Wirtschaftsregion

"Dem Mutigen gehört die Welt!"

Autor*in: SUSANNE OESTING

Vorrangig und eigentlich ist das Goldenstedter Unternehmen weltweit wegen seiner soliden und langlebigen Getränkekühltheken bekannt. Jedoch hat HAGOLA schon vor Jahren die Fühler in andere Bereiche der Getränke- und Lebensmittelindustrie ausgestreckt. Das zahlt sich jetzt aus. Denn die momentan sehr prekäre Situation, die das Coronavirus über unser Land und unsere Industriezweige gebracht hat, hätte auch HAGOLA schwer treffen können. Die Betonung liegt auf „hätte können".

Stefan Rakers, Geschäftsführer der HAGOLA Gastronomie-Technik GmbH & Co. KG in Goldenstedt.   

Stefan Rakers, Geschäftsführer der HAGOLA-Unternehmensgruppe, reflektiert in einem Interview die Gegenwart und Zukunft der Branche.

Wie geht es HAGOLA zum jetzigen Zeitpunkt?

Rakers: Danke der Nachfrage. Wir können mit dem laufenden Jahr sehr zufrieden sein. Unsere Produktion ist derzeit mehr als ausgelastet. Unsere Fertigstellungszeiten betragen in der Regel und je nach Produkt zwei bis sechs Wochen. Momentan sind aber so viele Bestellungen abzuarbeiten, dass wir mittlerweile mit den Lieferterminen bereits Mitte/Ende des ersten Quartals 2022 sind. Das ist schier unglaublich. Und ich bin sehr froh darüber.

Wie sind denn die Prognosen für die Gastronomietechnik-Branche in den kommenden Jahren?

Rakers: Eine Voraussage für die kommenden Jahre zu geben, ist nur schwer möglich. Durch die Investitionsförderung des Landes haben viele Gastwirte den Lockdown genutzt, ihre gastronomischen Betriebe zu renovieren und das Inventar zu erneuern. Davon haben wir gerade im Bereich der Produktion von Getränkekühltheken sehr profiiert. Das freut einen natürlich. Aber was 2022 passieren wird, wenn diese Förderungen auslaufen, kann ich jetzt nicht sagen.

Eine Herausforderung im nächsten Jahr wird die Situation auf dem Zuliefermarkt sein. Es ist leider alles sehr ungewiss. Wie alle Branchen haben wir derzeit mit den negativen Auswirkungen der Lockdowns und anderen Störungen in der Lieferkette wie der „Ever Given"-Havarie im Suezkanal zu kämpfen. Wann sich diese Lage genau entspannt, ist ja selbst den Zulieferern nicht bekannt. Dies und die steigenden Energie- und Rohstoffpreise werden nicht nur unserer, sondern allen Branchen und Industriezweigen Probleme bereiten.

Aber ich will nicht schwarzmalen. Ich bin zuversichtlich, dass die Gastronomiebetriebe bald wieder Gas geben können und dürfen. Die Leute wollen einfach raus vor die Tür, sich mit Freunden treffen, schön essen oder etwas trinken gehen. Dieses wird dann auch wieder zu neuen Investitionen führen. Ich denke, es wird eine Win-win-Situation für alle sein. Und das kurbelt wiederum auch den Umsatz und unsere Branche an.

Projektgespräch während der Produktionsphase.   

Was ist oder wird dann das Geheimnis des HAGOLA-Erfolges sein?

Rakers: Man ist immer gut beraten, innovative Weitsicht walten zu lassen und sich nicht nur auf das Kerngeschäft zu konzentirieren. Vor fast zehn Jahren haben wir die Möglichkeit genutzt und uns intensiv mit der Metzgerei- und Fleischereikultur in Deutschland befasst. Skeptiker meinten, man setze auf ein totes Pferd, Metzgereien seien vom Aussterben bedroht etc. Aber ich sage immer: dem Mutigen gehört die Welt! Gerade, wenn alle dagegen sind, sollte man es tun – denn nur dann hat man einen Vorsprung, wenn der Wind sich dreht.

Die Kritiker von damals müssen sich heute eines Besseren belehren lassen: Die Branche boomt wie noch nie. Der derzeitige Trend geht dahin, hochwertigere Lebensmittel zu essen. Zudem haben viele während der Lockdowns das Kochen daheim und das Grillen im Freien für sich entdeckt. Hier sind, wenn man den Statistiken glauben darf,  nicht nur die Verkäufe von Gartengrills und Outdoor-Küchen in die Höhe geschnellt...

Also sind Fleischereitheken HAGOLAs „Schlüssel zum Glück"?

Rakers: Ja, denn die Metzgereibranche benötigt gerade jetzt verlässliche und solide Kühlmöglichkeiten, die zum einen der hochsensiblen „Ware Fleisch" gerecht werden und zum anderen dem Kunden diese auch schmackhaft und somit verkaufsfördernd präsentieren können.

Und hier kommt HAGOLA ins Spiel, denn sowohl der handwerklich orientierte Metzger mit einer oder mehreren Filialen als auch die großen Einzelhandelsketten im Lebensmittel bereich haben sich zur Aufgabe gemacht, das Einkaufen zum Erlebnis für die gesamte Familie zu gestalten, was ja nicht zuletzt auch deren Umsatz fördert. Dazu gehört natürlich neben einer attraktiven Präsentation auch eine weite Auswahl an Produkten, wie Fisch, Feinkost oder Käse anzubieten. Wir haben uns und unsere Produkte stetig weiterent wickelt und konnten auch durch Praxistests erhebliche Erkenntnisse gewinnen, die uns nun zugutekommen, denn die Nachfrage an Metzgereitheken steigt stetig.

Die längste Metzgereitheke, die wir bis dato gebaut haben, steht in einem großen Lebensmittelmarkt einer namhaften deutschen Supermarktkette in Süddeutschland und ist über 30 Meter lang. Das war schon eine produktionstechnische und logistische Meisterleistung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter! Natürlich legen wir auf eine enge Zusammenarbeit mit den Marktleitern und den dortigen Angestellten sehr viel Wert, denn nur durch das Feedback von der Basis können wir uns weiterentwickeln. Und das klappt bislang hervorragend.

Unser flächendeckendes Netzwerk von Servicepartnern und unsere Servicehotline, die 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche unseren Fachhändlern und Endkunden zur Verfügung stehen sowie unsere Fern - über wachung der Kühlstellen per Internet sorgen dafür, dass die Anlagen über Jahre zuver lässig funktionieren.

 

Klassische HAGOLA-Produkte werden weltweit genutzt – auch in der Hamburger „Elphi“.   

Den Fokus haben Sie also während der Pandemie eher auf die Metzgereien gerichtet?

Rakers: Nein, nicht nur, denn was dem Fleisch Recht ist, ist dem Fisch nur billig: Es war wie eine Kettenreaktion. Die Fischbranche wurde durch diese großen Objekte immer mehr auf uns aufmerksam. Und wir konnten hier sogar eine tolle Kooperation eingehen. Wir profitieren so von der jahrelangen Erfahrung der Fischexperten und konnten sehr viel über Fisch generell, dessen Verarbeitung und Kühlung lernen und lernen natürlich immer noch.

Vor allem Fisch ist eines der sensibelsten Produkte mit einer relativ kurzen Haltbarkeit. Hier muss kältetechnisch noch präziser gearbeitet werden. Das Stichwort von der „un unterbrochene Kühlkette" ist unumgänglich. Auch aus hygienischer Sicht ist hier einiges zu bedenken, selbst dann, wenn die Ware verzehrfertig ver- oder bearbeitet wurde und verpackt an geboten wird.

Ein weiterer Aspekt ist, dass die jüngeren Generationen ein komplett anderes Essund Kaufverhalten an den Tag legen. Es muss gut transportierbar und hygienisch verpackt sein, dann noch schnell zubereitbar oder bestenfalls fertig verzehrbar, gleichzeitig aber gesund und nahrhaft sein. Und hier ist man natürlich gerade als Kühlgerätehersteller gefragt, auch wenn man bei diesem Thema nur in der zweiten Reihe steht: Die Ware muss attraktiv präsentierbar, gleichzeitig zuverlässig und durchgängig gekühlt, aber auch gut zugänglich bzw. erreichbar sein.

Realisiertes HAGOLA-Projekt in einem Supermarkt.   

Abschließende Frage: Sie sagten, dass Betriebe die Pandemie nutzten, um zu investieren. Haben Sie bei HAGOLA auch investiert oder sind weitere Investitionen geplant?

Rakers: Wir haben noch eine zweite große Produktionsstätte im Hülsmeyer-Park in Barnstorf und konnten die Endmontage der sehr großen Metzgereitheken dorthin verlegen. Dort haben wir auch den erforderlichen Platz zur Verfügung, um mehrere unserer diversen Produkte zeitgleich einem Testlauf unterziehen zu können. In unserem Hauptsitz in Goldenstedt konnten wir unseren Maschinenpark um einige neue, sehr moderne Maschinen für die Holz -und Metallverarbeitung erweitern. Außerdem ist hier eine Erweiterung der Hallenkapazität geplant.

Zum Schluss möchte ich das Wichtigste nicht unerwähnt lassen: Das Herzstück bei all den tollen Projekten, die wir durchführen durften und noch durchführen werden, sind unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ihre jahrelange Erfahrung bei der Produktion
von Kühltheken einbringen. Alle haben zusammengehalten und die schwierige Zeit gemeinsam überstanden. Auch jetzt, wo der Auftragseingang derartig hoch ist, dass Überstunden unumgänglich sind, hält das ganze Team die Fahne hoch.

Ganz besonders stolz darauf sind wir, dass, trotz der momentan leergefegten Situation auf dem Arbeitsmarkt neue und vor allem junge Leute den Weg zu uns gefunden haben, um bei uns entweder eine Ausbildung oder eine Anstellung anzutreten.

Es ist mir eine persönliche Freude, wenn ich zum Beispiel durch unsere Produktionshallen gehe. Wir sind wirklich ein multikulturelles Unternehmen geworden und es ist sehr schön zu sehen, wie alt und jung aus aller Herren Länder zusammenarbeiten.

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