Kulturköpfe

Ausdruck des Lebens

Viele kluge Menschen haben sich zum Wesen der Kultur geäußert. Ihr Geheimnis liege darin, den Abstand zu wahren, sagte etwa der berühmte irische Dramatiker George Bernard Shaw. Die amerikanische Schriftstellerin Mary Pettibone Poole liefert eine etwas bodenständigere Erklärung: „Kultur ist das, was der Metzger hätte, wenn er Chirurg wäre." Und Alexander Mitscherlich kommt zu dem Schluss „Kultur hängt davon ab, wie die Menschen gelernt haben, miteinander ­umzugehen".

All das ist wahr, all das stimmt. Kultur ist vielfältig und bunt, mal laut, mal leise, mal hübsch und mal hässlich. Aber sie ist immer Ausdruck des Lebens. Des Miteinanders. Und immer eine Bereicherung. Das gilt gerade auch für das Oldenburger Münsterland. Hier zeigt sich die Kultur nicht selten streng traditionell, genauso oft aber auch frech und innovativ. Das vielleicht treffendste Zitat stammt deshalb vom ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker: „Unsere Kultur ist gewachsen wie ein kräftiger und vielgestalteter Mischwald. Er leistet seinen Beitrag zur lebensnotwendigen Frischluft."

Thommes Nentwig

Engagierter ­Kinderfreund

Thommes Nentwig? Das ist der, der „das längste Bild der Welt" gemalt hat. Das ist aber auch der, der zusammen mit schwer erkrankten Kindern Bilder entstehen lässt. 2014 hat der freischaffende Künstler aus Vechta das kostenlose Projekt „EveryDayArt" ins Leben gerufen. Mit Pinsel, Leinwand und viel Einfühlungsvermögen ausgerüstet, „wird dann mal eben ein Kinderzimmer zum Atelier umgemuddelt", erzählt Nentwig. Die Art der Beeinträchtigung spielt dabei keine Rolle, denn „jeder macht einfach so, wie er kann". Und das Konzept kommt an, denn der Vechtaer wird eingeladen – auch über die Grenzen des Oldenburger Münsterlands hinaus. Sein nächster Streich: ein mobiles Atelier mit Monitor. Hier sollen zum Beispiel Kinder mit Leukämie kreativ werden können, die nicht direkt mit Farben in Berührung kommen dürfen. Finden Sie das Projekt spannend oder möchten Teil des Fördervereins werden? Dann besuchen Sie den Künstler ganz einfach auf seiner Webseite.

Steffen Merla

Kreativer Holzschnitzer

Was haben Bär und Wildkatze gemeinsam? Fragt man Steffen Merla, so sind sie robust, wetterbeständig und aus einem der ältesten Baustoffe der Welt: Holz. Der Barßeler Kettensägenschnitzer arbeitet seit 13 Jahren mit dem Naturmaterial. Die bislang ungewöhnlichste Anfrage kam 2016 von einer kalifornischen High School: „Aus einem 1,5 Meter dicken Küstenmammutbaum habe ich in nur zwei Tagen das Schulmaskottchen gefertigt – eine Wildkatze, die nun vor der Schule thront." Im Oldenburger Münsterland lassen sich Merlas Arbeiten et­wa auf dem Weg zum Tierpark Thüle bestaunen, wo ein zehn Meter großer Bär die Besucher an der Bun­des­straße 72 erwartet. Außerdem bietet der Holzliebhaber Work­shops an – da wird gemeinsam gesägt, ge­schnitzt und lasiert. „Als Werk­­statt-Onkel gebe ich auch Technik­unterricht an einer Förderschule und führe Kinder und Heranwachsende behutsam an die Holzarbeiten mit der Kettensäge heran." Den nächsten Schnitzplan hat er auch schon im Kopf: eine begehbare Riesenschildkröte mit Rutsche auf dem Panzer.

Anna Glowienka-­Grüßing

Vielseitige Fotografin

Anna Glowienka-Grüßing aus Lindern vereint Kultur in Theorie und Praxis. Sie engagiert sich ehrenamtlich im Vorstand des Kunst- und Kulturvereins „Lindern ist bunt" und zieht dort im Hintergrund die Fäden – zum Beispiel in Sachen Social Media und Marketing. Aber auch die Praxis kommt nicht zu kurz, denn vor 18 Jahren absolvierte die Linderin eine Ausbildung zur Werbefotografin. Heute ist Anna Glowienka-Grüßing immer auf der Suche nach dem perfekten Bild. Spezialisiert in der Architektur- und Möbelfotografie, hat sie mit der Zeit ihr zweites Standbein in der Hochzeitsfotografie gefunden. „An meinem Beruf schätze ich vor allem, dass ich immer neuen Input von außen bekomme und andere Sichtweisen kennenlerne", erzählt die selbstständige Fotografin. „Das gemeinsame Arbeiten mit Künstlern und Fotografen schärft den Blick für Neues und lässt mich regelmäßig über den Tellerrand schauen."