Foodsharing

So retten Menschen aus Vechta Lebensmittel

Foodsharing ist eine europaweite Bewegung, die sich für die Umwelt und gegen Lebensmittelverschwendung einsetzt. Nicht nur im privaten Haushalt, auch in Betrieben landet nur allzu häufig Essen in der Tonne. Essen, das anderen Menschen noch eine Freude machen würde. Seit vier Jahren gibt es Foodsharing auch in Vechta, wo es stetig wächst und auch in Krisensituationen nicht aufgibt.

Im Überfluss Jedes Jahr werden 18 Millionen Tonnen Lebensmittel in Deutschland entsorgt.

Unser Bewusstsein für Lebensmittel und Reichtum hat sich mit der Zeit stark gewandelt. Selten halten wir noch inne und würdigen, dass wir einen vollen Teller vor uns und einen noch volleren Vorratsschrank in der Wohnung stehen haben. Foodsharing möchte dagegen angehen und die Dankbarkeit und Wertschätzung der Bevölkerung stärken. Hierbei steht der Umweltaspekt im Fokus. 2012 wurde die erste Foodsharing-Gruppe in Berlin gegründet. Mittlerweile engagieren sich beinahe 100.000 Ehrenamtliche für die Mission. Vechta ist eine der jüngeren Gemeinschaften in Deutschland.

„Unser langfristiges Ziel ist es tatsächlich, uns selbst überflüssig zu machen", erzählt Luisa Saalfeld, „denn dann haben wir es geschafft, ein System gegen die Lebensmittelverschwendung aufzubauen". Saalfeld ist Betriebsverantwortliche beim Foodsharing in Vechta. Das bedeutet, dass sie den Kontakt zu jenen Unternehmen in Vechta herstellt und betreut, die ihre Waren zur Weiterverwertung abgeben. Dabei handelt es sich um Lebensmittel, die entweder übriggeblieben sind und am kommenden Tag nicht mehr angeboten werden können, oder Produkte, die als verdorben gelten, in der Regel aber noch essbar sind. Deren Abholung übernehmen sogenannte „Foodsaverinnen" und „Foodsaver". Sie sind auch für die Weitergabe der Nahrungsmittel zuständig: Vom Teilen mit Freunden, Selbstverwertung oder Verschenken bis zum Spenden ist alles erlaubt. Hauptsache, das Essen wird verwendet und nicht verschwendet.

„Jedes Lebensmittel verdient es, verwertet zu werden – der Umwelt zuliebe."
Luisa Saalfeld

Seit Kurzem möchte man sich auch Lebensmitteln annehmen, die direkt beim Hersteller als unbrauchbar angesehen werden. Die Standards in der EU sind sehr streng – das Mindesthaltbarkeitsdatum muss eingehalten werden, Obst und Gemüse sollen eine bestimmte Form oder Farbe aufweisen, um verkauft werden zu können. Dabei sind ein alter Apfel oder eine krumme Karotte durchaus noch genießbar und könnten weiterverwertet werden.

Das System hinter Foodsharing ist denkbar einfach und findet auch in Vechta bereits großen Zuspruch. Zwei Unternehmen kooperieren mit dem Verein, 24 Freiwillige holen die Lebensmittelreste dort regelmäßig ab. Im Jahr 2021 wurden bereits mehr als 5.000 Kilogramm Nahrung gerettet. Jedoch hat die anhaltende Corona-Situation die Arbeit der Foodsharing-Gemeinschaft stark erschwert. „Um Foodsaver zu werden, machen die Neuankömmlinge immer zunächst eine Probeabholung bei einem Betrieb", erklärt Luisa Saalfeld. Das ist unter derzeitigen Bedingungen natürlich kaum möglich. „Aktuell warten um die 15 Leute auf eine Möglichkeit, damit sie anfangen können." Die Organisation arbeitet mit Hochdruck an einer Lösung. Doch das Dilemma hat auch eine gute Seite: 15 neue Lebensmittelretter sind eine ganze Menge engagierter Menschen!

Auch jede Privatperson aus Vechta und Umgebung – ja, sogar überall – kann für weniger Mahlzeiten im Müll sorgen, auch ohne Abholer zu werden. Wer in den Urlaub fährt und Produkte übrig hat, die schlecht werden würden, kann sich ganz einfach registrieren und auf der Internetseite einen Essenskorb zusammenstellen. Wichtig sind nur wenige Informationen: Was ist drin, wie lange ist es noch haltbar und wo kann man es abholen? Schon finden Brot, Obst und Co. einen neuen Verbraucher. Andersherum kann man natürlich genauso gut selber Essen vor der Tonne retten und die Bananen des Nachbarn aufessen, statt neue zu kaufen. Es ist ein Geben und Nehmen.