Line Dance

Volkstanz auf Amerikanisch

Tanzen ist in – wenn Corona es denn zulässt. Der überlieferte Volkstanz hat es hingegen schwer. Es mangelt am Nachwuchs. Jugendliche stehen eher auf HipHop als auf Polka. Was tun? Der Heimatverein Garrel setzt auf Line Dance und hat neben einer Fortgeschrittenen- inzwischen auch eine Beginner-Gruppe am Start.

Good old Country-Musik im Oldenburger Münsterland? Wenn Rita Otten ihre Line Dancer auf die Tanzfläche bittet, ist das nichts Ungewöhnliches. „Nachdem unsere 1986 gegründete Volkstanzgruppe immer kleiner wurde und zu wenig Männer hatte, haben wir uns nach einer Alternative umgesehen", sagt die Garrelerin, „denn ganz aufhören wollten wir auch nicht". Tatsächlich: Der klassische Volkstanz, in vielen Regionen fester Bestandteil des Brauchtums, ist aus der Mode gekommen. Es fehlt allerorten der Nachwuchs. Die meisten Jugendlichen finden eher wenig Gefallen an den historischen Drehungen.

„Beim Line Dance macht es nichts, wenn man nicht gleich viele Frauen und Männer in der Gruppe hat."
Rita Otten

Line Dance dagegen findet auch unter jüngeren Menschen Liebhaber. Auch in Garrel. „Natürlich haben sich einige ehemalige Mitglieder umorientiert, dafür sind andere neu hinzugestoßen, als wir gesagt haben, wir wollen das mal probieren", blickt Otten zurück. Und als dann neben dem örtlichen Dörpblatt auch noch die regionale Tageszeitung über die Aktivitäten der Gruppe berichtete, „hörte das Telefon gar nicht mehr auf zu klingeln", fügt sie hinzu. Oder die Interessierten kamen gleich direkt zum nächsten Tanzabend ins Schulzentrum. So entwickelte sich ein Kernteam von rund 30 Tänzerinnen und Tänzern aus der Region.

Ursprünglich kommt Line Dance aus Nordamerika und ist eng mit der Country- und Westernmusik verbunden. Er zeichnet sich dadurch aus, dass alle Beteiligten gemeinsam aber für sich allein in Reihen vor- und nebeneinander tanzen. „Da macht es auch nichts, wenn man nicht gleich viele Frauen und Männer in der Gruppe hat", erklärt Rita Otten. Sie kümmert sich zusammen mit Petra Baumann um die Musikauswahl und das jeweils rund zweistündige Training. „Man sollte das nicht unterschätzen, dabei geht es ordentlich zur Sache."

Wichtig sind Spaß und Gemeinschaftserlebnis. Wie auch beim Volkstanz alter Prägung kommen beim Line Dance Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen und gehen ihrem Hobby nach – aber hier sind auch die Jüngeren dabei. Wie so viele andere Freizeitvergnügen bremste Corona allerdings auch den Tanzsport aus. Rita Otten hofft, „dass es bald wieder losgeht". Dann gleich mit zwei Gruppen. Zum einen denen, die schon länger dabei sind und die Schritte beherrschen. Und zum anderen den „Beginnern", die sich gerade erst mit diesem Sport anfreunden.