Agrar- und Ernährungswirtschaft

Gesund, wirtschaftlich, nachhaltig

Autor*in: STEFAN FREIWALD

Seit 50 Jahren berät die Deutsche Vilomix Tierernährung GmbH Landwirte zur gesunden und bedarfsgerechten Ernährung ihrer Tiere. Dabei legt das Unternehmen aus Neuenkirchen-Vörden Wert auf enge Kundenbindung und betriebsspezifische Rezepturen. Eine immer wichtigere Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit.

Auf die richtige Beratung kommt es an (von links): Landwirt Bernd Albersmeier begutachtet mit Eike Schemionek von der Deutschen Vilomix und dessen Vorgänger Günther Kronlage eine Mineralfutterprobe.

Manchmal schaut Günther Kronlage noch in Lippstadt bei Bernd Albersmeier vorbei. Der 85-jährige Kronlage war fast 50 Jahre Außendienstberater für den Schweinehalter. Vor fünf Jahren hat er sich entschlossen, „doch mal in Rente" zu gehen. Kronlage saß bei der Familie Albesmeier in Westfalen schon am Küchentisch, als Bernd noch ein kleines Kind war. Wenn sie sich jetzt treffen, geht es meistens um ihr gemeinsames Hobby, die Jagd. Doch über die Herausforderungen für die Landwirte diskutieren die beiden. Über die Jahrzehnte hat sich die Branche grundlegend gewandelt, wie beide im Rückblick feststellen. Die Betriebe wurden größer, professioneller, effizienter. Immer mit dabei: Die Deutsche Vilomix aus Neuenkirchen. Seit 50 Jahren gibt es das Unternehmen, die meiste Zeit war Günther Kronlage Teil des Unternehmens und die Familie Albersmeier Kunde.

„Was uns immer vorgeworfen wird, ist doch unsere Stärke", sagt Landwirt Albersmeier, als er am Küchentisch mit Kronlage und dessen Nachfolger, Eike Schemionek, über die vergangenen Jahrzehnte plaudert. „Unsere Größe, unsere Effizienz, das sind doch Faktoren, die Tiergesundheit und Umweltschutz erst ermöglichen", meint der Landwirt.

Das war 1972 noch anders, erinnert sich Albersmeier. Damals fing sein Vater mit der Schweinemast an. 1.000 Tiere lebten auf dem Hof. Inzwischen sind es 11.000. Das Mineralfutter kam damals wie heute von der Deutschen Vilomix. „Wir hatten zig Ferkel-Lieferanten, jeder brachte uns ein paar vorbei", erzählt Albersmeier. Kamen die in einem Stall zusammen, wurden erst einmal etliche krank, weil jedes Tier andere Keime mit sich brachte. Dementsprechend groß war der Medikamenteneinsatz, erinnert sich der Landwirt.

Tiergesundheit ist oberste Maxime: Bernd Albersmeier setzt – auch dank des genau auf seine Tiere abgestimmten Futters – schon seit zehn Jahren keine Medikamente ein.

Antibiotika sind längst tabu

Seit zehn Jahren setze Albersmeier keine Antibiotika mehr ein, schon gar nicht zur Leistungsförderung, wie immer noch gern von Kritikern behauptet werde. „Das ist schon sehr lange verboten", betont der Landwirt. Denn das Futter spielt eine Schlüsselrolle bei der Aufzucht von gesunden Tieren. „Da haben wir in den vergangenen 50 Jahren viel dazugelernt", betont Berater Schemionek. Die Tiere würden bedarfsgerecht ernährt: Grundlage sei in der Regel eine Mischung verschiedener Getreidearten und Soja als Eiweißträger. Durch das Mineralfutter werden Mineralstoffe, Vitamine, Spurenelemente, Enzyme und manchmal auch Säuren, Kräuter, pflanzliche Extrakte etc. ergänzt. Oberste Maxime sei die Tiergesundheit. Denn nur, wenn es den Tieren gut gehe, könnten sie auch leistungsstark wachsen. Und nur dann könne der Landwirt etwas verdienen – besonders bei niedrigen Erzeugerpreisen.

Jeder Betrieb, ja sogar jeder Durchgang bei ein und demselben Halter, sei anders, weiß Schemionek. Dementsprechend müsse das Futter immer neu zusammengestellt werden.

Die Deutsche Vilomix beschäftigt dafür rund 40 Agrarwissenschaftler und Tiermediziner, bei insgesamt 200 Mitarbeitern. „Bei uns werden die Rezepturen maßgeschneidert", sagt Dr. Annabell Hardinghaus. Sie teilt sich die Geschäftsführung mit Dr. Bernhard Wesseling. Der umfangreiche und individuelle Service für jeden einzelnen Landwirt unterscheide ihr Unternehmen von den meisten Mitbewerbern. Die Außendienstmitarbeiterinnen und -mitarbeiter seien Fachberater und Partner für die Landwirte.

Aus Neuenkirchen selbst kommt nur das Mineralfutter. „Das sind rund drei Prozent des gesamten Futters", sagt Berater Schemionek, „aber die sind absolut entscheidend." Den Rest bekommen Albersmeier und seine Kollegen von anderen Lieferanten. Erst am Hof mischen sie alles zusammen. Außerdem beliefert die Deutsche Vilomix Mischfutterwerke mit höher konzentrierten Vormischungen (Premixe), die dann wiederum deren Kunden versorgen.

Bei Bernd Albersmeier sieht das Maßschneidern so aus: Als größte Komponente erhält er – wie alle anderen Schweinehalter – Getreide. Doch Albersmeier hat auch gute Beziehungen zu Lebensmittelherstellern in der Region. So verfüttert er mal Brot, das in der Produktion übriggeblieben ist, oder mal Soja-Molke. „Soja-Molke ist ein toller Eiweißträger", weiß er. Und es ist ebenfalls ein Abfallprodukt, in diesem Fall aus der Tofu-Produktion. Das sei nachhaltig und spare Geld.

Doch natürlich verändere der Einsatz solcher Futterzusätze auch den Mineralfutterbedarf der Tiere. Der Landwirt nimmt daher regelmäßig Proben von allen Komponenten und schickt sie ins Labor. Anschließend berechnen die Kolleginnen und Kollegen der Fachabteilung bei der Deutschen Vilomix das Verhältnis der Aminosäuren zueinander. „Das muss extrem genau sein", weiß Berater Schemionek. Auch Getreide sei nicht gleich Getreide. Es komme auch noch auf die Ernte an und welchen Rohfaser-Anteil die Pflanze habe. Die Fütterungsempfehlung machen dann die Berater für die Landwirte.

Mischgenauigkeit von 1:100.000: Das Stammwerk der Deutschen Vilomix in Neuenkirchen-Vörden. Tausende Rezepturen wurden hier bereits entwickelt.

Mehrere Tausend Rezepturen

Mehrere Tausend Rezepturen sind in der wissenschaftlichen Abteilung des Premiumherstellers über 50 Jahre entstanden. Über eine spezielle Misch- und Dosiertechnik gewährleistet das Unternehmen eine Genauigkeit von 1:100.000.

In den Produktionshallen riecht es nach Mineralstoffen, ätherischen Ölen und Früchten. Viele Zutaten sind nötig, um die Futterverwertung zu optimieren, andere sollen den Appetit der Tiere anregen, weitere sind vor allem dafür da, die Tiere gesund zu halten und den Bedarf an Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen zu decken.

Der Lohn der Mühe: Albersmeiers Tieren geht es gut. Er hat seit zehn Jahren keine Medikamente mehr eingesetzt. Darüber hinaus reduziert er ausgewählte Nährstoffe auf ein notwendiges Minimum. Weil das Futter bedarfsgerecht und exakt auf die Schweine abgestimmt sei und bestimmte Enzyme enthalte, würden die Schweine Kohlenhydrate, Eiweiß und Phosphor besser verwerten und weniger davon ausscheiden. Das reduziert am Ende die Ausscheidung über die Gülle sowie den Gülleanfall an sich.

Junge Tiere brauchen mehr Protein

Albersmeier füttert seine Tiere in jedem Altersstadium anders. Das gibt der mit der Deutschen Vilomix entwickelte Ernährungsplan vor. Ziel: Der Eiweißbedarf sollte immer exakt gedeckt sei. „Junge Schweine brauchen viel Protein, um Fleisch zu bilden", erklärt Albersmeier. Danach werde der Bedarf immer weiter reduziert. Die Futterverwertung werde dank des wissenschaftlichen Einsatzes immer besser. Hätte der Landwirt vor 20 Jahren 3,5 Kilogramm Futter zum Erzeugen von einem Kilogramm Fleisch benötigt, seien es heute nur noch 2,5 Kilogramm.

Die Forschung in Sachen Ressourcenschonung sei an der Stelle auch noch nicht am Ende angekommen, glaubt Vilomix-Geschäftsführerin Hardinghaus. Derzeit arbeitet sie mit ihrem Team daran, das Unternehmen für die nächsten 50 Jahre zukunftsfähig zu machen.

Das Thema Nachhaltigkeit werde in der Vilofoss-Gruppe, zu der die Deutsche Vilomix gehört (siehe Infobox unten), groß angegangen. So möchte das energieintensive Unternehmen 2030 klimaneutral arbeiten, informiert Hardinghaus. Im Rahmen der DLGZero-Strategie sollen nachhaltige Lösungen geschaffen und auf Klimaneutralität im Jahr 2050 hingearbeitet werden.

Auf Letzteres setzt die Deutsche Vilomix auch beim Personal. „Wir profitieren massiv von der großen Erfahrung unserer Mitarbeitenden", betont Hardinghaus. Flache Hierarchien, eine hohe Weiterbildungsquote, betriebliches Gesundheitsmanagement, Zusatzleistungen und die Möglichkeit, teilweise vom Homeoffice aus zu arbeiten, seien die Erfolgsfaktoren, um eine gute Marktposition zu erhalten. Um die Kundenbeziehung zu stärken und die Landwirte auf dem neusten Stand zu halten, gibt es Web-Seminare und Fachgespräche zur Tierernährung.

Mit Günther Kronlage hatte die Deutsche Vilomix einen Außendienstmitarbeiter, der fast 50 Jahre beim Unternehmen war und heute noch die Beziehungen zu seinen Landwirten wie Bernd Albersmeier pflegt. Er wohnt in Neuenkirchen, nicht weit von seiner einstigen Firma entfernt. Er findet, mit 85 Jahren dürfe er jetzt mal kürzertreten. Aber, falls Not am Mann sei: „Ich bin in Rufnähe."

Steuern das Unternehmen aus Neuenkirchen-Vörden in die Zukunft: Annabell Hardinghaus und Dr. Bernhard Wesseling.

DEUTSCHE VILOMIX UND VILOFOSS®

Die Deutsche Vilomix ist einer der führenden Mineralfutter- und Premix-Hersteller in Deutschland. Sie wurde Ende der 1960er-Jahre als Abteilung der Lohmann Tierernährung in Cuxhaven gegründet; der Name Vilomix steht für „Vitamine Lohmann Mix".

Vor 50 Jahren wurde Vilomix ein eigenständiges Unternehmen, dessen Firmensitz 1974 nach Neuenkirchen im OM verlegt wurde. Ziel war, die hofnahen Mischfutterhersteller als Partner in Fragen der Tierernährung und Mischfutterherstellung zu unterstützen und individuelle, komplette sowie chargengerecht verpackte Vormischungen anzuliefern.

Zum Angebot zählen neben Premixen und Mineralfutter in konventioneller und in Bio-Qualität außerdem Beschäftigungsmaterial, Picksteine, Ferkelmilch, Prestarter und Einstreu für Schweine, Rinder, Geflügel, Schafe, Pferde und Kaninchen. Außerdem bietet das Unternehmen ein umfangreiches Sortiment an Einzelfuttermitteln, Zusatzstoffen, Konservierungsmitteln und Stallhygieneprodukten.

Seit 1993 gehört das ehemalige Unternehmen Cimbria in Hessisch Oldendorf als weiterer Produktionsstandort zur Deutschen Vilomix. Eines der modernsten Premix- und Mineralfutterwerke in Europa hat die Deutsche Vilomix im Jahr 2011 in Haldensleben bei Magdeburg gebaut und bedient damit Märkte in Ostdeutschland und im Ausland.

Seit 1993 gehört das Unternehmen mit seinen rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur dänischen Genossenschaft DLG und ist Teil der VILOFOSS-Gruppe mit 19 Produktionsstätten in ganz Europa.

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