Preis für das Lebenswerk

Wenn einer stets die richtigen Schlüsse zieht

02.12.2025
Autor: Claus Spitzer-Ewersmann

Der Ehrenpreis für das Lebenswerk geht typischerweise an Persönlichkeiten, die sich aus bescheidenen Verhältnissen heraus eine erfolgreiche Existenz aufgebaut haben – mit Mut, Fleiß und klaren Wertvorstellungen. Ihr Werdegang beweist: Wirtschaftlicher Erfolg und menschliche Haltung sind kein Widerspruch. Ein herausragendes Beispiel dafür ist Alfons Diekmann aus Damme, der in diesem Jahr mit dem Preis ausgezeichnet wird.

Alfons Diekmann gehört zu jenen, die ihren Weg Schritt für Schritt finden. Geboren 1948 als neuntes Kind eines Heuerlingpaars in Märschendorf, wächst er in einer Familie auf, die von harter Arbeit und Zusammenhalt ebenso lebt wie von der Zuversicht, dass sich Fleiß lohnt. Als Alfons im sechsten Schuljahr ist, stirbt seine Mutter – ein Einschnitt, der ihn prägt. Der Vater steht allein mit den Kindern da, und Alfons lernt früh, eigene Entscheidungen zu treffen.

Alfons Diekmann ist unser Preisträger für das Unternehmerische Lebenswerk 2025

Elektrotechnik statt Landwirtschaft

Nach acht Schuljahren zieht es den guten Schüler zunächst in die Landwirtschaft: Er hilft auf Höfen, füttert Tiere, repariert Maschinen. Besonders faszinieren ihn technische Geräte – Mähdrescher, Pressen, Erntemaschinen. Doch für ein Leben als Landwirt sieht er keine Perspektive: „Ich mochte die Arbeit, wollte aber nicht mein Leben lang in Gummistiefeln herumlaufen.“

So entscheidet er sich für die Ausbildung zum Elektrotechniker in Hausstette, eine Wahl, die seinem Talent für Technik entspricht. Nach der Lehrzeit arbeitet er bei Alfred Baumann in Bakum und sammelt erste Erfahrungen bei größeren Projekten, etwa dem Bau der Gausepohl-Versandschlachterei. Dann folgt der Wehrdienst in Hamburg. Nach anderthalb Jahren kehrt er 1970 zurück und wird Betriebselektriker bei Anton Pohlmann in Neuenkirchen, damals Europas größtem Eierproduzenten.

Die Arbeit ist hart, die Verantwortung groß. „In manchen Monaten kam ich auf 300 Stunden“, erinnert sich Diekmann. Doch er lernt, organisiert und zielorientiert zu arbeiten. Nach drei Jahren zieht er Bilanz: So kann es nicht weitergehen. Er besucht das Bundestechnologiezentrum für Elektrotechnik (BFE) in Oldenburg und absolviert die Meisterprüfung. Kaum bestanden, klopft sein früherer Arbeitgeber an: Pohlmann will ihn zurück – mit mehr Verantwortung und Dienstwagen. Alfons Diekmann willigt ein.

Mit Leidenschaft ins eigene Unternehmen

Doch der Preis ist hoch. Die Familie leidet unter der Dauerbelastung. „Meine Kinder bekamen mich kaum zu sehen, meine Frau war mit den Nerven am Ende.“ Schließlich zieht Diekmann die Konsequenz: „Ich möchte mich selbstständig machen!“ Seine Frau Gertrud zögert, unterstützt ihn aber – ein Wendepunkt im Leben des 37-Jährigen.

Im Sommer 1985 gründet er in Damme seine eigene Firma, mit einer Werkbank und zwei Regalen in der Garage hinterm Wohnhaus. Gertrud übernimmt die Buchführung, Alfons die Baustellen. Die Kontakte aus der Eier- und Geflügelbranche sichern erste Aufträge. Bald wächst das Unternehmen, neue Kunden kommen hinzu. Diekmann überzeugt mit Verlässlichkeit, technischem Know-how und der Bereitschaft, anzupacken. 

"Ich wollte Lösungen finden, keine Probleme erklären. - Alfons Diekmann

Mit jedem abgeschlossenen Projekt steigt das Vertrauen der Kundschaft. Diekmann installiert Elektroanlagen für Brütereien, Schlachtereien und Verarbeitungsbetriebe. Besonders schätzt er inhabergeführte Firmen: „Da werden Entscheidungen noch persönlich getroffen.“ Sein Betrieb entwickelt sich stetig, die Auftragsbücher sind voll, die Mitarbeiterzahl wächst.

Foto: v. l. n. r.: Andreas Macke, Birgit Diekmann, Fabian Diekmann, Thorsten Diekmann, Andreas Grund, Alfons Diekmann, Arndt Diekmann, Gertrud Diekmann, Mike Otte, Inga Schulte, Dennis Krümpelbeck, Silke Gehle

Bodenständig, verlässlich, unkompliziert

Ende der Neunzigerjahre beginnt eine neue Phase. Sohn Thorsten, ebenfalls Elektromeister, tritt 1997 ins Unternehmen ein. Vater und Sohn führen den Betrieb nun gemeinsam. Erfahrung trifft auf frische Ideen. Bald werden Projekte auch im Ausland realisiert, etwa Stallanlagen in Osteuropa, die sich dank moderner Steuerungstechnik sogar von Damme aus überwachen lassen.

1998 beschäftigt der Betrieb bereits zwölf Mitarbeitende. Die Garage ist längst zu klein, auch die im Garten errichtete Halle reicht nicht aus. Als auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein 5.000 Quadratmeter großes Grundstück frei wird, nutzen die Diekmanns die Gelegenheit. Hier entsteht Schritt für Schritt ein moderner Firmensitz, der Grundlage für weiteres Wachstum wird.

Vier Jahrzehnte nach der Gründung ist aus der kleinen Garagenfirma ein mittelständisches Erfolgsunternehmen geworden. Heute firmiert es als Alfons Diekmann GmbH, beschäftigt rund 120 Mitarbeitende, darunter 25 Auszubildende. Thorsten Diekmann führt es mit sicherem Gespür für die Erfordernisse des Marktes in die Gegenwart: Digitalisierung, Photovoltaik, Energieeffizienz, E-Mobilität und Gebäudeautomation prägen die Aufträge. Dabei gelten nach wie vor die Werte des Gründers – Bodenständigkeit, Verlässlichkeit und Unkompliziertheit.

Die Zukunft bereits im Blick

Der Senior ist noch fast täglich im Betrieb. Er hat sein Büro behalten, interessiert sich für die Projekte und steht Sohn Thorsten beratend zur Seite. Besonders stolz ist Alfons Diekmann auf die dritte Generation: Enkel Fabian hat 2025 die Meisterprüfung bestanden und tritt nun in seine Fußstapfen.

Was bleibt, ist ein Lebenswerk, das aus Mut, Beharrlichkeit und der Bereitschaft zu Veränderungen entstanden ist. Alfons Diekmann hat nie den einfachen Weg gewählt, aber immer den, der sich richtig anfühlte. Sohn Thorsten bringt es auf den Punkt: „Mein Vater hatte es nie leicht. Als jüngstes Kind der Familie wurde von ihm besonders viel verlangt. Aber er hat sich durchgebissen und immer die richtigen Schlüsse gezogen.“

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