Muss man für so eine Tour „Kulturprofi“ sein?
Greschner: Nein, überhaupt nicht. Wir fahren immer mit dem Bus und geben auf der Hinfahrt eine Einführung. Die Konzertangebote in der Elbphilharmonie sichten wir nach der Musik und ihrer Eingängigkeit in „normale, ungeschulte Ohren“. Es gibt zwar einige Personen, die immer mitfahren, aber mit den unterschiedlichen Angeboten wechselt auch die Gruppe. Man lernt immer wieder neue Leute kennen, die ähnliche Interessen haben. Sie kommen aus der näheren und weiteren Umgebung und nicht nur aus Dinklage. Und die gesamte Organisation, wie Programmrecherche, Kartenkauf und Anreise übernehmen wir – man kann sich entspannen und genießen.
Welche Veranstaltungen stehen demnächst an?
Greschner: Bis Jahresende haben wir noch einige sehr hörens- und sehenswerte Veranstaltungen im Programm: Ende Oktober besucht uns „Cipolla“, das einzige Figurentheater, das bisher in der Elbphilharmonie auftreten durfte, mit dem Erwachsenenstück „Wie wenn Wasser und Feuer sich mengt“. Im November zeigen wir „Der Kleine Lord“ als Live-Hörspiel mit dem „Theater ex libris“. Und am 6. Dezember wird es mit „Swinging Christmas Stories“ und der Big Band DiJaCo weihnachtlich. Den Jahresauftakt macht ein Kinder-Theaterstück der Burghofbühne Dinslaken, das jedes Jahr in Dinklage aufgeführt wird: 2026 ist es „Hase und Igel“. Für den Sommer bereiten wir bereits die „Dinklager Sommermusik“ vor. Für den Frühsommer 2027 ist eine Ausstellung mit dem bekannten und in Dinklage geborenen Maler Markus Tepe geplant.
Wie erleben Sie die Zusammenarbeit mit der Stadt und anderen Partner:innen?
Greschner: Sehr positiv, von den Schulen über Buchhandlungen bis hin zu den Vereinen. Die Stadt unterstützt uns finanziell und auch durch Mitarbeitende des Bauhofs. Lokale Firmen wie Germann & Bruchmann oder Holzbau Brockhaus stellen uns Räume für Konzerte oder Ausstellungen zur Verfügung. Das Autohaus Ruhe räumt für unsere Klassikkonzerte extra seine Ausstellunghalle aus. Diese Zusammenarbeit ist essenziell, denn Dinklage hat kaum Veranstaltungsräume. Wir sind daher oft auf das Wohlwollen von Unternehmen angewiesen. Der Kulturring ist mit seinen Angeboten ein wichtiger Gegenpol zu rein kommerziellen Veranstaltungen. Uns kommt es nicht auf Gewinn um jeden Preis an, sondern es geht ausschließlich um Kultur in der ganzen Bandbreite.
Wo liegen aktuell die größten Herausforderungen?
Greschner: Zum einen bei der Finanzierung – gestiegene Honorare und Technikkosten machen es schwer, bezahlbare Tickets anzubieten. Die Künstler und auch die Techniker bekommen überall das gleiche Honorar - in Dinklage darf und kann eine Eintrittskarte aber nicht das gleiche kosten, wie in der Großstadt. Zum anderen bei der Suche nach geeigneten Räumen: Brandschutzauflagen und begrenzte Kapazitäten führen dazu, dass manche Veranstaltungen unwirtschaftlich oder gar nicht durchführbar sind. Schließlich auch bei der Wahrnehmung: Es gibt immer noch Menschen, die Kultur in Dinklage nicht auf dem Schirm haben. Dabei holen wir wirklich hochkarätige Künstler:innen in die Stadt. Eine weitere Herausforderung ist die fehlende hauptamtliche Zuständigkeit in der Verwaltung für Kultur: Anders als in umliegenden Städten wie Vechta oder Visbek hängt in Dinklage fast alles vom ehrenamtlichen Engagement ab. Und nicht zuletzt müssen wir immer wieder herausfinden, über welche Kanäle wir potenzielle Besucher:innen am besten erreichen.
Was motiviert Sie persönlich zu Ihrem Engagement – und wie können Interessierte mitmachen?
Greschner: Die Begegnungen mit spannenden und manchmal auch bekannten Persönlichkeiten, der Austausch mit Gästen, unser vielfältiges Programm – und das alles direkt vor der Haustür: Das ist einfach sehr erfüllend. Als Leiterin der Bücherei in Dinklage wurde ich schon zum ersten Treffen 2005 eingeladen. Ich schloss mich dem Arbeitskreis an, wurde bei der Gründung des Vereins im Jahr 2007 stellvertretende Vorsitzende und blieb aktiv im Vorstand. Jede:r mit etwas Zeit und Interesse ist willkommen – ob als Mitglied, als Ideengeber:in oder punktuell bei Veranstaltungen. Seit Kurzem gibt es auch eine Familienmitgliedschaft. Wer Lust hat, kann sich jederzeit bei uns melden.
Was würden Sie Menschen raten, die unsicher sind, ob das Programm etwas für sie ist?
Greschner: Kommen Sie einfach mal vorbei. Sie werden überrascht sein, wie viel Atmosphäre, Nähe und Qualität unsere Veranstaltungen bieten. Viele Besucher:innen sind danach richtig begeistert und kommen wieder. Und wer mitmachen will, findet schnell Anschluss bei uns. Wir freuen uns über jede neue Idee, jede helfende Hand – ganz gleich, ob regelmäßig oder punktuell. Kultur lebt auch vom Mitmachen.