veröffentlicht am 29. April 2020

Wie ein Stück Lohner Stadtgeschichte in den Stadtpark kam

Vielerorts legt die Kultur eine Zwangspause ein. In Lohne zeigt sich, dass Künstler auch in der Coronazeit weiterhin kreativ tätig sind. Im April wurde im Stadtpark eine Skulptur aufgestellt, die an die türkischen Gastarbeiter erinnert, die in den 1960er Jahren in die Stadt kamen.

Radlader und Transporter, Bauarbeiter und eine schwere Bronzeplastik – im Lohne Stadtpark war am 21. April richtig was los. Der SV Amasyaspor, der Heimatverein, das Industrie Museum Lohne und der Runde Tisch für Integration und Völkerverständigung hatten den Wunstorfer Bildhauer Bernd Maro mit der Fertigung einer Skulptur beauftragt, die an eine wichtige Phase der Stadthistorie erinnern soll.

„Dieses Denkmal ist ein klares Bekenntnis, dass die türkischen Gastarbeiter, die in den 1960er Jahren und danach nach Lohne kamen, um im Moor Torf zu stechen, ein Teil unserer Geschichte, ein Teil von uns sind", erklärte Bürgermeister Tobias Gerdesmeyer.

„Für uns ist das ein Stück Lebensgeschichte."
Ali Boydak

Zwei Stunden dauerte es, bis Maros Werk entladen, aufgestellt und befestigt war. Zu sehen sind ein türkischer Mann und eine türkische Frau, die in gebückter Haltung Torfsoden schichten.

„Für uns ist das nicht nur irgendeine Skulptur, für uns ist das unsere Lebensgeschichte", sagte Ali Boydak, Vorsitzender des SV Amasyaspor Lohne, sichtlich bewegt. „Unsere Väter und vor allem auch unsere Mütter haben sich ihre Knie und Rücken im Moor kaputt gearbeitet. Wir Kinder haben in den Ferien mitgeholfen. Denn Torfstechen war Akkordarbeit und so konnten wir den Lohn aufbessern."

Boydak will die Skulptur indes nicht als reines Denkmal türkischer Moorarbeiter verstanden wissen. Es erinnere an alle Menschen, die in dem sumpfigen Gelände Schwerstarbeit geleistet hätten.

So ist Lohne um eine Attraktion reicher – noch dazu eine mit Botschaft.

Und die Stadt Lohne wird weiterhin mit Bernd Maro zusammenarbeiten. Der freischaffende Bildhauer ging kürzlich als Sieger eines Wettbewerbs zur Schaffung von Gänseskulpturen in Lohne hervor.