Fachkräfte sichern im Landkreis Vechta

Ein Patentrezept zur Fachkräftesicherung, das für jedes Unternehmen passt, gibt es sicher nicht. Anregungen wie auch Erfolgsgeschichten gibt es aber viele. Ebenso gibt es viele Projekt und Fördermöglichkeiten, die Unternehmen geboten werden, damit sie beim Thema Fachkräftesicherung Unterstützung erfahren – auch im Landkreis Vechta.

Wirtschaftliche und demografische Bedingungen ändern sich stetig. Das hat massive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. In vielen Branchen und Regionen fehlen qualifizierte Arbeitskräfte und Ausbildungsplätze werden nicht besetzt – so auch im Landkreis Vechta! Auch wenn die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften zu Beginn der Corona-Krise zurückgegangen ist, deuten die Zahlen im Herbst 2020 wieder auf Stabilisierung und steigende Nachfrage hin. Angesichts des fortschreitenden demografischen Wandels wird sich ab 2025 und in den darauffolgenden Jahren mit Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter der Fachkräftemangel verschärfen. Hinzu kommt, dass immer mehr Arbeitnehmer*innen wechselwillig sind, also ihre beruflichen Karrieren nicht mehr nur in einem Unternehmen verfolgen. Somit bleiben und werden Fachkräftegewinnung und Fachkräftesicherung eine zentrale Herausforderung für die Wirtschaft. Es muss folglich weiterhin besser gelingen, alle Zielgruppen in den Fokus zu nehmen und möglichst viele Personen für den Arbeitsmarkt zu aktivieren und zu qualifizieren.

Erste Voraussetzung für das Gewinnen der richtigen Mitarbeiter*innen ist eine solide schulische Bildung, in der auch wirtschaftsrelevantes Wissen vermittelt und Berufsorientierung deutlich intensiviert und optimiert werden. Etablierte Instrumente mit Beteiligung von Unternehmen sind dabei unter anderem Berufsfelderkundungen und Betriebsbesichtigungen, Betriebspraktika, die Teilnahme an Berufsmessen aber auch Bewerbungstrainings sowie die Ergänzung des theoretischen Schulstoffs durch praktische Elemente, die durch Unternehmensvertreter vermittelt werden. 

Mit der Initiative „KURSiV – Kooperationen zwischen Unternehmen der Region und Schulen im Landkreis Vechta" – organisiert das Amt für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung des Landkreises Vechta Lernpartnerschaften zwischen Unternehmen und Schulen auf der Grundlage von Kooperationsvereinbarungen. Beteiligt sind Unternehmen jeder Größe und aller Branchen. In aktuell 40 KURSiV-Lernpartnerschaften sind unternehmerisches Handeln und Arbeitswelt am Beispiel der Partnerunternehmen organisierter Inhalt des Unterrichts in den Schulen. (www.kurs-vechta.de)

In ähnlicher Weise bringt das daran anknüpfende Projekt „KURSZukunft" der Universität Vechta Unternehmen der Agar- und Ernährungswirtschaft im Oldenburger Münsterland in langfristig angelegte Lernpartnerschaften mit benachbarten Schulen. Beide Programme – KURSiV und KURSZukunft – bieten Betrieben und Unternehmen neben Praktika und Berufsmessen eine zusätzliche interessante Möglichkeit, sich Schüler*innen als zukunftsfähige Arbeitgeber präsentieren zu können und Unterrichtsinhalte praxisnah zu vermitteln. Bei KURSZukunft handelt es sich um ein Projekt des regionalen Fachkräftebündnisses Nordwest, in dem sich auch das Amt für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung des Landkreises Vechta engagiert. (www.kurszukunft.net)

Einblicke in die Wirtschaft Schülerinnen und Schüler lernen die Berufs-, Wirtschafts- und Arbeitswelt vor Ort hautnah kennen und werden zu guten Partnern. Hierfür steht KURSiV, das Kooperationsnetz zwischen Unternehmen der Region und Schulen im Landkreis Vechta.

Auch die Initiative „IT macht Schule" (ITMS) setzt sich zum Ziel, die Berufsorientierung von Schüler*innen durch strukturierte Betriebspraktika in regionalen IT-Ausbildungsbetriebe zu verbessern. ITMS hilft bei der Gestaltung von zweiwöchigen Betriebspraktika in der IT. In den Schulen werden Schüler*innen darin unterstützt, IT-Berufe kennenzulernen. Die Unternehmen erhalten mit strukturierten Plänen für Betriebspraktika im IT-Bereich ein Angebot, dem Fachkräftemangel aktiv zu begegnen. Die Koordination und Weiterentwicklung der Initiative übernimmt das Institut für Ökonomische Bildung Oldenburg (IÖB) im Auftrag des regionalen Fachkräftebündnisses Nordwest (Teilregionen Nord und Mitte). Das Amt für Wirtschaftsförderung und Kreisentwicklung des Landkreises Vechta engagiert sich hierbei nicht nur finanziell, sondern unterstützt bei Interesse gezielt diese Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen.

Darüber hinaus werden vom IÖB im Auftrag des Fachkräftebündnisses weitere Projekte umgesetzt, wie zum Beispiel das Projekt „Perspektiven im Nordwesten", bei dem es um Angebote für Schulen zur Auseinandersetzung mit dem regionalen Wirtschaftsraum anhand von Schwerpunktbranchen im Nordwesten geht, immer mit Blick auf die Förderung der beruflichen Orientierung von Schüler*innen. Das dazugehörige Onlineportal www.perspektiven-im-nordwesten.de wartet mit Inhalten aus der regionalen Energiewirtschaft und zukünftig auch aus der regionalen Gesundheitsbranche nebst Darstellung entsprechender beruflicher Perspektiven auf. Über die gerade angeführten Projekte hinaus

gibt es weitere, die dem Übergang Schule und Beruf zuzuordnen sind. Angebote wie Ausbildungsbotschafter OM der Kreishandwerkerschaften sowie die IHK-Ausbildungsbotschafter, Passgenaue Besetzung, die Jobmesse OM sowie jährlich herausgegebene Ausbildungsbroschüren runden das Portfolio ab. Auch das Kompetenzzentrum Regionales Lernen der Universität Vechta ist seit vielen Jahren auf diesem Gebiet aktiv. Durch die unterrichtliche Vorbereitung und anschließend stattfindenden Betriebserkundungen mit praktischen Anteilen werden Schüler*innen mit Unternehmen in Kontakt gebracht.

Nicht nur die Projekte am Übergang Schule und Beruf setzen zum Teil dort an, wo es heute schon schwer ist und zunehmend schwerer wird, Fachkräfte zu gewinnen. Insbesondere in sogenannten Mangelberufen, in denen der Fachkräftemangel durchweg eine Herausforderung in unserer Region darstellt und der Landkreis Vechta im Wettbewerb mit anderen Regionen steht, ist es von zentraler Bedeutung, den jungen sowie auch älteren Menschen die regionalen beruflichen Perspektiven aufzuzeigen.

Beim Projekt „Perspektive: Pflege!" und dem gleichnamigen eingetragenen Verein war und ist es erklärtes Ziel, Fachkräfte im Gesundheitswesen zu gewinnen sowie diese auch an den Landkreis zu binden. Somit soll eine zukünftige Versorgung der immer älter werdenden Bevölkerung sowohl in den Krankenhäusern als auch im stationären und ambulanten Pflegebereich gewährleistet werden. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des daraus resultierenden Fachkräftemangels sollen auch international Pflegefachkräfte gewonnen werden und diesen Hilfen bei der Anerkennung ihrer Qualifikationen geboten werden. Ebenfalls sollen Qualifizierungsmaßnahmen neu strukturiert und angepasst werden, um die Beschäftigungschancen zu erhöhen. Des Weiteren spielt die Vernetzung der beteiligten Akteure eine große Rolle sowie eine positive Darstellung des Pflegeberufs bei den potenziellen Auszubildenden. Es ist damit eine Verbindung zwischen den Einrichtungen im Gesundheitswesen, den Kommunen, dem Landkreis und der Universität geschaffen worden. Im Nachfolgeprojekt „Perspektive: Pflegeausbildung!" steht die Gewinnung von Auszubildenden im Oldenburger Münsterland im Fokus. (www.perspektive-pflege-om.de)

Der zunehmende Ärztemangel führt zu einer Unterversorgung der Bevölkerung, bedingt durch immer weniger Niederlassungen von Hausärzten im ländlichen Bereich. Das langfristige Hauptziel der Koordinierungsstelle „WelcoMED" besteht deshalb in der Gewinnung und Bindung von Fachkräften im medizinischen Sektor für den Landkreis Vechta. Für die Sicherstellung der hausärztlichen und ärztlichen Versorgung wurde eine Anlauf und Koordinierungsstelle für angehende und bereits approbierte Ärzte verwirklicht, die als Koordinator für alle bereits beschäftigten Mediziner und der zukünftig im Landkreis Vechta tätigen Ärzte dient. Junge und angehende Mediziner sollen sich in der Region willkommen fühlen. Daher kümmert sich die Koordinierungsstelle darum, dass in verschiedenen Bereichen Hilfestellungen und Angebote erarbeitet werden. Dazu gehören etwa die soziale Einbindung, das Aufzeigen der Familienfreundlichkeit der Region, Qualifizierungsmöglichkeiten in den Krankenhäusern vor Ort, kulturelle und sprachfördernde Angebote sowie Unterstützung bei der Niederlassung. Zu den beteiligten Akteuren zählen vorrangig die Krankenhäuser des Landkreises aber auch Vertreter der Haus- und Facharztpraxen. (www.welcomed-aerzte.de)

Von diesen oben aufgeführten Ansätzen beziehungsweise Projekten profitieren auch Flüchtlinge/Migranten. Für diese Zielgruppe gibt es darüber hinaus weitere Angebote wie zum Beispiel das Beratungsangebot für zugewanderte Frauen der Koordinierungsstelle Frauen & Wirtschaft im Oldenburger Münsterland.

Wiedersehen macht Freude -  ein Event für alle, die es beruflich früher oder später wieder in die Heimat zieht.

Auch diejenigen, die die Region Zwecks Studium, Beruf oder aus anderen Gründen verlassen haben, aber durchaus mit einer Rückkehr liebäugeln, gilt es zu erreichen. „Wiedersehen macht Freude!" setzt gezielt hier an. Nach dem Schulabschluss, dem Studium oder der Ausbildung erstmal raus von Zuhaus – wer kennt das nicht? Doch dass sich der Blick in Richtung Heimat dann und wann auszahlen kann und ein Wiedersehen im wahrsten Sinne des Wortes Freude macht, dafür sind nicht nur Rückkehrer*innen-Geschichten der Beweis. Jedes Jahr am Stoppelmarkt- Samstag veranstaltet der Landkreis Vechta ein Treffen unter dem Motto „Wiedersehen macht Freude!" für alle, die es beruflich früher oder später wieder in die Heimat zieht. Dabei werden potenzielle Rückkehrer*innen mit Unternehmern, Personalexperten und weiteren interessanten Gesprächspartnern zusammengebracht. In lockerer Atmosphäre sollen alte Kontakte aufleben, berufliche Netzwerke gestärkt und wieder Heimatluft geschnuppert werden. (www.wiedersehen.starke-argumente.de)

Egal ob Rückkehrer*in oder Externe – für alle soll das Jobportal zentrale Informationsquelle sein. Es ist ein gemeinsames Angebot der Landkreise Cloppenburg und Vechta sowie des Verbundes Oldenburger Münsterland als Baustein zur regionalen Fachkräftesicherung mit dem Anspruch der Bündelung und Abbildung der bei regionalen wie nationalen Stellenbörsen geschalteten Arbeits- und Ausbildungsplatzangeboten aus der Region, auch die bei der Stellenbörse der Agentur für Arbeit gelisteten, sowie deren Anreicherung mit interessanten Umfeldinformationen zum Arbeitsort. Dadurch unterscheidet sich dieses Angebot von vielen anderen Jobportalen. Hier können schnell und einfach freie Stellen in der Region gefunden und interessante Informationen über die Wirtschaftsregion, Wohnen und Leben in den Städten und Gemeinden sowie regionale Freizeit- und Kulturangebote abgerufen werden. Unternehmen haben die Möglichkeit, über die angebundenen Partner und Inhaltsanbieter, bei denen Sie als regionaler Arbeitgeber oder Ausbildungsbetrieb Anzeigen schalten, im Jobportal mit größtmöglicher Reichweite präsent zu sein und somit besser von Jobsuchenden gefunden zu werden. (www.jobs.starke-argumente.de

Neben der Ansprache neuer Zielgruppen ist es von zentraler Bedeutung gute Mitarbeiter*innen – insbesondere auch ältere – länger im Erwerbsleben zu halten. Dabei spielen neben gesundheitlichen Aspekten auch die fachlichen Kompetenzen und deren Erhalt eine entscheidende Rolle. Für Unternehmen ist es zudem sehr wichtig, internes Wissen zu heben und zu pflegen. Auch die Etablierung Lebenslangen Lernens im Unternehmen, insbesondere basierend auf den zentralen Themen wie zunehmende Komplexität, Digitalisierung und Technisierung aber auch Diversität, sowie eine strukturierte Personalentwicklung stellen einige Maßnahmen zur Steigerung der Arbeitgeberattraktivität dar. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass ein Bündel von Maßnahmen notwendig ist, um der Herausforderung Fachkräftegewinnung und Fachkräftesicherung zukunftsgerichtet zu begegnen.

Zur Bindung und Motivation guter Mitarbeiter*innen gehört es folglich auch, diese körperlich und seelisch fit zu machen beziehungsweise zu halten. Betriebliches Gesundheitsmanagement ist ein wichtiger Baustein und kann darüber hinaus auch bei der Akquise von Fachkräften als wichtiger Wettbewerbsvorteil dienen. Hier bietet die Gesundheitsregion Landkreis Vechta interessante Projekte und Veranstaltungen an. (www.gesundheitsregion-vechta.de)

Auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf iist für Mitarbeiter*innen und Jobsuchende oft ein entscheidendes Argument für ihre individuelle berufliche Laufbahnplanung, die Entscheidung über den Verbleib bei einem Unternehmen oder eben auch einen beruflichen Wechsel. Zu diesem Thema finden Unternehmen kompetente Ansprechpartner*innen beispielsweise bei der Koordinierungsstelle Frauen & Wirtschaft im Oldenburger Münsterland oder beim Verbund familienfreundlicher Unternehmen e. V. Oldenburger Münsterland (www.koordinierungsstelleom.de).

Viele weitere Themen lassen sich unter der Überschrift „Monetäre Ansatzpunkte/Zusatzleistungen" ergänzen. Hierzu zählen auch Mobilitätsangebote wie zum Beispiel die finanzielle Beteiligung an einem Jobticket. Im Landkreis Vechta bietet moobil+ dies an. (www.moobilplus.de)

Ebenfalls überaus vielfältig sind die Angebote im Bereich Weiterbildung in unserer Region. Diesen bunten Strauß an Themen und Angeboten bedienen unterschiedlichste Anbieter. Daher arbeitet der Landkreis Vechta in Netzwerken sowie direkt mit Kammern, Verbänden und anderen Akteuren zusammen, in dem zum Beispiel (geförderte) Projekte, Weiterbildungen, Workshops, Vorträge etc. zu aktuellen und für Unternehmen relevanten Themen gemeinsam organisiert und vor Ort angeboten werden.

Die Darstellung der Projekte und Angebote zur Fachkräftesicherung im Landkreis Vechta sind sicher nicht als eine abschließende Aufzählung zu verstehen. Vielmehr unterliegt das Angebot einem stetigen dynamischen Wandel, bei dem alle handelnden Akteure bestrebt sind, den Landkreis Vechta und darüber hinaus die Region Oldenburger Münsterland für Fachkräfte attraktiv zu gestalten. 

Fazit:

Unter dem Motto „Fachkräfte finden – Fachkräfte binden" hat der Landkreis Vechta einiges zu bieten! Bei Interesse an weitergehenden Informationen zu diesem Thema kontaktieren Sie gerne die Wirtschaftsförderung des Landkreises Vechta.

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