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Machen ist krasser als wollen

Autor*in: JANA BÖGERSHAUSEN

Als selbstständige Grafikdesignerin arbeite ich seit vielen Jahren im Homeoffice und nicht nur ich schätze meine Flexibilität und Unabhängigkeit, sondern vor allem auch meine Kunden profitieren dadurch von vielen Vorteilen. Als Selbstständige gehört es dazu, stets mutig zu sein, etwas Neues zu wagen und auch mal ungewöhnliche Wege zu gehen, um erfolgreich zu sein und zu bleiben. Angst vorm Scheitern schwingt dabei auch manchmal mit, aber nur wer etwas wagt, gewinnt.

Jana Bögershausen | j.b.design KONZEPTION & GESTALTUNG.   

Dass ich bereits 2016 einen Artikel in der „Argumente" veröffentlicht habe, daran wird sich hier wohl niemand erinnern. Der Artikel, der ungefähr zwei Jahre nach dem Start in meine Selbstständigkeit erschienen ist, hat die Stadt Vechta auf mich aufmerksam gemacht. Die Stadt Vechta hat mich eingeladen, an einem Pitch zum Entwurf für ein Stoppelmarkt-Logo teilzunehmen. Dass ich dieses Prestige-Projekt übernehmen durfte, war eine besondere Ehre für mich. Abgesehen davon, dass das Gestalten von Logos und das Entwickeln von Firmen-Auftritten, beziehungsweise Corporate Designs, mein persönlicher Lieblingsbereich meiner Arbeit ist, liebe ich natürlich den Stoppelmarkt, wie fast jeder aus dem Oldenburger Münsterland. Dass sich meine Entwürfe gegen die Pitch-Konkurrenz damals durchgesetzt haben, erfüllt mich heute noch mit Stolz. Ungefähr ein Jahr habe ich gemeinsam mit der Stadt Vechta an dem Logo für den Stoppelmarkt gearbeitet. Nach vielen Sitzungen und Abstimmungen hat der Stoppelmarkt mit seinen traditionellen Testimonials Jan & Libett sein Logo bekommen. Es ist großartig, dass die Erfolgsgeschichte der Marke Stoppelmarkt und Jan & Libett ihr längst überfälliges „Krönchen" in Form eines Logos erhalten haben. Entstanden ist ein Logo, dass alle wertvollen Eigenschaften der Marke Stoppelmarkt visualisiert. Und, ganz ehrlich: so einen Auftrag bekommen zu wollen, ist längst nicht so krass, wie ihn auch tatsächlich umzusetzen.

Der Stoppelmarkt mit seinen traditionellen Testimonials Jan & Libett hat 2017 endlich ein Logo bekommen. Dass ich dieses Prestige-Projekt übernehmen durfte, war großartig und wir alle freuen uns, Stoppelmarkt 2022 die Fähnchen wieder flattern zu sehen.   

Als die Firma OLFRY ihren Hauptkatalog neu auflegen wollte – und wir sprechen hier von einem 130 Seiten starken Katalog – war auch das eine spannende Herausforderung. Für OLFRY sollte ich ein völlig neues Katalogkonzept entwickeln. Mein Mann und ich hatten selbst gerade ein paar Jahre zuvor gebaut und wir haben uns gegen eine Klinkerfassade entschieden. Nicht, weil mir Klinker optisch nicht gefallen. Nein, ich fand es sehr schwierig, mich zu entscheiden, mir vorzustellen, wie der Stein am gesamten Haus wirken würde. Diese persönliche Erfahrung habe ich auch im neuen Katalogkonzept einfließen lassen. Entstanden ist bei der Darstellung des OLFRY-Sortiments eine Gegenüberstellung des einzelnen Steins immer in Verbindung mit real umgesetzten Beispielen. Solche konzeptionellen Lösungen zu erarbeiten, sind für mich natürlich nicht die Herausforderung, denn genau das ist mein Job. Die Herausforderung ist die Umsetzung als selbstständige Grafikdesignern – als „Eine-Frau-Büro" – denn als Angestellte einer Werbeagentur ist man Teil eines Teams, das zusammenarbeitet und auf dessen Schultern die Verantwortung für so ein Projekt verteilt wird. Als Selbstständige liegt diese allein bei mir. Umso schöner und erfüllender ist es dann, wenn man „voll krass" den druckfrischen 130-Seiten- Katalog in den Händen hält.

Kribbeln im Bauch und vor allem in den Fingern habe ich auch bei der Neugestaltung der Homepage der Firma Bögershausen Bau bekommen. Da dieses Unternehmen begonnen hat, international zu agieren und stetig wächst, war die Überarbeitung der Homepage dringend notwendig. Gestalterisch lag für mich die Herausforderung in der Bildsprache: Wie lässt sich die Homepage eines Bauunternehmens ohne unattraktive Baustellenfotos und ohne die üblichen Standard-Bildagentur-Bilder gestalten? Das war eine spannende Frage, die ich mir während meiner Arbeit stellen und kreativ beantworten musste. Dazu stellte ich ein passendes Team zusammen, denn so eine Webseite kann ich alleine nicht umsetzen. Ich benötigte einen Programmierer und jemanden, der die gesamte Homepage auf Englisch übersetzt. In einer großen Agentur wäre ich einfach zwei Räume weitergegangen, beziehungsweise hätte ein Meeting einberufen, um die Kollegen für das Projekt zu briefen – ihnen zu erklären, worum es geht. Als „Eine-Frau-Büro" suche ich mir aus meinem Netzwerk vorübergehende Partner, die mit mir das jeweilige Projekt umsetzen, denn die „eierlegende Wollmilchsau" gibt es nicht.

Der Hauptkatalog der Firma OLFRY neben einem Katalog über Riemchen und einem dreisprachigen Prospekt.   

Mein Beruf der Grafikdesignerin schließt nicht den Beruf des Fotografen, des Texters oder Programmierers mit ein. Individuell für jeden meiner Kunden stelle ich bei Bedarf ein Team zusammen, das gemeinsam die besten Ergebnisse liefert. So müssen meine Kunden nur dann weitere Profis bezahlen, wenn Unterstützung notwendig ist. Das senkt die Kosten meiner Kunden und bietet uns ein hohes Maß an Flexibilität.

Schon lange bevor die Corona-Pandemie das Homeoffice zum bevorzugten Arbeitsplatzmodell machte, habe ich in meinem Büro von zu Hause aus gearbeitet. Wenn es ein Kunde wünscht oder ein Projekt erfordert, kann ich auch flexibel bei meinem Kunden vor Ort arbeiten. Das können wir individuell absprechen und umsetzen. Besonders schnell und unkompliziert kann ich so auf „Notfälle" reagieren und meine Kunden unterstützen, wie es für sie am besten ist. Dank der digitalen Kommunikationswege kann ich mit meinen Kunden auch alles besprechen und umsetzen, wenn ich von zu Hause aus arbeite. Diese Abwechslung macht meine Arbeit für mich so spannend und immer wieder aufregend.

Die Corona-Pandemie hat – wie bei so vielen anderen auch – nicht nur mein privates, sondern vor allem auch mein berufliches Leben stark beeinflusst. Ein wichtiger Kunde aus dem stationären Handel ist für mich komplett weggebrochen. Von dem Irrsinn des Homeschoolings und den damit verbundenen Belastungen will ich gar nicht erst anfangen zu erzählen. Während der vergangenen Monate habe ich mir hin und wieder die Frage gestellt, ob ich vielleicht doch wieder als Angestellte in einer Agentur arbeiten sollte. Der Grund hierfür war nicht ausschließlich die Aussicht auf ein verlässliches Einkommen, was in der Selbstständigkeit natürlich nicht gegeben ist. Viel mehr war es mein Wunsch nach trubeligem Agenturleben und Kollegen, die während der starken Corona- Beschränkungen so sehr fehlten. Dazu hatte ich auch einige wunderbare Gespräche mit Agenturen. Obwohl noch längst nicht alle Arbeitgeber Homeoffice für denkbar halten, habe ich mit Agenturen in Hamburg gesprochen, die seit längerem nicht mehr für jeden Arbeitnehmer einen Schreibtisch im Büro haben. Ich bin mir sicher, dass hybride Arbeitsplatzmodelle – Kombinationen aus Homeoffice und Präsenzzeit im Büro – die Zukunft bestimmen werden, denn das ist vor allem für Familien deutlich leichter. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich mit meinem „Eine-Frau-Büro" dieses Arbeitsplatzmodell schon lange für mich nutze und so meine Erwerbstätigkeit mit meinem Familienleben besser vereinbaren kann.

Es gibt viele Familien, in denen beide Partner arbeiten müssen, um finanziell abgesichert zu sein. Gleichzeitig gibt es aber auch viele Frauen, die unbedingt arbeiten wollen. Es ist so wunderbar „krass", wenn man es einfach macht, denn im Idealfall geht es darum, sich mit seiner Arbeit selbst zu verwirklichen und einer erfüllenden Tätigkeit nachzugehen.

Was ist letztendlich aus meinen Gedanken, wieder ins Angestelltenverhältnis zu wechseln, geworden? Nichts, denn immer, wenn es mal „wackelig" wird, hat sich glücklicherweise ein neues spannendes Projekt aufgetan; nach dem Motto: „Schließt sich eine Tür, öffnet sich eine andere!" Während der Pandemie habe ich einen neuen Kunden, die Gemeinde Hatten, gewinnen können. Durch Empfehlung ist die Gemeinde auf mich aufmerksam geworden – und was gibt es Besseres, als Neukunden durch Lob eines anderen zu gewinnen?! Für die Gemeinde Hatten darf ich alle nötigen Werbemittel gestalten und und als sich die Lage der Pandemie zwischenzeitlich etwas entspannt hatte, waren es auch endlich wieder Plakate und Eintrittskarten für Events.

Für die Gemeinde Hatten gestalte ich verschiede Werbemittel und da sich die Lage der Pandemie entspannt hat, sind es nun auch endlich wieder viele Plakate und Eintrittskarten für Events. Unter dem Motto „Hatten hat Spaß“ sorgte diesen Sommer unter anderem eine „Zumba Party“ im Bürgerpark Sandkrug für Unterhaltung.   

Aus einigen persönlichen Geschichten, meinen Ansichten und meiner Meinung besteht jetzt dieser Artikel. Dass ich so viel Persönliches formuliert habe, passt eben zu meinem „Eine-Frau-Büro", denn hinter „j.b.design" steckt eben keine große Werbeagentur, sondern eine Frau, die Spaß an ihrer Arbeit hat. Kurze Entscheidungswege und Individualität sind meine Stärken, kombiniert mit einem guten Netzwerk weiterer Profis. So kann ich flexibel die Wünsche meiner Kunden professionell erfüllen.

Mit viel Leidenschaft und Einsatz kümmere ich mich um die individuellen Anfragen meiner Kunden, weil ich so viel Freude daran habe. Wo ich jetzt stehe, verdanke ich den Erfahrungen aus meiner Vergangenheit, in der ich – unter anderem bei großen Agenturen – viel lernen und ausprobieren konnte. Ich bin der Meinung, dass man sich von Ängsten nicht lähmen lassen sollte, denn was kann schon passieren? Was die Zukunft bringt, weiß ich nicht, aber bei einem bin ich mir sicher: Stoppelmarkt 2022 werden wir wieder feiern! 

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