veröffentlicht am 21. April 2020

Wie kreative Kurzfilme aus Stapelfeld Hoffnung vermitteln

Auf der Webseite der Katholischen Akademie Stapelfeld werden seit Anfang April „LebensZeichen" gesendet – kurze Videos, die vielfältige Themen in die heimischen Wohnzimmer bringen. Dr. Martin Feltes, Pädagogischer Direktor der Akademie, berichtet von dieser besonderen Filmreihe.

Herr Dr. Feltes, wie ist die Idee für die „Lebenszeichen" entstanden?
Die Katholische Akademie Stapelfeld war schon immer ein Ort der Begegnung, ein Ort, der von sozialen Kontakten und Austausch lebt. Zurzeit ist unser Haus menschenleer, für uns alle eine ungewohnte und bedrückende Situation, der wir positiv entgegenwirken möchten. Und wenn die Menschen nicht zu uns kommen können, kommen wir eben zu den Menschen. Wir wollen in dieser Zeit virtuell verbunden sein und regelmäßig ein LebensZeichen mit klarer Botschaft senden: „Wir sind noch da, wir sind für euch da!"

Dieses Projekt bringt sicherlich auch für Sie und Ihre Kollegen etwas Positives in dieser schwierigen Zeit mit sich, oder?
Auf jeden Fall. Es ist nach wie vor surreal, morgens in diesem neuen Alltag aufzuwachen. In unserer Akademie ist es seit den Ausgangsbeschränkungen zwar gespenstisch still, aber für meine Kollegen und mich ist das LebensZeichen-Projekt zu einem Katalysator geworden. Wir schöpfen daraus Kraft, bekommen wertvolle Impulse und bleiben untereinander im engen Austausch. Das hilft uns gut durch die Zeit, und das wünschen wir uns auch für unsere Gäste.

„Es ist surreal, morgens in diesem neuen Alltag aufzuwachen."
Dr. Martin Feltes

Was bekommen die Zuschauer in den „LebensZeichen" zu sehen?
Die Inhalte der Videos sind so vielfältig wie unsere Akademie. Wir möchten ein lebendiges Bild unseres Hauses vermitteln, deshalb steuern unsere Dozentinnen und Dozenten Beiträge aus ihren individuellen Kompetenzbereichen bei. Alle haben spezielle Fähigkeiten, Ideen und Interessen. Da wird etwa ein Klavierstück von Felix Mendelssohn Bartholdy gespielt oder eine besondere Bronzeplastik gezeigt und erklärt. Es werden philosophische Überlegungen zur Coronakrise als Grenzsituation angestellt und die Stationen des Stapelfelder Kreuzwegs besprochen. Sogar ein Beitrag auf Plattdeutsch ist dabei.

Wie lange hat es gedauert, die Video-Idee in die Tat umzusetzen?
Das ging vergleichsweise schnell. Von der ersten Idee bis zum ersten Video, das wir am 1. April online gestellt haben, verging nur eine gute Woche Planungszeit. Das ist auch unseren Dozentinnen und Dozenten zu verdanken, die sofort begeistert von unserem Vorhaben waren und vor Ideen sprühten. So hat sich schnell eine bunte Mischung an Beitragsideen entwickelt, die wir der Reihe nach angehen. 13 Folgen sind bereits online.

„Wir wollen eine Botschaft senden: Wir sind noch da, wir sind für euch da!
Dr. Martin Feltes

Das ist doch sicherlich mit einigem technischem Aufwand verbunden, oder?
Unsere Dozentinnen und Dozenten werden vor der Kamera kreativ, unser Kollege Willi Rolfes kümmert sich um alles Technische und filmt die Protagonisten – der Mindestabstand bleibt zu jeder Zeit gewahrt. Ist die Aufnahme im Kasten, muss der Film noch bearbeitet werden, dann wird er auf YouTube hochgeladen und auf unserer Website verlinkt. Das Ganze ist tatsächlich recht aufwendig, sodass wir es nicht jeden Tag schaffen, ein Video zu produzieren. Anfangs lief täglich eine Folge, nun gibt es dienstags und freitags neue Videos.

Wie kommen die LebensZeichen bei den Zuschauern an?
Wir waren überrascht, dass die Videos auf YouTube so viele Aufrufe bekommen. Gerade von Stammgästen kriegen wir zahlreiche positive Rückmeldungen. Für viele ist unser tägliches LebensZeichen zu einem Morgenritual geworden. Die Menschen schätzen es, zum Start in den Tag ein paar Impulse von außen zu bekommen. Unter den Zuschauern sind viele ältere Menschen. Ich glaube, dass die Coronakrise in dieser Altersgruppe viele motiviert, auch endlich „online zu gehen", sich ein Smartphone anzuschaffen oder sich soziale Netzwerke und Videoplattformen wie YouTube genauer anzusehen. So können Senioren Teil des digitalen Geschehens werden, das freut uns sehr.

Auf der Website der Akademie ist auch eine Bilderreihe mit Magnolienbaum zu sehen. Was hat es damit auf sich?
Wir haben seit vielen Jahren einen großen Magnolienbaum vor der Akademie. Jahr für Jahr blüht er prächtig und sorgt für Begeisterung bei den Gästen. Sie fiebern der ersten Blüte regelrecht entgegen. Der Magnolienbaum ist ein Wahrzeichen der Akademie geworden. Auch jetzt haben viele Gäste nachgefragt, wie weit die Blüten des Baumes sind. Für alle, die unsere Magnolie im Moment nicht selbst anschauen können, haben wir ein Fototagebuch eingerichtet. Zwei Wochen lang haben wir jeden Tag ein Foto des Baumes auf die Website gestellt, jeweils angereichert mit einem Gedicht, um unsere Gäste auf dem Laufenden zu halten. Der Baum ist nun leider verblüht, aber wir brüten eine neue Idee aus, wie wir – zusätzlich zu den „LebensZeichen" – digital mit unseren Gästen vernetzt bleiben können.