufig Minustemperaturen von 30 oder 40 Grad herrschen. Das erhöht die Ansprüche an den Korrosionsschutz und die Wetterbeständigkeit um ein Vielfaches, denn „auch unter solchen Bedingungen muss das Gerät reibungslos funktionieren", wie der Firmenchef zu berichten weiß.

Nur zu gern würde der 55-Jährige einmal mit in Richtung Nordpol oder Südpol schippern. Fast hätte es vor einigen Jahren geklappt: „Da hatten wir uns um einen Auftrag für die Hebevorrichtung der Neumayer-Station in der Antarktis beworben." Leider schnappte ein Mitbewerber Eska den Job vor der Nase weg.

Allzu oft komme das allerdings nicht vor, sagt Stephan Kallage und fügt stolz hinzu: „Gerade konnten wir den größten Auftrag der Firmengeschichte an Land ziehen." Der Jahresumsatz liegt inzwischen bei mehr als drei Millionen Euro. Der Markt der Hydraulik-Spezialisten ist begrenzt, man hat es hier über Jahre zumeist mit den gleichen Playern zu tun. Viel läuft über ein gutes Netzwerk und Empfehlungen. Kallages Auftraggeber sitzen vorwiegend in Deutschland, ausgeliefert wird in alle Welt.

Der Betrieb läuft auch ohne den Chef

In der Regel arbeiten die Beschäftigten bei Eska an Einzelstücken. Kürzlich hat ein Kunde aus dem Ruhrgebiet Bewegungseinheiten für Schiffbetankungsanlagen geordert. Kallage wird sie nach Abschluss der Fertigung nach Dubai transportieren lassen. In Südkorea wartet man auf den Antrieb für ein Biomassekraftwerk, für den ein Stammkunde aus Bayern den Auftrag erteilt hat. Auch wenn es um die hydraulische Ausrüstung von Arbeitsschiffen, beispielsweise für Offshore-Anlagen, von Schleusen und beweglichen Brücken oder in der Automobilindustrie geht, ist das Unternehmen ein versierter Partner.

Und Stephan Kallage ist ein gern gesehener Gast. Vor allem bei Geschäften in Russland und China sei der Chef persönlich gefragt. „Darauf legen sie dort großen Wert." Die Kontakte zu den Kunden zu pflegen, das ist inzwischen eine der Hauptaufgaben des Unternehmers. „Gelegentlich packe ich aber auch noch in der Produktion mit an", betont er. Ein Erlebnis aus dem Frühjahr 2021 lässt ihn dennoch kürzertreten. Nach einem Unfall fällt Kallage für einige Monate aus – und darf feststellen, dass der Betrieb in geordneten Bahnen weiterläuft. „Unsere Leute haben einen Top-Job gemacht", ist er im Nachhinein noch immer erleichtert.

So spricht aus Stephan Kallage eine große Zufriedenheit. „Die Entscheidung für die Selbstständigkeit war damals goldrichtig", sagt er. Und auch in den folgenden Jahren hat er offenbar nicht allzu viel falsch gemacht. Erkenntnis: Spät gründen muss nicht von Nachteil sein. Im Gegenteil.

Bisherige Preisträger

Mit Mut und Ehrgeiz voran gehen

Mit dem Preis für den „Existenzgründer des Jahres" werden seit 2003 Unternehmer geehrt, die sich durch Mut und Behauptungswillen hervorgetan haben.

Wichtig ist dabei, dass eine Gründung sich bereits auf dem Markt behauptet haben muss und erfolgreich wirtschaftet. Neben den auch für den „Unternehmer des Jahres" genannten Kriterien werden hier ferner das Marktumfeld, die Qualität der entstandenen Arbeitsplätze sowie bereits erhaltene Auszeichnungen berücksichtigt. Der „Existenzgründer des Jahres" darf höchstens acht Jahre auf dem Markt aktiv sein.

Die Preisträger

2019 Cathleen Cordes, Evergreen Food, Vechta-Langförden

2018 Jens Lübbehusen, Malt Destill GmbH, Emstek
2017 Sarah und Mirco Dhem, Kalieber GmbH, Lastrup
2016 Kevin Bavendiek, Eileen Bavendiek und Robert Lehmann, Bavendiek & Lehmann GmbH und der Sharlene GmbH, Steinfeld
2015 Markus Mechelhoff, MERKUTEC ­GmbH & Co. KG, Dinklage
2014 Dirk Goemann, Reinhold Kurre, Dr. Klaus Zanter und Stefan Plaggenborg, Emission Partner GmbH & Co. KG, Saterland-Ramsloh
2013 Stefan Münzebrock und Jürgen ­Rempe, TIKON GmbH, Molbergen
2012 Philipp Niehues, Jens Niehues, Frank Vulhop, Shopjektiv GmbH & Co. KG, Lohne
2011 Volker Platen und Falk Näth, ­denkmal 3D GbR, Vechta
2010 Klaus Gräfe, GRÄFE GmbH, Saterland
2009 Franz-Josef Kessens, Kessens ­Technik mit System, Lastrup
2008 Ruth und Wolfgang Placke, Kletterwald Nord, Friesoythe
2007 Dr. Marc Koene, Dr. Jan-Hein Swagemakers, Dr. Kirsten Schwenzer und Julius Wegert, Tierärztliche Klinik für Pferde, Bakum
2006 Timo Kaapke, KAAPKE GmbH, ­Cloppenburg
2005 Alexander Siemer, Jachtservice ­Siemer GmbH, Barßel
2004 Alexander Wagner, TerraProjekt ­GmbH & Co. KG, Molbergen
2003 Thomas Claaßen, Maschinen- und Metallbau Claaßen GmbH, Saterland