Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei Selbstständigen

Viele Bälle in der Luft

Termine, Fristen, kurzfristige Anfragen – Familie und Beruf unter einen Hut zu bekommen, ist schon für Angestellte oft ein Drahtseilakt. Für Gründerinnen, Gründer und Selbstständige bringt der Geschäftsalltag weitere Herausforderungen mit sich. Wir haben zwei Expertinnen aus der Region gefragt, wo es Unterstützung gibt.

Frau Hoefert, Sie leiten den START:PUNKT Landkreis Cloppenburg in Emstek. Welche besonderen Herausforderungen bringt das Gründen – überhaupt Arbeit in Selbstständigkeit – für Menschen mit Familie mit sich?
Angela Hoefert: Gerade in der Ideenfindungs- und Gründungszeit sind die Arbeitszeiten oft länger, das Einkommen ist unregelmäßig oder schwer planbar und der Arbeitsplatz aus Kostengründen noch im Eigenheim. Eine Kombination, die es in sich hat.

Wie können Sie im START:PUNKT diese Situation erleichtern?
Wir versuchen sowohl mit unserem Beratungsangebot als auch in den Strukturen entgegenzukommen. Konkret heißt das zum Beispiel, dass wir kurzfristig Termine ermöglichen. Nach Absprache können die auch außerhalb der klassischen Kernarbeitszeit liegen. Das erleichtert es, Care-Arbeit innerfamiliär zu organisieren.

Sie bieten auch wortwörtlich Raum zum Entfalten, richtig?
Ja, unsere Coworking Spaces sind nicht nur eine günstige Alternative zum ersten eigenen Büro. Viele Gründerinnen und Gründer starten ihr Business am heimischen Schreibtisch. Wer dort keine Ruhe findet – oder eine klare Trennung zwischen Arbeits- und Familienzeit benötigt – kann sich bei uns einmieten. Auf Vorschlag eines Nutzers sind die Coworking Spaces auch flexibel buchbar, etwa für regelmäßig zwei Tage die Woche. Neben dem Arbeitsplatz profitieren unsere Mieterinnen und Mieter auch vom Netzwerk untereinander und dem kurzen Draht zu uns Beraterinnen und Beratern.

Sind Sie offen für weitere Ideen?
Unbedingt. Wir sind nicht nur im Aufbau, sondern wollen auch weiterhin agil auf die Nachfrage reagieren. Wir freuen uns, wenn Gründungsteams und Selbstständige sich mit ihren Ideen in den START:PUNKT einbringen – im persönlichen Gespräch oder einfach über das Kontaktformular auf der Website.

„Wir freuen uns, wenn Gründerinnen, Gründer und Selbstständige sich mit ihren Ideen bei uns einbringen.“
Angela Höfert
Wirtschaftsförderung Landkreis Cloppenburg

Frau Hitz, Sie sind Leiterin der Koordinierungsstelle für Frauen und Wirtschaft und des Verbunds familienfreundlicher Unternehmen. Wo finden Gründerinnen, Gründer und Selbstständige flexible Betreuung?
Renate Hitz: Angebote und Unterstützung für flexible Kinderbetreuung gibt es über die Vermittlungsstelle der Tagesmütter. Im Landkreis Cloppenburg vermittelt das Kindertagespflegebüro mögliche Tagespflegepersonen und berät auch Unternehmen im Bereich der betrieblichen Lösungen für die Kinderbetreuung. Im Bereich der Hausaufgaben und Ferienbetreuung bieten die einzelnen Städte und Gemeinden in der Region meist über die Grundschulen, Sportvereine oder Kirchengemeinden gute Lösungen an. Eine kurzfristige oder „Notbetreuung" ist im Oldenburger Münsterland noch nicht installiert.

Letztlich stehen die meisten Gründerinnen, Gründer und Selbstständigen mit Care-Aufgaben vor den gleichen Herausforderungen. Gibt es Netzwerke, in denen sie sich gegenseitig stärken?
„Speziell an Frauen wendet sich der Gründerinnenstammtisch der LandFrauen Weser-Ems. Eine Gründungslotsin leitet die kostenlosen On- und Offline-Treffen. Zu den Unternehmerfrauen im Handwerk mit Gruppen in Cloppenburg und Vechta gehören neben mitarbeitenden Frauen auch Unternehmerinnen.
Wir als Verbund familienfreundlicher Unternehmen unterstützen Gründerinnen, Gründer sowie bestehende Unternehmen gleichermaßen bei einer familienfreundlichen Personalpolitik. Dazu gehört übrigens auch das Thema Führen in Teilzeit. Führungskräfte sehen sich ähnlichen Herausforderungen gegenüber wie Selbstständige. Insbesondere im öffentlichen Dienst, in pflegerischen oder sozialen Einrichtungen gibt es mittlerweile in der Region im mittleren Führungssegment Leitungsfunktionen in Teilzeit. Aber auch Betriebe der freien Wirtschaft bieten Führungspositionen zu reduzierten Stundenanteilen an.

„Zur Vereinbarkeit gehört auch, das Thema Führen in Teilzeit in Unternehmen mitzudenken.“
Renate Hitz
Verbund familienfreundlicher Unternehmen