Beton aus Hausmüll

Nachhaltigkeit im Baugewerbe

Autorin: Jessica Foppe
Über 500 Millionen Tonnen mineralische Rohstoffe werden Jahr für Jahr in Deutschland verbaut. Damit gehört der Bausektor zu den ressourcenintensivsten Wirtschaftszweigen. Doch der enorme Rohstoffeinsatz bietet auch großes Einsparpotenzial: Betriebe im Oldenburger Münsterland zeigen, wie Ansätze Richtung nachhaltiges Bauen aussehen können.
EINMALIGES PROJEKT Im Aquaferrum in Friesoythe entsteht ein Badebecken aus Carbonbeton – einer nachhaltigen Alternative zu Stahlbeton.
Kein Baustoff wird so häufig verwendet wie Beton. Kies, Sand, Wasser und Zement bilden die Grundlage für den Alleskönner. Das hört sich zunächst noch nicht nach großer Umweltverschmutzung an, doch tatsächlich ist Beton für etwa acht Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Zurückführen lässt sich das vor allem auf die Herstellung von Zement, der als Bindemittel benötigt wird. Da auf den Einsatz von Beton in naher Zukunft nicht zu verzichten sein wird, muss die Baubranche umweltfreundliche Sorten entwickeln. So könnte die Zugabe klimaschädlichen Zements durch den Einsatz alternativer Bindemittel reduziert werden. Zugleich ist es möglich, statt Primärbaustoffen wie Kies und Sand Recyclingmaterial zu nutzen. Kunststoffabfälle, Elektroschrott oder Hausmüll könnten so Verwendung finden und den Abbau begrenzter Rohstoffe reduzieren. Die Berding Beton GmbH aus Steinfeld beteiligt sich an der Entwicklung umweltfreundlicher Betonsorten „unter Beachtung aller Phasen des Produktlebenszyklus“. So werden bereits während der Produktentwicklung Aspekte wie die Entsorgung und das Recyclingpotenzial der Betonware mitgedacht.
 

Kohlenstofffasern statt Stahl

Ein Beispiel für den Einsatz umweltfreundlicher Baustoffe kann voraussichtlich ab November 2022 in Friesoythe betrachtet werden. Im Schwimmbad Aquaferrum soll erstmals ein neues Badebecken aus Carbonbeton entstehen – eine nachhaltige Alternative zu Stahlbeton, bei der Kohlenstofffasern statt Stahl als Bewehrung eingesetzt werden. Bundesweit ist das Projekt bislang einmalig. Das Ziel: Ressourceneinsparung und eine längere Lebenszeit des fertigen Bauwerks.
 
Ein Hochhaus aus Holz? Das scheint abwegig. Doch tatsächlich gilt Holz als Alternative zu Beton und anderen klimaschädlichen Baustoffen. Nachwachsend, energieneutral und regional: Die Ökobilanz ist kaum zu schlagen. Auch im Oldenburger Münsterland wird Holz zum Bauen vielseitig eingesetzt. Bei der Sextro Holzbau GmbH aus Dinklage reichen die Leistungen vom Fassadenbau über Altbausanierungen bis zum anspruchsvollen Ingenieurholzbau. Als besonders nachhaltig gilt der Holzrahmenbau. Durch die ausgezeichnete Wärmedämmung lässt sich während der Nutzung des fertigen Gebäudes zusätzlich Energie einsparen.
 
Vor allem die Wahl der Materialien ist im Baugewerbe entscheidend für die Ökobilanz. Doch umweltfreundliche Betonsorten und -alternativen sind auch im Oldenburger Münsterland im Kommen. Damit sind die Weichen gestellt für mehr nachhaltiges Bauen.

Dieser Artikel ist zuerst in „Nachhaltigkeit im Oldenburger Münsterland – Eine Region zeigt wie es geht" vom Verlag Kommunikation + Wirtschaft im Dezember 2021 erschienen.