Museen im Oldenburger Münsterland

Das sollte man im Herbst gesehen haben

01.10.2025

Die Tage werden kürzer, aber der Entdeckerdrang nicht kleiner. Wer in diesem Jahr noch nicht in den Museen der Region war, sollte sich sputen: Bald wechselt so manche Sonderausstellung. Wir geben einen kurzen Einblick – Lieblingsexponate und Tipps für den nächsten Besuch inklusive.

„Hier gibt es auch beim zweiten, dritten und vierten Besuch immer wieder Neues zu entdecken“ – das hören Museumsleitungen im Oldenburger Münsterland von ihren Gästen häufig. Und: „Es ist hier viel größer als gedacht!“ Mit liebevoll kuratierten Dauerausstellungen, spannenden Sonderthemen und einem attraktiven begleitenden Veranstaltungsprogramm sind viele Häuser nicht nur Bewahrer der Geschichte, sondern auch wichtige Orte der Begegnung und des Austausches.

Museum Vechta

Das Museum Vechta mit dem Castrum Vechtense ist nicht nur ein Pilgerort für kleine und große Fans der Ritterzeit, es ist mit seinem „Zentrum für Experimentelles Mittelalter“ auch als überregionale Bildungsstätte bekannt. Das alles verschmilzt an den jährlichen Burgmannen-Tagen zu einem lebendigen Ausflug in ein faszinierendes Zeitalter. Rund 400 Akteur:innen und Darstellende treffen sich dann zu Markttreiben und Heerlagern im Herzen von Vechta. Die monatlichen Familiensonntage mit Führung und Bastelangebot zu wechselnden Themen bieten regelmäßig neue Einblicke in die Sammlung.

„Mein Lieblingsexponat“ – Museumsleiter Kai Jansen

„In unserer Dauerausstellung zeigen wir Objekte, die bei den Ausgrabungen am ehemaligen Standort der mittelalterlichen Burg Vechta gefunden wurden. Dazu gehört eine sogenannte Ringfibel, auch Handtruwebratzen genannt, die als Schmuckstück und Gewandschließe diente. Das Stück aus dem 13. oder 14. Jahrhundert zeigt plastisch gearbeitete, ineinandergreifende Handpaare. Sie werden als Ausdruck von Verbundenheit interpretiert – wohl eine Verlobungsgabe oder ein Geschenk unter Eheleuten. Die Vechtaer Ringfibel fasziniert mich aufgrund der Ausdrucksstärke ihrer Darstellung und zählt daher zu meinen Lieblingsobjekten der Sammlung.“

Schon gewusst?

In den Workshops des Museums können unter fachkundiger Anleitung historische Handwerkstechniken erprobt werden. So lassen sich das Mittelalter und andere historische Epochen praxisnah erleben.

Kein Besuch ohne ...

... große Runde durch den Zitadellenpark und das Castrum Vechtense. Auf rund zwei Hektar entsteht modellhaft auf Basis archäologischer und historischer Forschungen die Rekonstruktion einer mittelalterlichen Drei-Insel-Burganlage. Burgturm und Gartenanlage können bereits besichtigt werden.

Nicht verpassen
  • Noch bis zum 2. November 2025 ist die Sonderausstellung „Wenn Theater ist, ist Theater! – Laienschauspiel im Oldenburger Münsterland“ zu sehen. Sie beleuchtet die vielfältigen Aspekte, die beim Ausüben dieses zeitaufwendigen Hobbys eine Rolle spielen, und gibt anhand einer Vielzahl von Original-Exponaten spannende Einblicke in den Alltag der Laientheatergruppen in unserer Region.
  • So, 19. Oktober 2025, 15:00 Uhr, Konzert „Hands at work – Sologitarre zwischen Jazz, Pop und mehr“ mit dem Kölner Gitarristen Markus Segschneider. Eine unterhaltsame, musikalische Reise bei Kaffee, Tee und frischem Kuchen.
Und 2026 bringt ...

... im März eine neue Sonderausstellung, auf die sich gerade Familien freuen dürften: „Kindheit im Mittelalter“.

Moor- und Fehnmuseum Elisabethfehn

Das malerisch am Elisabethfehnkanal gelegene Museum ist für manche noch ein Geheimtipp. Doch wer einmal da gewesen ist, empfiehlt es in der Regel nicht nur weiter, sondern kommt auch wieder. Wovon Gäste sich überrascht zeigen: die Größe der Anlagen, die herausragende Qualität der Ausstellung und die modernen Vermittlungsmedien. Überall gibt es etwas zu entdecken, darf angefasst und ausprobiert werden. Zum Beispiel an der neuen Mach-mit-Station zum Thema Paludikultur am Moorlehrgarten.

„Mein Lieblingsexponat“ – Museumsleiterin Antje Hoffmann

„Am eindrucksvollsten ist für mich die Moorkate. Ich kann mich angesichts der damaligen Lebensbedingungen – heute lebend – wie eine Kaiserin fühlen. Wir haben alles, was die Menschen damals vermisst haben: trockene, warme Wohnungen, immer was zu essen, ärztliche und soziale Versorgung… also: Wir könnten aufhören zu jammern und uns tagtäglich freuen, wie gut wir es haben!“

Schon gewusst?

Am neuen Schleusenmodell lässt sich mit eigenen Händen ausprobieren, wie Boote bergauf und bergab geschleust werden. Das Modell mit Schleusentoren, Pumpe und Muttschiff ist nach Vorlage der Schleuse in Elisabethfehn-Dreibrücken entstanden, in deren Sichtweite es steht.

Kein Besuch ohne ...

... Buchweizenpfannkuchen in der Teestube. Das urige Café ist im Winter auch unabhängig vom Museum geöffnet und hat auf der kleinen Speisekarte sowohl süße als auch herzhafte regionale Speisen. Zu besonderen Terminen gibt es Buffet- und Frühstücksangebote.

Nicht verpassen
  • Noch bis zum 31. Oktober 2025 läuft die Sonderausstellung „Mein Schatz – ich zeig dich!“ mit Lieblingsobjekten aus der Sammlung, ausgesucht von den Museumsmitarbeitenden.
  • Oktober 2025, ab 10 Uhr, Schaubacken
2026 bringt ...

... eine große Überraschung!

Industriemuseum Lohne

Auf stolze 200 Jahre Industriegeschichte kann Lohne zurückblicken. Im Industriemuseum wird die Entwicklung der „Stadt der Spezialindustrien“ in einer Dauerausstellung nachgezeichnet, dazu kommen wechselnde Sonderausstellungen. Bis vor Kurzem arbeitete „Lebenswege – Arbeitsmigration in die Region und aus der Region“ ein kaum behandeltes Thema der Lohner Geschichte auf. Seit dem 26. September 2025 heißt es „R|Evolution im Büro – Von der Schreibfeder bis zum Computer“.

„Mein Lieblingsexponat“ – Museumsleiter Raphael Schmitt

„Mein liebstes Exponat ändert sich tatsächlich häufiger. Aktuell ist es eine Maschine, die Tönnchen (geschliffene Korkenden) und Kunststoffkappen zusammenführt. Sie zeigt nicht nur sehr anschaulich, wie die Herstellung der Griffkappen-Korken in der korkverarbeitenden Industrie Lohnes aussah, sondern wie lokale bzw. regionale Industrie ineinandergriff. Denn: Diese Maschine wurde in einer Lohner Firma für Spezialmaschinenbau für die Lohner Korkindustrie hergestellt. 

Schon gewusst?

Dank des modernen Erweiterungsbaus und einem Bewirtungsangebot für Gruppen eignet sich das Industriemuseum Lohne auch für Tagungen, Firmentreffen und mehr. Ein besonderes Highlight war das 200-jährige Jubiläum der Lohner Firma „Kronen-Hansa-Werk“, das in diesem Jahr hier ausgerichtet wurde.

Kein Besuch ohne ...

... Gang durch die angeschlossene Galerie Luzie Uptmoor. Sie widmet sich dem Lebenswerk der Namensgeberin sowie weiteren Künstler:innen mit Bezug zu Lohne. 2026 präsentieren das Museum, die Galerie und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Lohne gemeinsam die Ausstellung „Frauen im geteilten Deutschland“.

Nicht verpassen

Die große Bücherbörse ist ein jährliches Highlight für alle Bücherfreund:innen. Für nur einen Euro pro Buch lassen sich wahre Schätze aus einem Fundus von etwa 10.000 Büchern ergattern. Dieses Jahr findet sie vom 15. bis zum 23. November 2025 statt.

2026 bringt ...

... ein abwechslungsreiches Begleitprogramm zur laufenden Sonderausstellung „R|Evolution im Büro“. Die nächste Sonderausstellung im Herbst wird sich der Geschichte der JVA Vechta widmen.

Museumsdorf Cloppenburg

Das Museumsdorf Cloppenburg hat eine Spitzenposition unter den Freilichtmuseen Mitteleuropas und ist kultureller Leuchtturm der Region. Wie es jährlich zwischen 250.000 und 300.000 Gäste anzieht? Es stellt eine Verbindung zwischen Tourismus, Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung her und ist gleichzeitig wichtiger Impulsgeber für die Menschen der Region.

Auf dem 25 Hektar großen Gelände können die Besucher:innen ganzjährig in 60 Gebäuden aus fünf Jahrhunderten in das Leben in ländlichen Regionen eintauchen. Imposante Hofanlagen samt Nebengebäuden, Handwerksbetriebe, Heuerhäuser, Ställe und Scheunen geben einen Eindruck von der Lebensweise unserer Vorfahr:innen. Belebte Werkstätten, im Dorf lebende Tiere und Gärten nach historischem Vorbild vervollständigen die Atmosphäre. Im Rahmen der Erforschung und Präsentation regionaler Kulturgeschichte der 1950er bis 1980er Jahre hat es das Museumsdorf Cloppenburg sogar zu einer eigenen Disco gebracht: Der legendäre „Zum Sonnenstein“ aus Harpstedt wurde von der Schallplatte bis zum Zapfhahn Teil des Ensembles.

Museumsdorf Cloppenburg © malopo

Veranstaltungen

Vom Vortrag bis zum Großevent lädt das Museumsdorf regelmäßig zu Veranstaltungen. Hier finden sich einige Tipps für die nächste Zeit, das ganze Programm findet sich auf der Website.

  • Oktober 2025: Mahlzeit! Ernten und Essen
    • Am Erntedanksonntag finden über das ganze Dorfgelände Mitmachaktionen für Groß und Klein statt. Neben Andacht, Oldtimertraktoren und Wochenmarktständen gibt es auch eine Saatguttauschbörse.
  • Oktober 2025: Ausstellungseröffnung „Der BRAVO-Starschnitt“ und Dorf-Sonntag
    • Abba, Winnetou, Boris Becker oder Tokio Hotel: Seit 1959 gab es mehr als 100 BRAVO-Starschnitte. Die lebensgroßen Sammel-Plakate von Teenie-Idolen prägen Generationen von Jugendzimmern. Erstmalig präsentiert die Wanderausstellung Der „BRAVO-Starschnitt“ nun dieses bunte Kapitel deutscher Jugendkultur.
  • Oktober 2025: Dorf-Sonntag
    • Mitmachangebote „Disco-Fieber und Konsumträumereien“ und Brotbacken für Kinder
    • Filmvorführung: Primiz in Visbek 2002 – Dörfliches Handeln im Oldenburger Münsterland
  • 29./30. November und 6./7. Dezember 2025: großer Nikolausmarkt