Das Problem Langlebigkeit

Nachhaltigkeit in der Kunststoffindustrie

Autorin: Lena Hoffmann
Kunststoff, umgangssprachlich oft Plastik genannt, stellt eine der großen Herausforderungen unserer Zeit dar. Im Oldenburger Münsterland sitzen führende Unternehmen der Branche, deren ganze Aufmerksamkeit einem umweltbewussten Umgang mit dem Material gilt.
 Kunststoff, Plastik, Plaste oder Technopolymere. Es gibt viele Bezeichnungen. Doch der Stoff selbst ist noch deutlich vielseitiger als seine Namen. Das macht ihn beliebt und praktisch, doch er birgt auch ein Risiko: seine Langlebigkeit. So braucht etwa ein herkömmlicher Strohhalm aus Plastik rund 200 Jahre, um sich zu zersetzen. Eine Plastiktrinkflasche benötigt gar 450 Jahre und eine Angelschnur bis zu 600 Jahre. Und Experten des Umweltbundesamtes gehen sogar davon aus, dass sich viele Kunststoffe aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften nie vollständig auflösen können.
Sie werden lediglich immer kleiner.
 
Das Oldenburger Münsterland ist seit Jahrzehnten ein Zentrum der Kunststoffherstellung. Allein in Lohne, einer Stadt mit gut 26.000 Einwohnern, fertigen etwa zehn Firmen Jahr für Jahr Milliarden an Plastikprodukten: Verpackungen für Lebensmittel sowie für die Pharma- und Kosmetikbranche, technische Folien, Pflanztöpfe für den Gartenbau, Spezialteile für die Automobilindustrie und vieles mehr.
 

Folien aus Folien

Damit die Plastikmüllberge nicht weiterwachsen, setzen viele der Unternehmen auf Wiederverwertung im Recycling-Kreislauf. Jeder alte Joghurtbecher, der nochmals verwendet werden kann, hilft das Problem zu lösen.
 
Beim Traditionsunternehmen Pöppelmann in Lohne wurde eine Verpackung in einer „Recycling Blue“ genannten Farbe entwickelt, die bei der Abfallsortierung identifiziert und getrennt gesammelt werden kann. Damit lässt sich die Quote des in gelben Säcken gesammelten Plastikmülls, der tatsächlich wiederverwertet werden kann, signifikant erhöhen. Die alten Verpackungen werden zu Granulat verarbeitet, aus dem wieder neue Produkte wie beispielsweise Pflanztöpfe entstehen. Nachhaltigkeit wird auch bei Nordfolien in Steinfeld großgeschrieben. Folienabfälle und aus dem Markt zurückgenommene Folienverpackungen lassen sich zu Regranulaten verarbeiten. Im betriebseigenen Heizkraftwerk wird durch die Eigenstromerzeugung und durch die Gewinnung thermischer Energie aus Abwärme die Belastung der Luft durch CO2 deutlich verringert. Die Vertreter der Kunststoffbranche im Oldenburger Münsterland haben Herausforderungen nie gescheut. Deshalb darf man sich sicher sein, dass in den Forschungslaboren längst an neuen Lösungen für die Materialien der Zukunft geforscht wird

Dieser Artikel ist zuerst in „Nachhaltigkeit im Oldenburger Münsterland – Eine Region zeigt wie es geht" vom Verlag Kommunikation + Wirtschaft im Dezember 2021 erschienen.