Bildungsangebot und Festivals

Fokus Stapelfeld: Wo die Fotografie zuhause ist

01.10.2025

Stapelfeld: An der Fotografie Interessierte merken auf, wenn sie den Namen des Ortsteils von Cloppenburg hören. Die dortige Katholische Akademie hat sich in den letzten Jahren zu einer prominenten Adresse in der deutschen Fotoszene entwickelt.

„Das gute alte Lagerfeuer“ – eine Metapher, die Willi Rolfes ganz bewusst wählt. „Das haben wir hier“, sagt er. Seit Anfang 2007 ist er geschäftsführender Direktor der Katholischen Akademie Stapelfeld. Die Einrichtung, 1974 als Heimvolkshochschule gegründet, hat sich längst als modernes, christliches Bildungs- und Veranstaltungszentrum einen Namen weit über die Region hinaus gemacht. Mit jährlich rund 360 Veranstaltungen bietet die Einrichtung ein außergewöhnlich vielfältiges Programm, das nicht nur lokale Interessen bedient, sondern Menschen weit darüber hinaus anspricht.

Wie die Fotografie nach Stapelfeld kam

Zu den Schwerpunkten, die den exzellenten Ruf des Hauses maßgeblich begründen, gehört die Fotografie. Rolfes, selbst ein renommierter Naturfotograf, hat daran großen Anteil. „Als ich hier 2007 meine Stelle antrat, gab es bereits den Fachbereich Bildende Kunst“, erinnert sich der heute 62-Jährige. „Ich habe ihn dann bewusst um die Facette Fotografie erweitert, weil ich darin enormes Potenzial für die Akademie sah.“

Seitdem ist ein vielseitiges und kontinuierlich wachsendes Angebot entstanden, das von intensiven mehrtägigen Workshops über inspirierende Vorträge bis hin zu hochkarätigen Ausstellungen reicht. Dabei richtet sich das Programm nicht nur an Anfänger:innen, die erste Schritte in der Fotografie wagen. Vielmehr spricht es auch erfahrene Fotograf:innen an, die ihre Technik verfeinern oder neue künstlerische Ansätze erproben möchten.

Immer wieder gelingt es den Verantwortlichen, bekannte Referent:innen zu gewinnen, die ihr Fachwissen mit den Teilnehmenden teilen und frische Impulse setzen. Dass dieses Engagement Wirkung zeigt, wird an der Resonanz deutlich: „Das spricht sich herum“, sagt Rolfes. „Inzwischen kommen die Teilnehmenden aus ganz Deutschland und aus den Nachbarländern. Und wir hatten hier auch schon Gäste aus Übersee.“ So ist die Fotografie zu einem Aushängeschild der Akademie geworden.

Fototage mit Schwerpunkt Naturfotografie

Einen Höhepunkt im Veranstaltungsreigen stellen die seit 2011 jeweils im Februar unter dem Titel „Inspiration Natur“ stattfindenden Stapelfelder Fototage dar. Sie haben sich zu einem festen Termin im Kalender entwickelt. Dabei reicht die Bandbreite von künstlerischen Makro- und Pflanzenaufnahmen über Tierportraits bis hin zu Landschaften, Astrofotografie und thematischen Langzeitprojekten.

„Wir zeigen aber auch, wie sich das Genre der Naturfotografie in den vergangenen Jahren weiterentwickelt hat und vielfältiger und damit reicher geworden ist“, macht Rolfes deutlich. Längst geht es etwa auch um die Frage, welche Rolle die Naturfotografie im Kontext von Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein spielt.

In der Szene bestens vernetzt, lädt Rolfes dazu namhafte Profis aus der Naturfotografie ein, ihre aktuellen Arbeiten im Schaufenster der Veranstaltung vorzustellen. „Alle schätzen die Mischung aus Professionalität und persönlichem Miteinander. Die Fototage sind für alle Beteiligten ein Ort des Austauschs, der Begegnung und der Inspiration, zu dem man gern zusammenkommt“, unterstreicht ihr Initiator und Ideengeber. Ein Lagerfeuer eben.

Ein Fotowettbewerb zum Thema „Staunen“

Begegnungen sind auch für Martin Breutmann, den Herausgeber und Chefredakteur der Zeitschrift fotoforum, ein zentrales Motiv für die Veranstaltung „fotoforum Impulse“. Sie ist seit 2016 ebenfalls in Stapelfeld beheimatet. „Die Impulse haben den Charakter einer Tagung, bei der wir uns abseits aller Genregrenzen und außerhalb unserer Blasen mit der Faszination der Fotografie unterhalten wollen“, sagt Breutmann.

Jedes Jahr steht die Veranstaltung unter einem eigenen thematischen Leitmotiv, das die inhaltliche Vielfalt bündelt und unterschiedliche Perspektiven eröffnet. Für 2025 lautet dieses Motto „Staunen“. Anfang Oktober vermitteln zehn Referent:innen ihre Sicht auf das Thema. So entsteht ein facettenreiches Panorama, das sowohl die künstlerischen Ausdrucksformen der Fotografie beleuchtet als auch ihre gesellschaftliche Relevanz unterstreicht.

Im Rahmen des Events wird zudem mit dem fotoforum Award einer der höchstdotierten Fotopreise im deutschsprachigen Raum verliehen. Rund 18.000 Einsendungen von Amateuren und Profis hat die Jury Jahr für Jahr zu sichten. Die besten Aufnahmen aus dem Wettbewerb – auch sie dem Thema „Staunen“ gewidmet – werden vom 6. Oktober bis 30. November in der Katholischen Akademie ausgestellt.

Strahlkraft weit über die Region hinaus

Sowohl mit den Stapelfelder Fototagen und den fotoforum Impulsen als auch mit ihrem Bildungsangebot hat sich die Katholische Akademie Stapelfeld als Treffpunkt für Fotografiebegeisterte etabliert. Dabei reicht ihre Strahlkraft weit über die Region hinaus. So entsteht jener besondere Geist, den Willi Rolfes mit dem Bild des Lagerfeuers beschreibt: ein Platz, an dem Menschen zusammenkommen, Wissen teilen und neue Impulse mit nach Hause nehmen.