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Pioniere des E-Commerce

Autor*in: PETRA HELLMANN

Als WebBrüder machen Thorsten und Sebastian Meyer die Welt kleiner. Mit großartigen Ideen, Kreativität und viel Know-how erobern sie mit Partnern aus dem Oldenburger Münsterland neue Märkte.

Mit ihrem Slogan „Dein Partner für digitalen Wandel“ stehen die Brüder Thorsten (l.) und Sebastian Meyer für die Verbindung von traditionellem Handwerk mit modernen Ideen und Techniken.   

Die Welt des Handels ändert sich. Kamen die Kunden gestern noch aus dem Nachbardorf, werden Waren heute aus aller Herren Länder geordert. Das Internet macht's möglich. Doch damit es mit dem E-Commerce klappt, sind Fachleute wie die WebBrüder gefragt. Mit frischen Ideen und moderner Technik heben sie lokale Begrenzungen aus den Angeln: „Wer offline mit etwas Erfolg hat, kann den Dank uns auch online haben", stellt Thorsten Meyer selbstbewusst fest und ergänzt: „Wir transferieren die Potenziale des Mittelstands in die digitale Welt!"

Büro mit Loftcharakter und Kicker zur Entspannung: Hoch über den Dächern von Berlin realisieren die WebBrüder mit ihrem Team höchst bodenständig kreative Ideen rund um das Online-Marketing vor allem mit Partnern aus dem Oldenburger Münsterland.   

Jung, dynamisch, erfolgreich

Gerade 30 Lenze alt, sind Thorsten und Sebastian Meyer zwar jung an Jahren, aber dennoch keinesfalls als Jungunternehmer zu bezeichnen: Schon vor mehr als zehn Jahren wagten sie als Studenten der Wirtschaftswissenschaften den Sprung in die Selbstständigkeit. Ausgeprägten Unternehmergeist und Freude am Verkauf bewiesen die beiden schon als Kinder: „Unser erster Geschäftspartner war der Kirschbaum im Garten unserer Eltern. Jedes Jahr warteten wir ungeduldig auf das Reifen der Früchte, um sie nach dem Pflücken an die Nachbarn zu verkaufen", erinnert sich Sebastian Meyer und ergänzt mit einem Lächeln: „Nur das mit der Reinvestition hatten wir damals noch nicht so drauf – kaum das Geld in der Tasche, haben wir es direkt beim Bäcker nebenan für Süßigkeiten wieder ausgegeben." Auch als Schüler des St. Thomas Kolleg in Vechta haben sie in ihrer Freizeit gejobbt. Während Sebastian als Pizzabote unterwegs war, hat sein „kleiner" Bruder Thorsten im Kino Filme eingelegt. In der Oberstufe verbrachten sie die Wochenenden zumeist auf Landpartien, um Holzkohle- und Gasgrills an den Mann zu bringen.

Mit Ledertaschen der Eigenmarke „Bruderherz" und weiteren Produkten starteten sie zu Beginn ihres Studiums bei den charmanten Outdoor-Events in die Selbstständigkeit. Zunächst ausschließlich in der B2C (Business to Consumer) Vertriebsvariante.

Aber der offline Vertrieb war wie Sebastian Meyer feststellt „einfach nicht skalierbar". Sie wollten mehr. Und so kam irgendwann der Gedanke auf „das muss doch schlauer gehen". Kaum gedacht, bauten sie ihren ersten eigenen Online-Vertrieb inklusive Lagerhaltung, Versandlogistik und Kundenservice auf. Mit Erfolg: 300 000 Euro Jahresumsatz konnten sie so schon als Studenten verbuchen.

Mit regelmäßigem Monitoring ist die Visbeker Firma Meyer & Grave gemeinsam mit den WebBrüdern im digitalen Verkauf von Fensterbänken, Handläufen und Treppenstufen erfolgreich.   

Mit weitem Blick höchst bodenständig

Spezialisierung auf Entwicklung und Vermarktung von E-Commerce Shops ist seit 2018 angesagt. Frei nach dem Motto „Zeig mir deine Nachbarn und ich sag dir, wer du bist!" schlugen die Brüder ihre beruflichen Zelte in Berlin auf. Inmitten von Social Media Giganten wie Facebook, TikTok und Co. liegt der Hauptsitz ihres Unternehmens seitdem am Potsdamer Platz. Sehr schick. Loftcharakter mit Loungemöbeln, Kaffeebar und Kicker. Mit weitem Blick über die Dächer der Hauptstadt entwickeln sie hier gemeinsam mit ihrem 15-köpfigen Team kreative und effektive Ideen rund um das Onlinemarketing. Bodenständig sind sie trotzdem geblieben. Wie ihre Partner. Die stammen nämlich fast alle aus dem Oldenburger Münsterland. Dort wurde im letzten Jahr für den persönlichen Kundenkontakt ein zweiter Unternehmenssitz in Vechta angemeldet.

Media for Equity

In ihrem neuen Business arbeiten sie nicht für Kunden, sondern mit Partnern zusammen: „WebBrüder ist ein Inkubator und keine Werbeagentur", erklärt Thorsten Meyer. Der Begriff Inkubator stammt ursprünglich aus dem Bereich der Medizin, wo er für die Bezeichnung von Brutkästen verwendet wird. So verstehen sich auch die Meyerbrüder, allerdings im wirtschaftlichen Kontext: „Als Corporate Inkubator geben wir quasi Starthilfe." Ihre kreativen Ideen und ihr Knowhow fließen dabei in internetbasierte Startups, die sie mit Partnern aus dem produzierenden Gewerbe in Form von Beteiligungsgesellschaften gründen. Neben dem gleichen finanziellen Investment wie ihre Partner bringen die Performance-Marketing-Experten ihre mediale Infrastruktur ein: „Unsere Partner stellen die Waren und wir sorgen dafür, dass sie als von uns entwickelte Marke online unters Volk gebracht werden," erklärt Thorsten Meyer. „Media for Equity" nennt sich die mittlerweile vor allem in den Bereichen E-Commerce bzw. Web anerkannte Variante der Unternehmensbeteiligung. Ein offensichtlich erfolgreiches Geschäftsmodell: „Unser Umsatzwachstum lag in den letzten zwei Jahren bei jeweils über 50 Prozent." Mehr als zwei Millionen Besucher verzeichneten die von WebBrüder kreierten Online-Shops allein in 2021. 

Blühende Verführungen einfach online bestellen: www.aboutgreen.com und www.hortensien-bernd.de machen's möglich.   

Komplex, anspruchsvoll, viel Kontinuität

Das traditionelle Familienunternehmen Gerwing Steinwerke aus Holdorf wurde vor drei Jahren ihr erster Partner: „Unser ‚Gerwing Steinshop' ist mit einem großen Angebot aus Pflaster- und Mauersteinen, Terrassen- und Keramikplatten sowie Blockstufen und Zubehör im Onlinemarkt erfolgreich", stellt Sebastian Meyer fest. Inzwischen haben sie mit weiteren mittelständischen Partnern vor allem aus dem Haus- und Gartenbereich neun attraktive Shops im World Wide Web eröffnet. Angefangen bei der Auswahl der richtigen Nische bis zum Aufbau einer Marke, der Realisierung einer professionellen Homepage und dem erfolgreichen internationalen Vertrieb über alle relevanten Kanäle hinweg – die Aufgaben der WebBrüder sind komplex, anspruchsvoll und erfordern viel Kontinuität: So basiert die organische Reichweite auf einem ausführlichen SEO-Konzept, bei dem schon vor dem Beginn der Online-Shops durch Analysen das Potenzial sowie eventuelle Schwierigkeiten identifiziert werden. Sind sie online, werden durch ein ständiges Monitoring der Entwicklung bei Google zielgerichtet Verbesserungen vorgenommen. „Diese Analysen zur Sichtbarkeit und dem Wettbewerb im Online-Handel bieten wir Interessenten kostenfrei an", präsentiert Sebastian Meyer ein nicht ganz uneigennütziges Angebot: „Die Interessenten von heute können schließlich unsere Partner von morgen sein!"

Gemeinsam mit ihrem Partner „Designbowl“ optimieren die WebBrüder ihren Online-Shop für individuelle Briefkästen stetig weiter, um der Konkurrenz immer einen Schritt voraus zu sein.   

Mehr virtuelle Sichtbarkeit, mehr Umsatz

Mit einem Klick sind auf den Internetportalen der WebBrüder-Partnerfirmen beispiels weise unter www.aboutgreen.com, www.hortensien-bernd.de, www.rhododendron-arno.de oder www.designbowl.de Materialien zur Dachbegrünung, prächtige Pflanzen oder schicke Briefkästen zu ordern. Auch die Zimmerei Meyer & Grave aus Visbek setzt auf Web-Brüder als Partner. Eine Zusammenarbeit, die bei einem frischen Pils auf dem Stoppelmarkt entstanden ist: „Henrik Meyer hat uns angesprochen ‚Ihr macht doch was mit Online-Shops. Wir sollten uns mal unterhalten'", erinnert sich Sebastian Meyer.

Gesagt, getan – inzwischen bieten sie gemeinsam auf spezifischen Homepages Handläufe, Holzstufen und Fensterbänke online an. Mit Erfolg: Allein bei Suchanfragen zum Thema Handläufe konnte sich die Marke „handlauf-meyer" mit über 900 Platzierungen auf der ersten Seite bei Google platzieren: „Dadurch hat der vormals stärkste Mitbewerber 60 Prozent an Sichtbarkeit vor allem an uns verloren", stellt Thorsten Meyer fest und ergänzt: „Es ist natürlich nicht bei Suchanfragen geblieben – wir konnten auch zahlreiche Handläufe über unseren virtuellen Marktplatz verkaufen." Ergebnisse, die auch Gregor Meyer, einer der geschäftsführenden Inhaber von Meyer & Grave, begeistern: „Wenn ich die Jungs anrufe und sage: ‚Ich brauche nächsten Monat mehr Umsatz, um die Produktion auszulasten', dann machen wir im nächsten Monat auch mehr Umsatz."

Das Pilotprojekt: Mit einem großen Angebot aus dem Bereich Pflastersteine und Co. präsentiert sich der „Gerwing Steinshop“ im Internet.   

Grenzenlose Visionen

„Der E-Commerce ist überlebenswichtig für den Wirtschaftsstandort Deutschland!", sind die Inhaber von WebBrüder überzeugt: „Die Kundschaft von morgen kauft online. Wir müssen unsere Produkte dieser Kundschaft zugänglich machen, sonst landen Verkäufe im Netz bei ausländischen Anbietern aus Osteuropa oder China, die bereits jetzt den Kostenfaktor auf ihrer Seite haben und in der Qualität immer mehr aufholen." Um diesem Anspruch gerecht zu werden, wollen sie den Verkauf ihrer Markenprodukte über Deutschland und Europa hinaus nach Asien und Amerika erweitern. Wachstum ist auch bei ihren Niederlassungen angesagt – nach Vechta und Berlin eröffnen sie Anfang nächsten Jahres auch in Leipzig ein Büro. Darüber hinaus planen sie unter dem internen Arbeitstitel „Marktplatz" diverse Optionen für kleinere Firmen, um in den E-Commerce einzusteigen: „Wir denken dabei an ein faires Gegenstück zu Amazon – ein Online- Shop im größeren Format, wenn man so will", erklärt Thorsten Meyer.

Die flächendeckende Digitalisierung des Mittelstands ist ihr Ziel. Denn wie ihr großes Vorbild Elon Musk, wollen auch Sebastian und Thorsten Meyer Grenzen versetzen, die andere für statisch halten – ganz unkonventionell und nur ihren Visionen verpflichtet.

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