Wirtschaftsregion

Wachstumsregion Hansalinie

Autor*in: PAUL BAUER, ANDREAS THIELSCHER

Über eine Millionen Einwohner auf einer Gesamtfläche von 7.400 Quadratmetern, mehr als 530.000 Erwerbstätige, eine Bruttowertschöpfung von mehr als 30 Milliarden Euro, eine vielfältige Wirtschafts- und Branchenstruktur, überwiegend inhabergeführte Unternehmen und das bundesweit stärkste Bevölkerungswachstums mit einem hohen Anteil junger Altersgruppen. Diese und weitere Merkmale kennzeichnen die dynamische Region im Nordwesten Niedersachsens entlang der Autobahn A1, die auch als sogenannte Hansalinie bekannt ist.

Die Wachstumsregion Hansalinie liegt zwischen Bremen und Osnabrück an der A1 und gilt als eine der stärksten Wachstumsregionen Deutschlands.   

Getreu dem Motto „Gemeinsam Kompetenzen stärken" haben sich die Landkreise Cloppenburg, Diepholz, Oldenburg, Osnabrück und Vechta bereits im Jahr 2007 zur losen „Wachstumskooperation Hansalinie" zusammengeschlossen. Um die Beteiligungsmöglichkeiten von Unternehmen sowie wissenschaftlichen und wirtschaftsnahen Einrichtungen innerhalb des Zusammenschlusses zu vereinfachen, wurde im April 2011 aus der gewachsenen Wachstumskooperation der Verein „Wachstumsregion Hansalinie". Zur zentralen Organisation und Steuerung des Vereins wurde damit bedingt die Geschäftsstelle „Wachstumsregion Hansalinie e.V." eingerichtet, die im Kreishaus Cloppenburg durch die Stabsstelle Wirtschaftsförderung übernommen wird. Übergeordnete Ziele der Wachstumsregion waren und sind es bis heute, gemeinsam mit wissenschaftlichen und wirtschaftsnahen Akteuren, positive Effekte für die Unternehmen in der Region zu bewirken sowie systematisch die räumlichen Standortqualitäten und Qualifizierungsstrukturen zu sichern und weiter auszubauen. Zur Erreichung dieser Ziele wurden verschiedene Handlungsmaßnahmen wie die Förderung des Innovationstransfers und des Aufbaus sowie Betreibens von Unternehmensnetzwerken umgesetzt. Besonderen Fokus erhielten dabei die Branchen und Kompetenzfelder Automatisierungs- und Elektrotechnik (Landkreis Diepholz), Lebensmittel und Ernährungswirtschaft (Landkreis Vechta), Logistik (Landkreis Cloppenburg), Maschinen- und Anlagenbau (Landkreis Osnabrück). Das zugehörige Querschnittsthema umweltschonende Technologien (Landkreis Oldenburg) wurde in diesem Zuge gleichermaßen für alle vorangegangenen Branchenetzwerke behandelt.

Paul Bauer, Projektleitung RIDS (links), und Andreas Thielscher, Leitung der Geschäftsstelle der Wachstumsregion Hansalinie.   

Konkrete Projekte

Zusammen mit den Partnern der Branchennetzwerke wurden konkrete Projekte entwickelt, die der Schaffung und Sicherung von Arbeitsplätzen in den Unternehmen und der Förderung der Wachstumsdynamik dienten. Ein Erfolgsbeispiel für die Netzwerkarbeit des Vereins stellt der ehemalige Arbeitskreis Spritzguss dar, der seiner Zeit durch den Landkreises Diepholz betreut wurde und im Jahr 2014 als konsequente Weiterentwicklung zum Forschungsverbund ZWT e.V. (Zentrum für Werkstoffe und Technik) ausgegründet ist. Noch heute verfolgt der Forschungsverbund das Ziel, die Kooperationen und den multilateralen Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Partnern zu fördern und damit einhergehend das vorhandene Know-how sowie die technologischen Einrichtungen am Standort in Diepholz zu nutzen.

Ein weiteres erfolgreiches Projekt ist das Logistik-Infomobil, das als Projektidee der Unternehmen im Logistiknetzwerk des Vereins Wachstumsregion Hansalinie e.V. bereits im Jahr 2012 gestartet ist. Ein moderner LKW-Auflieger wurde zu einem rollenden Informationspunkt für verschiedene Logistikberufe ausgestattet und bietet Schüler:Innen auf Berufsmessen und an Schulen Berufsorientierung zum Anfassen. Die Unternehmen möchten neben der Imagepflege für die Logistikberufe dem Fachkräftemangel in der Branche entgegenwirken, direkten Kontakt zu den potenziellen Nachwuchskräften aufnehmen und Schüler:Innen die Möglichkeit bieten, ihr Interesse an den Logistikberufen praktisch zu überprüfen.

 

Das Logistik-Infomobil des Vereins „Wachstumsregion Hansalinie“ auf der Jobmesse Oldenburger Münsterland im September 2021 in Vechta.   

Regionale Initiative Digitale Schlüsseltechnologien

Seit August 2019 wird die Geschäftsstelle des Vereins Wachstumsregion Hansalinie darüber hinaus durch einen Mitarbeiter für das Projekt „Regionale Initiative Digitale Schlüsseltechnologien" (kurz: RIDS) unterstützt. Hintergrund des Projekts ist der Umstand, dass das branchenübergreifende und dynamische Thema Digitalisierung sowie die Fähigkeit zur innovativen Transformation einen ausschlaggebenden Wettbewerbsfaktor für Unternehmen darstellen, was nicht zuletzt in der COVID-19-Pandemie deutlich wurde. RIDS hat daher zum Ziel, regional ansässigen Unternehmen einen möglichst einfachen Weg durch das Digitalisierungs-Labyrinth aufzuzeigen und baut dabei auf drei Handlungsfeldern auf.

Einerseits sollen die Unternehmen zu den digitalen Schlüsseltechnologien Additive Fertigung, Künstliche Intelligenz, Robotik und Sensorik sensibilisiert, informiert, beraten und geschult werden. Im Rahmen dieses Handlungsfeldes hat sich jedoch schnell gezeigt, dass der Verein sich in seiner Arbeit nicht nur an diesen vier Kernthemen orientieren kann, sondern Digitalisierung all umfassend betrachten und einbeziehen muss. Die Gründe hierfür liegen zumeist in dem noch fehlenden Fortschritt und Verständnis sowie dem Unwissen über die eigene Datenlage in vielen mittelständischen Unternehmen, weshalb damit einhergehend zunächst Hilfe zu grundlegenden Fragestellungen benötigt wird.

Dieser Zustand zeigt sich daran, dass viele dieser Unternehmen zum Beispiel keine fundierten Aussagen darüber treffen können, wie viel Zeit sie von der Kundenanfrage bis zum fertigen Angeboten aufwenden müssen, wie die Quote von Angebot zu Auftrag ist oder wie viel Gewinn sie mit einem Auftrag erzielen. In diesem Zusammenhang hat der Wachstumsregion Hansalinie e.V. die sogenannte Impulsberatung Digitalisierung als regionales Unterstützungsformat initiiert und setzt es seit August 2020 gemeinsam mit dem Institut für Produktion und Logistik der Hochschule Osnabrück (Logis.Net) sowohl in virtueller als auch in physischer Form vor Ort in den Unternehmen um.

Nach einer ersten Bestandsaufnahme werden interessierte Unternehmen in einem mehrstündigen Sensibilisierungsgespräch anhand ihres Auftragsdurchlaufs analysiert (Ist-Zustand). Gleichzeitig wird an auffälligen und betriebsrelevanten Prozessstellen, die zeitintensiv und komplex sind, identifiziert, ob durch digitale Technologien ungehobene Potenziale geschöpft werden können.

Im Anschluss an die Beratungstermine wird den Unternehmen eine Ergebniszusammenfassung sowie ein Überblick zu potenziellen Förderprogrammen zur Verfügung gestellt. Und dieses Format lässt sich sehen. Trotz der Pandemie konnten seit Beginn des Unterstützungsformates mehr als 30 Beratungen durchgeführt und folglich vermehrt unternehmensinterne Digitalisierungsprojekte an gestoßen werden, die in manchen Fällen durch Förderprogramme flankiert wurden.

Das RIDS-Projekt des Vereins Wachs tums region Hansalinie schult, informiert und berät in Sachen Additive Fertigung, Künstliche Intelligenz, Robotik und Sensorik.   

Unterstützen und Vernetzen

Das zweite Handlungsfeld ist der Aufbau einer Unterstützungsstruktur und die Vernetzung mit (über-)regionalen Kompetenzträgern, über die Verein und Unternehmen Zugang zu verschiedenen Ange boten und Formaten erhalten.

Die Digitalagentur Niedersachsen, das APITs Lab, das Niedersachsen Additiv, das Zentrum für Digitale Innovationen Niedersachsen, die Mittelstand-4.0-Kompetenzzentren und die Transferstelle IT-Sicherheit für den Mittelstand sind nur einige Namen in diesem Zusammenhang.

Ein letztes Handlungsfeld dazu ist der möglichst niederschwellige und standortnahe Zugang zu einschlägiger Expertise und technologischen Ausstattung. Besonders die regionalen, wissenschaftlichen und wirtschaftsnahen Einrichtungen wie die Hochschule Osnabrück, das Oldenburger An-Institut für Informatik OFFIS oder auch das ZWT Diepholz können einen hohen Bestand an technologischer Infrastruktur vorhalten, die von Unternehmen genutzt werden kann. Insgesamt ist festzuhalten, dass durch das RIDS-Projekt positive Impulse und Entwicklungen in der Region der Hansalinie bewirkt werden konnten.

Das Jahr 2021 wurde wegen der Pandemie durch mehrere virtuelle Informationsveranstaltungen zu verschiedenen Förderund Unterstützungsmöglichkeiten der Digitalisierung geprägt. Das Highlight war jedoch die ausgebuchte Gemeinschaftsveranstaltung Technologietag Additive Fertigung, die in Kooperation mit der landesgeförderten Initiative Niedersachsen Additiv sowie dem ZWT im September 2021 in Diepholz umgesetzt wurde.

Vor diesem Hintergrund sowie der besondere Relevanz des Themas Digitalisierung wird das Projekt „Regionale Initiative Digitale Schlüsseltechnologien" über seine zweijährige Pilotphase hinaus fort geführt.

Regionales Fachkräftebündnis Nordwest

Ein weiteres Augenmerk lag 2021 auf der Antragsstellung und weiteren Umsetzung des „Regionalen Fachkräftebündnisses Nordwest". Das umfasst neben den Gebietskörperschaften des Wachstumsregion Hansalinie e.V. den Landkreis Ammerland sowie die Städte Delmenhorst und Oldenburg.

Um die wachsende Herausforderung Fachkräftesicherung auch weiterhin regional mit allen Kräften anzugehen, hat das Niedersächsische Wirtschaftsministerium die Anerkennung des Regionalen Fachkräftebündnisses Nordwest im September 2021 um weitere drei Jahre im Rahmen der landesweiten „Fachkräfteinitiative Niedersachsen" ver längert. Rund 14 Millionen Euro aus ESF+- Mitteln 2021-2027 stehen den acht Regionalen Fachkräftebündnissen in Niedersachsen voraussichtlich ab der ersten Hälfte des Jahres 2022 als eigene Planungs budgets zur Verfügung.

Ein weiteres Thema ist die Neuausrichtung des Vereins Wachstumsregion Hansalinie. Neben den Themen Fachkräftesicherung und Digitalisierung wird künftig ein Fokus auf die Facetten der Nachhaltigkeit wie etwa Elektromobilität, Wasserstoff oder Materialund Energieeffizienz gelegt. Damit wird der gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Zeitgeist getroffen und verfolgt.

Interessierte Personen und Unternehmen können sich auf der Homepage des Vereins unter www.hansalinie.eu informieren.

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