Saterfriesisch

So retten wir unsere Sprache

Es klingt ein wenig wie Plattdeutsch, aber das Saterfriesische ist eine eigenständige Sprache. Zwischen 1.000 und 2.000 Menschen im Saterland beherrschen sie und sorgen für ihr Weiterleben. Henk Wolf kümmert sich in der Gemeinde beruflich darum.

Henk, Du bist seit Ende 2020 Beauftragter für die saterfriesische Sprache in der Gemeinde Saterland. Was sind denn Deine Aufgaben?
Vor allem die Forschung und Sprachpflege. Dazu gehört etwa die Sichtbarmachung des Saterfriesischen. Wir sammeln wissenschaftliche Arbeiten darüber und veröffentlichen sie im Internet, wir bereiten Hochschulseminare über die Geschichte der friesischen Sprachen vor, sind Mitveranstalter einer Ausstellung über Minderheitensprachen in Deutschland. Es gibt genug zu tun.

Was befähigt Dich zu diesem Job?
Ich kenne mich durch meine Aktivitäten für das Westfriesische (Frysk) mit Sprachpflege und -Förderung aus und habe lange in internationalen Minderheitenforen gearbeitet. Durch persönliche Erfahrungen habe ich auch gute Beziehungen ins Saterland. Dass ich nicht aus der Sprachgemeinschaft komme, hat einige Nach-, aber auch Vorteile. Außerdem verleiht es der saterfriesischen Sprache Status, wenn ein Ausländer – ich stamme aus den Niederlanden – sich die Mühe macht, diese zu erlernen und sich für sie einzusetzen.

„Gefühlsmäßig ist die sprachliche Verbindung zwischen den Generationen zerbrochen."
Henk Wolf

Wie lässt sich das Aussterben der saterfriesischen Sprache verhindern?
Sprachen kann man nur retten, wenn sie als Muttersprache an künftige Generationen weitergegeben oder als Zweitsprache gelernt werden. Für beides ist es nötig, dass sie einen hohen Status haben oder stark mit Gefühlen verbunden sind. Wie in vielen Ländern haben Eltern im Saterland im 20. Jahrhundert die falsche Beratung bekommen, um des Kindes Willen Hochdeutsch statt der Regionalsprache zu sprechen. Gefühlsmäßig ist damit die sprachliche Verbindung zwischen den Generationen zerbrochen. Man kann versuchen, diese durch Unterricht wiederherzustellen. Dafür braucht es gute Unterrichtsmaterialien sowie Lehrer, die sich für die Sprache engagieren.

Was hast Du an den ersten Tagen im neuen Job gemacht?
Ich hatte gleich viele Termine für Online-Gespräche mit aktiven Menschen in der saterfriesischen Welt. Außerdem durfte ich die Website Seeltersk.de aufbauen und meine Kollegen in Oldenburg und Ramsloh kennenlernen.

Wer ist dein wichtigster Ansprechpartner, mit wem tauschst du dich aus?
Das sind zwei: Johanna Evers im Saterland und Stefan Meyer bei der Oldenburgischen Landschaft. Johanna hat unglaublich viel für die saterfriesische Sprache geleistet und ist – auch wenn sie jetzt in Rente ist – noch sehr aktiv. Stefan kennt viele, viele Leute und hat aus dem plattdeutschen Umfeld eine Menge aufregende Ideen.

Hattest du in der Vergangenheit schon Verbindungen ins Saterland?
Aber sicher! Ich kam schon Mitte der 1990er Jahre ins Saterland. Damals war ich Mitglied im internationalen Jugendverein Frysk Ynternasjonaal Kontakt, in dem Minderheitensprachen das verbindende Thema waren. Als junge niederländische Friesen trafen wir uns mit Altersgenossen aus ganz Europa, die etwa Nordfriesisch, Irisch, Kornisch, Sorbisch oder Kaschubisch sprachen. Vor allem zwischen unserem friesischen Friesland und den friesischen Minderheiten in Deutschland gab es viel Kontakt. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft wir als Freunde am Hollener See gezeltet oder den saterländischen Karneval miterlebt haben. Bei diesen Gelegenheiten haben wir meistens unser eigenes Friesisch gesprochen: wir Westfriesisch, die Saterfriesen Saterfriesisch. Die Mundarten sind einander so ähnlich, dass wir das ohne größere Schwierigkeiten geschafft haben.