Landidylle mit kleinen Überraschungen

Meine mehrtägige Radtour durch das OM

31.08.2022
Autor*in: Janna Kamphof

Entspanntes Radeln durch eine grüne Landschaft mit kleinen Überraschungen am Wegesrand: So würde ich meine dreitägige Radtour im Oldenburger Münsterland zusammenfassen. Die Region ist ideal für Ruhesuchende, Kilometerfresser, Genussradler oder für alle, die ihre erste Mehrtagestour mit dem Fahrrad unternehmen möchten.

Zurück in der Zeit: Museumsdorf Cloppenburg

Am Nachmittag komme ich mit der Bahn in Cloppenburg an. Bevor ich morgen meine mehrtägige Radtour durch das Oldenburger Münsterland starte, werde ich heute das Museumsdorf Cloppenburg besuchen. Mehr als fünfzig historische Gebäude aus dem 16. bis 20. Jahrhundert geben einen Einblick in das Landleben der Vergangenheit. Die Bauernhöfe, Scheunen, Häuser, das Backhaus und alle anderen Gebäude wurden aus der Region geholt und hier wiederaufgebaut. In zwei von ihnen wird auch heute noch gearbeitet: In der Töpferei kann man vier Damen bei der Arbeit zusehen und im Backhaus werden jeden Tag Brot und Butterkuchen gebacken. Letzteren probiere ich natürlich und er schmeckt mir sehr gut. Danach schaue ich mir das Innere der Windmühle an, wo man die Treppe fast bis ganz nach oben steigen kann, um das faszinierende System zu sehen, das die Mühle in Gang hält.

Nachts im Museum: Sleeperoo im Museumsdorf

Als alle Gäste das Freilichtmuseum verlassen haben, bleibe ich alleine zurück. Warum? Ich verbringe die Nacht im Sleeperoo im Museumsdorf Cloppenburg. Dieser weiße, etwa 3 mal 3 mal 3 Meter große Kunststoffwürfel ist an fünf Seiten transparent. Im Inneren befindet sich nur ein Bett. Während ich auf der bequemen Matratze sitze und einen Saft aus der veganen Snackbox trinke, beobachte ich, wie die letzten Sonnenstrahlen den Gemüsegarten des Freilichtmuseums beleuchten. Danach wird es schnell dunkel, also putze ich mir in der Scheune die Zähne und gehe ins Bett.

Ein Tag voller Wasser

Bevor die ersten Gäste das Freilichtmuseum betreten, steige ich auf mein Rad. Mein erstes Ziel für heute: die Thülsfelder Talsperre. Das Naherholungsgebiet mit dem großen Thülsfelder Stausee ist ein wahres Vogelparadies. Verschiedene Schwanen-, und Gänsearten sowie Stare fühlen sich hier zu Hause. Und für mich ist ein Sprung ins kühle Nass wie eine erfrischende Dusche. Am Strand lasse ich mich von der Sonne trocknen und esse mein Frühstück. Dann radle ich in nördlicher Richtung des Oldenburger Münsterlands. Auf dem glatten Asphalt fährt man fast wie von selbst durch die für Norddeutschland so typische Landschaft, in der sich Wiesen, Wälder und Felder abwechseln. Das Knotenpunktsystem macht die Orientierung leicht. Ab kurz hinter Friesoythe folgt meine Radroute dem Elisabethfehnkanal. Ich kann ihm fast bis zum Hafen in Barßel folgen, aber nicht bevor ich eine kurze Eiskaffee-Pause im Café Zauberhaft gemacht habe. Im Hafen von Barßel steige ich auf den Aussichtsturm und kann mein heutiges Ziel schon fast sehen: Harkebrügge.

Richtig toll: Diese Radtour bin ich mit einem E-Bike gefahren, das im Oldenburger Münsterland entwickelt und produziert wurde. Kalkhoff stellt seit mehr als hundert Jahren Fahrräder her und das merkt man: Manchmal kam es mir vor, als würde das Rad von selbst fahren.

Janna Kamphof, Reisebloggerin
© Janna Kamphof

Barfußpark und Baumzelt

Und dann heißt es: Schuhe ausziehen! Denn in Harkebrügge mache ich noch einen kurzen Spaziergang durch den Barfußpark. Es gibt mehr als 50 Stationen mit unterschiedlichen Böden. Ich gehe über Baumstämme, stapfe durch Schlamm, balanciere auf einer Slackline und spüre die Struktur von zahlreichen Steinsorten. Unterwegs komme ich mitten im Wald an meiner Unterkunft für die Nacht vorbei: ein Baumzelt. Zwischen drei großen Nadelbäume hängt in fast zwei Metern Höhe ein Zelt. Als es dunkel wird, steige ich die kleine Leiter in der Mitte des Zeltes hinauf und schlüpfe in meinen Schlafsack. Ich habe die wasserdichte Plane etwas zurückgezogen, sodass ich durch das Innenzelt nach oben schauen kann. Die Baumkronen bewegen sich sanft im Wind, genau wie das Baumzelt. Langsam wird es dunkler und dunkler und immer mehr Sterne werden sichtbar. Was höre ich da im Gebüsch rascheln? Bevor ich weiter überlegen kann, bin ich schon eingeschlafen.

Über Hochmoor, Heide und Hase nach Dinklage

Meine Radtour beginnt am nächsten Morgen im Nebel. Doch als ich das Naturschutzgebiet Molberger Dose erreiche, beleuchtet die Sonne die Tümpel in der Sumpflandschaft. Die Molberger Dose ist ein Hochmoorgebiet, das aufwachsen konnte, weil während der Eiszeit große Senken entstanden sind. Durch die Wiedervernässung der Hochmoorfläche wird versucht, die richtige Feuchtigkeit zu erreichen, damit typische Pflanzen- und Tierarten erhalten bleiben bzw. zurückkommen. Ich laufe ein Stück durch das sumpfige Gelände, wo auch die Heide jetzt in voller Blüte steht und hüpfe dann wieder auf das Rad in Richtung Lastrup. Im Dorfpark mit Teich und Sportgeräten mache ich eine Kuchenpause. Heute mal mit mitgebrachtem Kuchen vom Bäcker: frischer Pflaumenkuchen.

Gestärkt und voller Energie radle ich danach durch das Hasetal. Der Radweg folgt lange Zeit der leicht kurvigen Hase. Und so komme ich nach knapp 80 Kilometern in Dinklage an. Dieser Ort ist vor allem für die Burg Dinklage bekannt, eine alte Wasserburg, in der heute eine Abtei der Benediktinerinnen untergebracht ist. Aber dazu werde ich morgen früh mehr erfahren. Jetzt ist es Zeit, um den Tag schön ausklingen zu lassen: ganz entspannt im Pool und in der Sauna des VILA VITA Burghotels.

Mit Schwester Johanna durch die Burg Dinklage

Die Stunde in der Burgtherme hat ihren Zweck erfüllt: Am nächsten Morgen stehe ich vollkommen erholt auf. Bevor ich meine Radtour durch das Oldenburger Münsterland fortsetze, habe ich einen besonderen Termin. Schwester Johanna zeigt mir die Burg Dinklage. In der ältesten Wasserburg Norddeutschlands befindet sich heute das Kloster der Benediktinerinnen. Aber das war nicht immer so. Von dieser ältesten Burg des Oldenburger Münsterlandes aus wurde im 17. und 18. Jahrhundert die „Herrlichkeit Dinklage" regiert. Schwester Johanna zeigt uns die verschiedenen Räumlichkeiten und die Kirche, wo mich der mit kleinen Steinchen aufwendig gepflasterte Boden und die schönen Glasmalereien beeindrucken. Wir werfen auch einen Blick in die nahe gelegene Wassermühle, die heute eine Ausstellung über die Geschichte der Burg Dinklage und des Kardinals van Galen beherbergt. Der Ort atmet Geschichte, wird aber gleichzeitig durch Veranstaltungen, Workshops und ein Café lebendig gehalten.

In die „Berge" des Oldenburger Münsterlandes

Anschließend radle ich nach Süden zu den Dammer Bergen. Dieses Naturschutzgebiet wird auch die „Schweiz des Oldenburger Münsterlandes" genannt. Der Grund? In einer sonst überwiegend flachen Region taucht hier plötzlich eine markant hügelige Landschaft auf. Es ist eine Moräne, die während der Saale-Eiszeit entstanden ist. Der Signalberg ist mit 146 Metern der höchste Punkt der Dammer Berge und ganz in der Nähe befindet sich der Aussichtsturm Mordkuhlenberg. Von dort sehe ich deutlich, wie die Dammer Berge als langgestreckte Hügelkette in der ansonsten flachen Wiesen- und Felderlandschaft liegen. In der Ferne sehe ich sogar den Dümmer See.
Und dann starte ich meinen letzten Teil der Radtour durch das Oldenburger Münsterland. Am Südlohner Moor entlang, das wegen Waldbrandgefahr derzeit leider nicht zugänglich ist, radle ich nach Vechta. Die Stadt im Osten des Oldenburger Münsterlandes ist der Endpunkt meiner Mehrtagesradtour. Vechta ist Universitätsstadt und das merkt man sofort an ihrem lebendigen Flair. Ich mache einen kleinen Abstecher durch den Zitadellenpark, der eine Teilrekonstruktion der historischen Vechtaer Festung ist, die im 17. Jahrhundert als Verteidigungsanlage errichtet wurde. Von dort sind es nur wenige Minuten bis in die gemütliche Innenstadt, wo ich mich im tollen Café Charivari setze. Bei einer herzhaften Waffel mit Brie und Feigen (mmm!) schaue ich schon mal durch meine Bilder und blicke auf eine schöne Radtour zurück.

Radtour im Oldenburger Münsterland

Etappenübersicht

Etappe 1
  • Route: Cloppenburg - Thülsfelder Talsperre - Friesoythe - Barßel - Harkebrügge
  • Länge: 66,8 km
  • Höhenmeter: 170 m auf, 200 m ab
Etappe 2
  • Route: Harkebrügge - Friesoythe - Markhausen - Molberger Dose - Lastrup - Essen Dinklage
  • Länge: 81,8 km
  • Höhenmeter: 230 m auf, 270 m ab
Etappe 3
  • Route: Dinklage - Steinfeld - Dammer Berge - Südlohner Moor - Vechta
  • Lengte: 55,6 km
  • Hoogtemeters: 270 m auf, 260 m ab

Freizeit & Urlaub

Unterwegs im Oldenburger Münsterland

Sonniger Himmel

Das OM im Sommer

Wer zu Ringelnatz’ Sommerfrische die Augen schließt, spürt förmlich den lauen Sommerwind auf der Haut.

© Willi Rolfes, Vechta
Radfahren

Über Berg und Tal

Zu jeder Jahreszeit möglich: eine Fahrradtour durch die Dammer Berge

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