Lebenswelt

Wie Schulen Corona trotzen

Digitalisierung und Corona sind Schlagworte, um die im Jahr 2020 im Schulbereich niemand herumkam. Eigentlich haben diese Begriffe nichts miteinander zu tun. Ist doch das erste eine 2019 ins Leben gerufene bundesweite Maßnahme, die bis Ende 2024 das digitale Zeitalter in deutschen Schulen eröffnen soll. Und das zweite eine Pandemie, deren Auswirkungen erst mit dem bundesweiten Lockdown im März 2020 mit voller Gewalt in unser Leben eintrat. Doch plötzlich waren diese Themen ganz eng miteinander verzahnt.

Die Sommerschule an den Schulen der Schulstiftung St. Benedikt – hier an der Paulusschule in Oldenburg – wurde überall gut angenommen und von den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern gelobt.

Ihre Verknüpfung lässt sich für die bischöfliche Schulstiftung St. Benedikt – größter privater Schulträger im Oldenburger Land und einer der größten in Niedersachsen – sogar an einem konkreten Datum festmachen. In der zweiten Märzwoche wurde in Deutschland angesichts dramatisch steigender Corona-Fallzahlen immer offener über die Notwendigkeit eines Lockdowns diskutiert. Selbst die Schließung von Kitas und Schulen, eine bis dahin unvorstellbare Maßnahme, wurde nicht mehr ausgeschlossen. Während das ganze Land gespannt auf die Entscheidungen aus der Politik wartete, rief der Vorstand der Schulstiftung St. Benedikt am 11. März die Leitungen seiner neun Schulen zu einer Krisensitzung zusammen. Was machen wir – wenn? Diese zentrale Frage stand im Raum. Und sie wurde für die damalige Zeit ungewöhnlich entschieden: Wenn es einen Lockdown geben sollte, organisieren wir an allen Schulen Online-Unterricht. Alle Lehrkräfte, so die schließlich formulierte Dienstanweisung, müssen in Zeiten einer Schulschließung weiter Unterricht gestalten, ihre Schüler mit Stoff versorgen und mit ihnen regelmäßig Kontakt halten.

Als am Freitag (den 13.!) tatsächlich ab dem kommenden Montag die Schließung aller Schulen – vorerst bis zu den Osterferien – angeordnet wurde, waren die kirchlichen Schulen vorbereitet. Schüler der unteren Jahrgänge bekamen eine ausführliche Einweisung in IServ, sodass auch sie selbstständig in dem internen Schulnetzwerk arbeiten konnten. Dass in den Folgewochen alles glatt lief, wird niemand behaupten. Auch, dass das Homeschooling, das einigen anfangs noch interessant erschien, schnell seinen Reiz verlor, ist unumstritten. Doch in der Zeit bis zu den Osterferien waren die Schülerinnen und Schüler der Schulstiftung St. Benedikt täglich an ihre Lehrkräfte angebunden. Sie bekamen Unterrichtsstoff, erhielten Hilfestellung, wurden angerufen und hatten jeden Tag einige Stunden zu tun.

Die Schulstiftung hat sich nicht nur hier vorausschauend verhalten. Funktionierendes Homeschooling bedingt eine gute digitale Infrastruktur. Und auch hier können sich die Schulen der Schulstiftung mit guter Ausstattung präsentieren. Besonders ihre Oberschulen sind in den letzten Jahren mit interaktiven Bildschirmen ausgestattet worden. Schulen, die diese Technik noch nicht haben, ziehen im Rahmen des Digitalpakts nach. Tabletts, die 2020 über staatliche Förderprogramme an Schüler verteilt wurden, sind in mehreren Schulen der Schulstiftung schon seit Jahren eingeführt. Den Anfang machte 2017 das Gymnasium Liebfrauenschule in Vechta. Als reine Mädchenschule hat sie ein Alleinstellungsmerkmal für Nordwest-Deutschland. Ab Jahrgang sechs arbeiten bereits fünf Jahrgänge täglich mit ihnen. So sind sie perfekt ausgestattet für Homeschooling.

Uwe Kathmann (Vorstand der Schulstiftung St. Benedikt), Schulleiter Andreas Weber und Cloppenburgs 1. Kreisrat Neidhard Varnhorn (v. r.) versuchen in der neuen Turnhalle der Liebfrauenschule Cloppenburg einen Ball zu pritschen, den ihnen Sportlehrer Stephan Suttrup zuwirft.

Sommerschulen – Lernen in den Ferien

Doch die Corona-bedingten Schulschließungen haben ihre Spuren hinterlassen. Trotz des gut organisierten Online-Unterrichts blieb fachlich einiges auf der Strecke. Vielen Kindern und Jugendlichen fehlten vor allem die sozialen Kontakte. Besonders schwierig wurde es, wenn sie in beengten Verhältnissen wohnten und zu Hause keine ausreichende Unterstützung beim Homeschooling bekamen. Manchmal mangelte es auch einfach an der technischen Ausstattung oder einem schnellen Internetzugang.

Um hier einige Defizite abzufedern, entwickelten mehrere Schulen der Schulstiftung kurzfristig Sommerschulen. Die Teilnahme war freiwillig, und obwohl es die Jugendlichen wertvolle Ferienzeit kostete, konnten sich die Schulen über mangelnde Nachfrage nicht beklagen. Die fachlichen Schwerpunkte lagen meist in den Bereichen Englisch, Mathematik und Deutsch. Je nach Standort wurden die Sommerschulen unterschiedlich organisiert.

Während im Wilhelmshavener Gymnasium Cäcilienschule einige Schüler von hauseigenen Lehrkräften eine Woche unterrichtet wurden, setzte die Oldenburger Oberschule Paulusschule auf externe Honorarkräfte. 57 Schülerinnen und Schüler hatten sich angemeldet. Besonders groß war das Interesse im neunten Jahrgang. Zwei Schulwochen wurde unterrichtet. Die Unterrichtsinhalte hatten Lehrkräfte der Schule vorab erstellt. Die Umsetzung vor Ort übernahmen Studierende des Master of Education Studienganges der Universität Oldenburg.

Ähnlich lief es an der Oberschule Ludgerus-Schule in Vechta. 25 Mädchen und Jungen der Klassen fünf bis neun kamen an zwei Ferienwochen täglich von 9.00 bis 12.30 Uhr in die Schule. Fünf Honorarlehrkräfte übernahmen den Unterricht. Eine andere Philosophie vertrat die Cloppenburger Marienschule, mit 575 Schülerinnen und Schülern die größte der vier Oberschulen der Schulstiftung. Den zweiwöchigen Ferienunterricht, an dem 21 Jugendliche teilnahmen, konnte sie komplett mit hauseigenem Personal abdecken. Schulleiterin Simone Hegger-Flatken hatte damit eine Anregung aufgegriffen, die aus dem eigenen Kollegium gekommen war. Verständlich, dass sie auf ihre Leute und den großen Gemeinschaftssinn stolz ist. Anders als in Oldenburg und Vechta wurde hier nicht im Gruppenverband unterrichtet, sondern alle arbeiteten unter pädagogischer Aufsicht einen Lehrplan ab, den die jeweiligen Fachlehrkräfte im Vorfeld individuell erstellt hatten. Das Konzept kam gut an. Was kann es ein größeres Lob geben, als wenn ein Siebtklässler sagt, er bereue es nicht, hier zu sein, obwohl ihn seine Mutter eigenmächtig angemeldet hatte. Oder wenn ein Gleichaltriger zugibt: „Zu Hause würde ich wahrscheinlich nur vor dem Computer sitzen und nichts tun."

Ein ganz anderes Modell realisierte die Schulstiftung St. Benedikt in Vechta zusammen mit der dortigen Bürgerstiftung. Wenige Wochen vor Ende des letzten Schuljahres war die Idee entstanden, Kindern aus Vechtaer Schulen in den Sommerferien eine pädagogisch
begleitete Ferienbetreuung anzubieten. Trotz der knappen Zeit ist es durch die Mithilfe Vieler gelungen, das Sommercamp auf dem BDKJ-Jugendhof zu organisieren. 81 Kinder aus zwölf Schulen – meist Grundschulen – nahmen schließlich daran teil. Die kulturelle und sprachliche Vielfalt der Kinder erwies sich als Bereicherung für alle. Schule und Spaß, Lernen und Spiel, Gemeinschaft und viel Kreativität – das Sommercamp bot den Kindern der Klassen eins bis sechs nicht nu Anregungen, Bewegung und Wissen, sondern auch die Möglichkeit, neue Freundschaften zu schließen. Es hat Spaß gemacht zu sehen, wie Kinder jahrgangs- und schulübergreifend und ohne Scheu vor fremden Kulturen zueinander gefunden haben. Wie die Kinder das Sommercamp bewerteten: „Das waren die besten Ferien." und „Ich will wiederkommen, weil es mir hier sehr viel Spaß gemacht hat." sind nur zwei von vielen begeisterten Kommentaren.

Finanziert wurden alle diese Maßnahme überwiegend von externen Förderern: Der Bürgerstiftung Vechta, dem Corona-Hilfsfonds der katholischen Kirche, dem niedersächsischen Kultusministerium, der Mechtild und Günter Welker Stiftung und der Marius Eriksen Stiftung.

Das Modell der Sommerschulen wird uns in Zukunft immer mehr begegnen. In Form und Inhalten werden sie sich ständig neu anpassen. Aber wenn sich Schulkinder darüber freuen, an solchen Veranstaltungen teilnehmen zu können, und in den Ferien bereit sind, dafür morgens früh aufzustehen – mehr Zustimmung geht nicht.

2019 bekamen alle Schulen der Schulstiftung das Siegel »Öko-faire Einrichtung«.  Hier bringen Schülerinnen der BBS Marienhain Vechta die Plakette an ihrer Schule an.

Moderne Schulen

Schulen sind im Unterhalt teuer, doch die katholische Kirche steht fest zu diesem Engagement. Denn Schulen sind ein wichtiges Aushängeschild. Im Haushalt des Bischöflich Münsterschen Offizialates ist der Schulbereich daher nach Kirchengemeinden und allgemeiner Seelsorge mit einer zweistelligen Millionensumme traditionell der zweitgrößte Haushaltsposten.

Allein in den letzten fünf Jahren gab es folgende größere Baumaßnahmen: Sanierung und Erweiterung der Marienschule Cloppenburg (8,5 Millionen Euro), Sanierung der Turnhallen der Liebfrauenschule Cloppenburg (1,2 Millionen Euro), Modernisierung des naturwissenschaftlichen Trakts der Liebfrauenschule Vechta (3,3 Millionen Euro), Umbau der Klassenräume der BBS Marienhain (1,4 Millionen Euro), Umbau der alten Bibliothek und Werkräume im Gymnasium Liebfrauenschule Oldenburg (215.000 Euro) und 190.000 Euro für einen neuen Verwaltungstrakt der Oberschule Paulus-Schule Oldenburg. Und über sechs Millionen Euro fließen zurzeit in einen neuen Klassentrakt der Cäcilienschule Wilhelmshaven.

INFO | SCHULSTIFTUNG ST. BENEDIKT

Zur Schulstiftung St. Benedikt gehören an den Standorten Cloppenburg, Vechta, Oldenburg und Wilhelmshaven vier allgemeinbildende Gymnasien (die Liebfrauenschule in Vechta als reines Mädchengymnasium), vier Oberschulen und die BBS Marienhain in Vechta, die Berufsbildenden Schulen für Pflege, Sozialpädagogik und Heilpädagogik.

Circa 600 Lehrkräfte unterrichten hier über 5.500 junge Menschen. Neue Lehrkräfte für alle Fächer werden immer wieder gesucht: bewerbung@schulstiftung-benedikt.de.

Ludger Heuer ist für die Bereiche Presse, Fundraising und Projektmanagement der Schulstiftung St. Benedikt zuständig.

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