Kultur aus der Region

Aus Ateliers & Musikschulen

Zeigen uns, was wir können: ­Kulturschaffende aus der Region

Kultur: Das bedeutungsschwangere Wort wird in Magazinen und Zeitungen meist synonym mit der sogenannten Hochkultur ­verwen­det. Ein Gefühl des ­Elitären schwingt mit. Der Duden definiert Kultur hingegen als „Gesamtheit der geistigen, künstlerischen, gestaltenden Leistungen einer Gemeinschaft als Ausdruck menschlicher Höherentwicklung".

Kulturköpfe UNSERE AUTORINNEN JULIA MAKOWSKI, ALKE ZUR MÜHLEN UND PHYLLIS FRIELING PORTRÄTIEREN DREI DAVON.

Es geht bei weitem nicht nur um materielle Kulturgüter wie das klassische Ölgemälde oder altehrwürdige Skulpturen. Kultur meint auch die soziale und mentale Fähigkeit, ebensolche Artefakte hervorzubringen.

Im Oldenburger Münsterland finden wir immer wieder Menschen, die genau diese Be­gabung mitbringen. In unserer Rubrik „Kultur­­köpfe" stellen wir Macher vor: Musiker, Künstler und andere Kreative. Sie lassen uns teilhaben an ihrem Wissen, ihren Perspektiven und schaffen Inspiration. Dabei geht es nicht immer um die großen Museen, sondern um unsere Lebenswirklichkeit. Sie setzen frische Impulse und führen uns vielleicht sogar in neue Welten.

Willi Rolfes

Fragender ­Natur­fotograf

„Ein gutes Bild verdichtet Empfindungen", davon ist Willi Rolfes fest überzeugt. Damit eine solche Aufnahme gelingen kann, braucht es Zeit. Zeit, sich in die Landschaft einzusehen, in sich hineinzuhören und Fragen zu stellen. Oft liegt das Faszinierende im Verborgenen. Wenn der renommierte Naturfotograf durch das nebelverhangene „Große Moor" streift, öffnet er mit seinen Motiven die Augen für diesen wertvollen Lebensraum. In oft jahrelanger Aus­­einandersetzung entstehen fa­cetten­reiche Portraits einer Landschaft oder einer Tierart. Zu sehen sind sie in Zeitungen, Zeitschriften und Ka­lendern, sowie in Ausstellungen und einer Vielzahl von Bild­bänden. Sein Wissen und seine Leiden­schaft für die Fotografie gibt Rolfes regelmäßig in Workshops weiter. Als Direktor der Katholischen Akademie Stapelfeld ist er Mitinitiator des Fotofestivals „Inspiration Natur".

Izabella ­Sieverding

Wissbegierige ­Künstlerin

Aus der Kunstmetropole Krakau ist die polnische Künstlerin nach Norddeutschland gezogen, um Freie Kunst in Bremen zu studieren. Seit rund zehn Jahren lebt Izabella Sieverding nun mit Mann und Söhnen in Lohne. „Beruflich bin ich viel unterwegs und pflege meine Kontakte in die Kunstszenen von Krakau und Bremen." Zu Hause genießt die Freiberuflerin dann die Ruhe des Landlebens. Vor drei Jahren hat sie sich ihren Traum erfüllt: ein eigenes Atelier. „Ich wollte mit dem ‚Rauschend' eine künstlerische Begegnungsstätte, einen gemütlichen Ort des Austauschs schaffen", sagt sie. Ob Ölmalerei, Holzschnitt oder Grafik – die Lohnerin beherrscht unzählige Techniken, wagt sich immer wieder an Unbekanntes und lernt so Neues kennen. Ihr Wissen gibt sie mit Begeisterung in Workshops für Groß und Klein weiter. „Meine jüngsten Teilnehmer sind drei, einige Senioren weit über 60 Jahre alt."

Jana Deutsch

Mitteilsame Sängerin

„Wenn Sie Stimmbänder haben, ­warum sollten Sie dann nicht singen können?" Jana Deutsch lacht. Jeder kann singen, davon ist die Opernsängerin überzeugt. Über zehn Jahre hat sie in Russland, Spanien, Italien und Deutschland von Meistern ihres Fachs gelernt, wie Galina Vishnevskaya und Elena Obraztsova. Sie besuchte Meisterkurse von Moskau bis Barcelona. „Singen ist unsere Natur", erzählt die gebürtige Russin. Inzwischen hat sie ihre Heimat in Hoheging bei Cloppenburg gefunden, vor einem Jahr eröffnete sie ihre eigene Schule. Und ist überzeugt: „Gesang öffnet die Seele." Neben Gesangs­unterricht und Konzerten plant sie deshalb, ihre Musik auch therapeutisch einzusetzen. Ob geflüchteten Kindern, die mit Traumata und neuer Kultur umgehen lernen oder einheimischen Kindern, die familiäre ­Probleme haben: Jana Deutsch glaubt daran, ihnen mit Musik helfen zu können.

Autor/in: Julia Makowski, Alke zur Mühlen und Phyllis Frieling