Bauwirtschaft

Handwerksunternehmen 2.0

Autor*in: DIPL. ING. SIMONE NIEHAUS

Das Handwerk von heute steht nicht unbedingt für Innovation. Vielmehr steht die Tradition der Digitalisierung vermeintlich im Weg. Doch auch traditionelle Unternehmen sind offen für Neues. Das gilt für Materialien, Digitalisierung und Prozessoptimierung.

Jörg Niehaus, Geschäftsführer der Otto Kuper Bau GmbH, hat als Maurer- und Betonbaumeister sein Handwerk von der Pike auf gelernt.   

Digitalisierung! Innovation! Fachkräftemangel! Tradition! Schlagworte, mit denen sich Jörg Niehaus täglich auseinandersetzt. Was muss ein Handwerksunternehmen heute leisten? Was muss es wem bieten? Dem Kunden das Rundum-Paket, dem Mitarbeiter Work-Life-Balance, den Banken Zahlen und Fakten und den Behörden jede Menge Papierkram. Das alles für einen Betrieb, der eigentlich nur Wände herstellen will!

Der Alltag eines Handwerkunternehmers sieht heute ganz anders aus, als sich Jörg Niehaus das vor 14 Jahren bei der Übernahme von 15 Mitarbeitern vorgestellt hat. Als Handwerker steht für den Maurer- und Betonbaumeister die Leidenschaft für den Beruf im Vordergrund. Menschen für das Handwerk zu begeistern, Träume aus Stein und Beton zu erfüllen und Qualität für viele Jahre herzustellen, ist der Ansporn des mittlerweile auf 30 Mitarbeiter angewachsenen Betriebes der Otto Kuper Bau GmbH.

Was für Niehaus und sein Team hinter großartigen Projekten steckt, mag kaum vernommen zu werden. Bevor der erste Stein gesetzt werden kann, muss jedes Bauvorhaben individuell, auf technische Details und mögliche Alternativen betrachtet und angeboten werden. Was vor Baubeginn besprochen und geklärt ist, wird in der Bauphase keine Überraschung und Kostensteigerung hervorrufen, weder bei den Bauherren noch unter den verschiedenen Gewerken. Traditionell wird noch vieles unter den Handwerkern mündlich vereinbart. Der Maurer als Mittelsmann zwischen den Gewerken ist sehr gefragt, da, in, an und auf der Wand alle anderen Gewerke anknüpfen.

Innovative Wandgestaltung in Geschäftsräumen: Betonwände der Sichtbetonklasse 3 lassen die Innenräume modern erstrahlen.   

Fachkräfte-Recruiting

Der Beruf des Maurers ist tatsächlich fachlich immer anspruchsvoller geworden. Durch die zunehmende Digitalisierung und den zunehmenden Maschineneinsatz ist er jedoch körperlich nicht mehr so anstrengend wie vielleicht noch vor 15 Jahren.

Neue Wege erfordern neue Kenntnisse ... und neue Fachkräfte! Der Slogan „Die Jungs vom Bau – sympathisch und schlau" ist kein Eigenlob, sondern verdeutlicht, dass der Geselle von heute mehr können muss, als eine Kelle zu schwingen. Er muss die neusten Techniken der Vermessung kennen, für die KfW-Standards die neuste Technik der Wärmedämmung, die chemischen Eigenschaften von Kunststoff, Eisen, Holz oder Beton in Zusammenhang bringen und die Techniken der Gebäudeabdichtung kennen, um Feuchtigkeit und Wind fernzuhalten. Hinzu kommen neue moderne Steinformate, die durch ihre Strukturen und Formate neue Fassadenbilder produzieren, die nicht immer ohne „Samthandschuhe" herzustellen sind.

Die Herausforderung für Niehaus ist, Auszubildende zu finden. Dafür ist er als Ausbildungsbotschafter des Oldenburger Münsterlandes in den Schulen unterwegs und wirbt durch Anschauungsunterricht und mit Vorträgen für das Handwerk. Leider konnten im letzten Jahr coronabedingt keine Schulbesuche stattfinden. „Das soll sich aber schnell wieder ändern", erklärt Niehaus. „Die Jugend muss abgeholt und auf die Zukunft vorbereitet werden. Wir können und wollen helfen und unterstützen die Berufsfindung durch Praktika und Ferienjobs!" Das Handwerk hat Zukunft und bietet sichere Arbeitsplätze. Niehaus ist überzeugt: „Vom Gesellen zum Meister oder Ingenieur – alles ist möglich! Auf die Basis kommt es an."

Familienunternehmen

Niehaus und sein Team versuchen in allen Bereichen auf dem neusten Stand zu sein. „Wir lieben und leben was wir tun", sagt Niehaus. „Unser Team hält zusammen und lässt Familiäres nicht außer Acht." Deshalb wurde vor kurzem ein modernes Arbeitszeitmodell eingeführt. Jeder zweite Freitag ist frei, der andere wird komplett gearbeitet. So sind die Stunden am Monatsende geleistet und die Effektivität sowohl betrieblich als auch für die Frei- und Familienzeit gesteigert. Ob verlängerter Wochenendtrip, Kontrolltermine beim Arzt oder die Möglichkeit der Kinderbetreuung – zwei Tage im Monat ermöglichen einiges. Zusätzlich bietet das Unternehmen den Mitarbeiter ein E-Bike-Leasing über die Lohnabrechnung und betriebliche Altersvorsorge. Eine Sachbezugskarte wird monatlich mit 44 Euro beladen und kann wie eine Kreditkarte zum Einkaufen und Tanken verwendet werden.

Tradition triff Moderne: Nach einem Großbrand in der Innenstadt wurde ein altes Wohn- und Geschäftshaus aufwändig saniert und um einen modernen Neubau ergänzt.   

Digitalisierung

Doch trotz aller Anstrengungen, die Effektivität mittels Digitalisierung und moderner Technik zu erhöhen, kommen die bürokratischen Hürden immer wieder zum Tragen. Neue DIN-Normen, technische Regelwerke, Vorschriften zur Unfallverhütung und zur Gesundheitsvorsorge, neue Formulare der Verantwortlichkeiten auf Baustellen und schlussendlich die Protokollführung der geleisteten Arbeit: Die Bürokratie „verzettelt" die Unternehmen und verkompliziert das Arbeiten zum Zeit- und Kostenfresser.

Hier muss die Politik dringend den Mittelstand entlasten und den Bürokratieabbau vorantreiben. „Wer schreibt der bleibt!", hat auch Niehaus früh erkannt und versucht heute, die Bürokratie durch die Digitalisierung der Arbeitsprozesse zu optimieren. Digitale Zeiterfassung über Smartphones ist glücklicherweise schon ein alter Hut im Unternehmen. Material per QR-Code zu scannen und dieses direkt vom Bauhof auf die Baustelle zu buchen, ist ebenfalls nicht neu. Branchensoftware, Dokumentenmanagementsystem und ein Zeichen- und Vermessungsprogramm ergänzen das System der Otto Kuper Bau GmbH, um so Qualität, Transparenz und Ökologie zu vereinen.

Tradition

Qualität steht für Niehaus an oberster Stelle. Sichtbetonarbeiten haben es ihm besonders angetan. So konnte das Unternehmen 2020 unter anderem ein Bürogebäude fertigstellen, in dem vor Ort geschalte Sichtbetonwände der Sichtbetonklasse 3 den Innenraum modern erstrahlen lassen. Ob Sichtbetonwände mit integriertem Logo oder schlicht als Sichtschutz – für jeden Kundenwunsch gibt es Lösungen. Auch Verblendfassaden, deren Klinker in traditionellen Verbänden oder über neue Steinformaten vermauert werden, gehören zu Niehaus' Leidenschaft. „Da sieht man, wie gut Wände aussehen können und was das Handwerk alles leisten kann." Kunst am Bau könnte man es auch nennen, denn Verzierungen wie Ecklisenen, Bänder oder Auskragungen sind handwerkliche Höchstleistungen.

Besonderer Stolz kommt auf, wenn man überlegt, wie nachhaltig das Handwerk des Maurers ist und man fasziniert erzählen kann an welchen Projekten man bis dato beteiligt war. Oder wenn man die Geschichte alter Gebäude durch Sanierungen erfährt und ein Stück dazu beiträgt, solche Objekte am Leben zu erhalten. Ein Wohn- und Geschäftshaus mit zehn Wohneinheiten von der Sohlplatte bis zum Einzug zu begleiten, ist anspruchsvoll, da die Koordinierung aller am Bau beteiligten Gewerke die Bauleitung fordert. Es macht aber auch Spaß, da die Arbeit die ganze Bandbreite des Handwerks vereint. Tolle Moment gibt es auch immer wieder, wenn beispielsweise der Neubau einer Kindertagesstätte bei der Einweihung von Kindern, Erziehern und Eltern freudig betreten wird und begeisterte Augen sehen, wie großartige Ideen der Architekten von Handwerkern umgesetzt wurden. Mehrzweckhallen, Mehrfamilienhäuser, Lagerhallen, Schulen, Einfamilienhäuser, Bürogebäude, Pferdeställe, Ausstellungshallen, Tierapotheken und Melkanlagen haben heute hohe Ansprüche – sowohl technisch als auch optisch – und werden von der Otto Kuper Bau GmbH fachlich kompetent und zuverlässig bearbeitet.

Mauern ist echtes Handwerk oder die Kunst mit Steinen umzugehen.   

Innovationen

Die Zukunft sieht Niehaus in Innovationen wie Fertigteilwänden, die – maschinell in Hallen vorproduziert – vor Ort aufgestellt und mit Klinkern oder Putz verkleidet werden. Oder in Techniken, die Gebäude beispielsweise über Sensorik noch smarter machen. Der heutige ökologische Fußabdruck bei der Herstellung von Gebäuden muss jedem am Bau Beteiligten zum Umdenken animieren. Recyclingmaterialien aus Abbrucharbeiten sind in der Hochbaubranche leider noch keine Vorreiter. Die Gesetzgebung und der „Deutsche Standard" stehen dem Öko-Gedanken im Weg. Wiederverwertung muss eine neue Rolle bekommen. Hier braucht das Handwerk Ideen, um ökologisch und zukunftsorientiert weiter machen zu können, davon ist Niehaus überzeugt.

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