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Knöpfe machen Mode

Klein aber fein und viel mehr als reine Verschlusssache: Knöpfe setzen modische Akzente. In der internationalen Modewelt sorgen die mit viel Liebe zum Detail entwickelten Kreationen der CK Creativ Knopf GmbH aus Goldenstedt für Furore.

Mit kreativen Verschlusssachen als Familienunternehmen international erfolgreich: (v. l.) Marcel Morthorst, Johannes Morthorst und Birgit Morthorst-Rüb.

Dabei ist ein Knopf nicht einfach ein Knopf. Wenn er könnte, würde er eine Geschichte erzählen – und die hätte es in sich. Denn schon mehr als zwei Jahre, bevor er seinen Dienst an einem Kleidungsstück antritt, beginnt seine Entwicklung: Recherche ist angesagt. Was kommt, was wird Trend in der Mode von Morgen. Dabei ermitteln weltweit agierende Agenturen mit Unterstützung von Trendforschern die neuen Farben und angesagte Materialien. Designed in Goldenstedt geht das praktische Accessoire für seine Produktion auf Reisen in ferne Lande, bevor es bei renommierten Modefirmen wie Digel, Zara, Roy Robson oder Hugo Boss zum Einsatz kommt.

Am Anfang war der Hemdenknopf

Bereits in der Antike als Ziergegenstand ohne Funktion bekannt, traten Knöpfe nach dem im 13. Jahrhundert in Deutschland erfundenen Knopfloch ihren Siegeszug rund um die Welt an. Vor allem bei den Herren der Schöpfung galten sie lange als Statussymbol – mit durchaus exzessiven Zügen: Im 18. Jahrhundert ließen sie nicht selten Kleidungsstücke mit mehreren Schock – ein Schock sind 60 Stück! – besetzten und griffen dafür tief in den Geldbeutel. Noch heute hat jeder Knopf auf der Zunftkleidung traditioneller Handwerksberufe eine ebenso aussagekräftige Bedeutung wie als Bestandteil klerikaler Roben. Den kleinen Blick in die Geschichte quittiert Johannes Morthorst mit einem Schmunzeln und erklärt: „Knöpfe sind Schmuckstücke, die Politik, Kunst, Geschichte und Mode weltweit vereinen. Deshalb kann es eigentlich nie zu viele Knöpfe geben."

Während seiner Tätigkeit in einem Unternehmen der Knopfbranche entwickelte der Gründer von CK Creativ Knopf eine tiefe Zuneigung für die besondere Ästhetik von Knöpfen und war sich sicher: Das kann ich besser. Mit viel Mut und Enthusiasmus wagte er im Jahr des Mauerfalls 1989 den Sprung in die Selbstständigkeit. Den Anfang machte eine Kollektion mit überwiegend Hemden und Blusenknöpfen, erstellt in Zusammenarbeit mit einem griechischen Produktionsbetrieb.

Angetrieben von dem Erfolg und den Herausforderungen eines sich ständig verändernden Marktes wurde die Kollektion im Laufe der Jahre um Produkte für die Damen und Herrenbekleidung sowie Landhausmode erweitert. Auch Kunden aus dem Bereich Homeware werden mittlerweile beliefert. Inzwischen wird der gebürtige Goldenstedter in der Unternehmensführung von seiner Ehefrau Birgit Morthorst-Rüb, die Marketing, Personalwesen und Controlling verantwortet, sowie seinem Sohn Marcel unterstützt: „Seit einiger Zeit führt der Junior das Tagesgeschäft und ich nutze den Freiraum, um die Firma als Impulsgeber zukunftssicher aufzustellen. Meine Leidenschaft gilt allerdings noch immer der Kollektion, die ich als Kreativ-Kopf nie aus dem Blick verliere."

Die besondere Liebe zum Detail, die sich im Entwickeln immer neuer Materialien
und aufwendiger Finishs zeigt, hat die Firma CK Creativ Knopf zum Marktführer im
Hemdenbereich aufsteigen lassen.

Konzepte, die anknöpfen

Zweimal jährlich entwickelt das Designteam die mit Spannung erwarteten Hauptkollektionen, die internationalen Designern und Herstellern aus der Modebranche präsentiert werden. In dieser Entwicklungsarbeit stecken viel Know-how, Leidenschaft und unzählige Arbeitsstunden.

„Unser Anspruch ist es, Stile und Trends nicht einfach mitzumachen, sondern diese mit unseren Knopfkreationen zu beeinflussen und so jedes Kleidungsstück ein bisschen schöner und wertiger zu machen." Inspirationsquellen sind dabei Modemetropolen wie New York, Mailand, Paris oder London, die zum Teil bereist werden. Aber auch Eindrücke aus Lifestyle, Kunst und Interieur fließen in die Kollektionserstellung mit ein.

Neben der Entwicklung der Hauptkollektionen besteht ein wesentlicher Teil der kreativen Arbeit darin, Kundenwünsche individuell umzusetzen. Hier kommt CK Creativ Knopf der ständige Dialog und die lange vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Kunden zu gute. So gelingt es, mit kompetenter Beratung individuelle Anforderungen bezüglich Material, Form und Farbe erst in Zeichnungen, dann in Prototypen und anschließend in der Serienproduktion umzusetzen.

Unwiderstehliche Knopfkreationen

In den letzten drei Jahrzehnten entwickelte sich das Unternehmen Knopf für Knopf kontinuierlich weiter. Besonderes Augenmerk wird immer noch auf das Ausgangsprodukt, den Hemdenknopf, gelegt. Die besondere Liebe zum Detail, die sich im Entwickeln immer neuer Materialien und aufwendiger Finishes zeigt, hat die Firma mittlerweile zum Marktführer im Hemdenbereich aufsteigen lassen: „Sie werden kaum ein in Deutschland entworfenes Hemd finden, an dem kein Creativ Knopf verarbeitet ist. Aber auch in den anderen Marktsegmenten wie Men's und Woman's Wear werden wir als wichtiger Partner und namhafte Größe wahrgenommen", stellt der 62-Jährige fest.

Die Kollektionen glänzen facettenreich in jedem Style, während bei der Produktlinie „Natural" Design und Anforderungen an Nachhaltigkeit zu einem einzigartigen Produkt verschmelzen. Speziell für die anspruchsvollen und flexiblen Bedürfnisse im Outdoorbereich wurde das Label „Outerwear" geschaffen. Zahlreiche selbst entwickelte Materialien sowie funktionale, technische und ästhetisch überzeugende Verschlusslösungen bieten in dieser Kollektion viel Gestaltungsraum.

Feinste Qualität und anspruchsvolle Ästhetik

Mit dem Wechsel der Mode variiert die Produktpalette – feinste Qualitäten und anspruchsvolle Ästhetik sind als wesentliche Eckpfeiler der Firmenphilosophie Grundvoraussetzung bei der Materialauswahl.

Früher wie heute spielen vor allem Naturmaterialien wie Horn, Steinnuss, Perlmutt, Kokos, Bambus, Holz oder Leder eine große Rolle. „Wir widmen uns immer wieder auch besonderen Stücken, die zeitlos sind und kurzfristige Trends elegant überwinden. Früher hatte jeder eine Knopfschachtel im Schrank. Ersatzknöpfe und besonders schöne abgeschnittene Knöpfe von ausgemusterter Kleidung wanderten in diese Schachtel. Wir arbeiten kontinuierlich daran, dass unsere Knöpfe sich eines Tage in so einer Schachtel wiederfinden."

Metall und diverse Polyestermaterialien ergänzen das Portfolio der Naturstoffe für das umfangreiche Sortiment. „Gerade Polyester eröffnet der Kreativität mit seinen Materialeigenschaften schier unerschöpfliche Gestaltungsmöglichkeiten. Es lässt sich formen, färben, lasern, trommeln, stonewashen und lackieren – um hier nur einige Varianten zu nennen." Dank modernster Fertigungstechnik ist es außerdem möglich, damit in großen Stückzahlen kostengünstig zu produzieren. Längst gibt es zudem Materialkompositionen, die mit recycelten Rohstoffen arbeiten, um den heutigen Anforderungen an Sustainability gerecht zu werden.

Perlmutt ist mit seinem facettenreichen Schimmer für den „Herrn der Knöpfe" der Favorit bei den Knopfmaterialien.

Viele Hände, ein Knopf

Produziert werden Basics ebenso wie modische Highlights bei langjährigen Partnerfirmen in Italien, Portugal, der Türkei sowie in Asien. Unterschiedlich aufwendige Verfahren führen oft dazu, dass verschiedene Spezialisten an der Herstellung einzelner Produktlinien beteiligt sind: „Das stellt uns immer wieder vor große logistische Herausforderungen. Eine exakte Planung führt dazu, dass die Produktion zeitlich organisiert werden kann. Die Bekleidungsbranche steht immer unter Zeit- und Innovationsdruck. Das ist die besondere Herausforderung in unserem Metier."

Den letzten Schliff bekommt die Ware dann zum Teil noch im heimischen Goldenstedt. Viele Knöpfe verlassen die Firma nach Kundenvorgaben in der eigenen Färberei eingefärbt und zum Teil lackiert.

Für den Vertrieb sind unter der Federführung von Marcel Morthorst neun Mitarbeiter in Europa und Asien tätig: „Mit unseren Niederlassungen in Hongkong und Vietnam erreichen wir den asiatischen Markt und bedienen unsere international aufgestellten Kunden vor Ort."

Knopf goes digital

Einen großen Stellenwert nimmt in den letzten Jahren und erst recht in der Zukunft das Thema Digitalisierung ein. Ein eigens innerhalb des Unternehmens gegründeter Kreis setzt sich auf allen relevanten Ebenen mit deben dieser Entwicklung auseinander. Außerdem ist Creativ Knopf Mitglied einer nationalen Workgroup, die alle Stufen der Branche zusammenschließt und gemeinsam verbindliche Standards für eine digitale Vernetzung erarbeitet.

Mit viel Liebe zum Detail: Die CK-Designer kreieren immer wieder aktuelle Knopfkreationen, die die Modewelt begeistern.

Knöpfungsgeschichte

So schnelllebig der Knopfmarkt auch ist, eines hat die Jahrzehnte überdauert: die traditionelle Links rechts-Knöpfung der Herren, während die Damen von rechts nach links knöpfen. Warum das so ist, kann der „Herr der Knöpfe", Johannes Morthorst, sachkundig beantworten: „Über viele Jahrhunderte hinweg trug der wehrhafte Mann eine Waffe, in der Historie den Degen. Um diesen als Rechtshänder ziehen zu können, musste man mit der rechten Hand unter den Mantel oder Umhang an die linke Hüfte greifen können. Damit einen das Kleidungsstück nicht behinderte, musste die Öffnung links sein. Die Damen wählten, da von Natur aus friedfertiger (Augenzwinkern), die andere, leichter zu knöpfende Seite."

So vereint ein scheinbar unspektakuläres Produkt wie der Knopf Historie und moderne Technologie auf kleinstem Raum: „Wir sind gespannt, welche Entwicklung wir in der Zukunft noch nehmen. Knöpfe mit GPSFunktion, Knöpfe mit individuellem Duft et cetera. Wir lassen uns da mal überraschen. Und wir werden aber auf jeden Fall ganz vorne dabei sein."

In der hauseigenen Färberei in Goldenstedt werden viele Knöpfe den Kundenwünschen entsprechend eingefärbt.

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