Lebenswelt

Menschen in der Pflege stärken

Autor*in: Ulrich Zerhusen

Angefangen hat alles im Jahr 2002 mit einem ambulanten Pflegedienst. So gesehen feiert das Pflegeunternehmen Zerhusen & Blömer GmbH aus Lohne-Kroge in diesem Jahr seine Volljährigkeit. Und wie im wahren Leben verliefen die ersten 18 Jahre des familiengeführten Unternehmens ebenso abwechslungs- wie lehrreich. In zweiter Generation halten Ulrich Zerhusen und Marie-Luise Bertels (geb. Blömer) alle Fäden in der Hand. Der studierte Ökonom und die ausgebildete Pädagogin und Pflegemanagerin begnügen sich allerdings nicht damit, sich ins gemachte Nest zu setzen. Sie gehen ihren eigenen Weg.

Zweite Generation im Familienunternehmen: Ulrich Zerhusen und Marie-Luise Bertels.

Betrachten Außenstehende nur die nackten Zahlen, wirkt Zerhusen & Blömer wie ein normaler mittelständischer Pflegedienstleister. 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versorgen täglich 500 Kundinnen und Kunden. Als sogenannter Komplexanbieter erstreckt sich dabei das Angebot über die drei großen Bereiche der Pflege: ambulante Pflege, teilstationäre Pflege (Tagespflegen) und stationäre Pflege (Pflegeheim). Dies beinhaltet beispielsweise ambulante Körper- und Krankenpflege, Pflegeberatung, Betreuung und Unterstützung bei der Haushaltsführung bis hin zur Versorgung durch Palliativfachkräfte und Sterbebegleitung zu Hause. Die drei Tagespflegeeinrichtungen unterscheiden sich konzeptionell stark voneinander, um möglichst individuell auf unterschiedliche Bedürfnisse eingehen zu können.

Zudem gab es aus der Familiengeschichte heraus bereits eine lange, partnerschaftliche Verbindung mit dem Orden der Mauritzer Franziskanerinnen. Der Orden ist ebenfalls in Kroge ansässig und erbaute dort im Jahre 1925 das Kloster St. Anna-Stift. Die Geschichte des St. Anna-Stift Kroge und der Herz-Jesu Kirche ist eng verbunden mit der Familie Wassenberg und den Geschwistern Angela Zerhusen und Elisabeth Blömer.

Beide Unternehmensgründerinnen sind geborene Wassenberg. Als Ort der Erholung und Ruhe für die Schwestern erbaut, wurde das St. Anna-Stift Kroge im Jahre 2012 die stationäre Pflegeeinrichtung von Zerhusen & Blömer. Eine solche Pflegeeinrichtung lässt aufhorchen, da sie sich vom Klischee eines kühlen Profanbaus vieler Pflegeunternehmen deutlich abhebt. In der einzigartigen Atmosphäre klösterlicher Ruhe können die Bewohnerinnen und Bewohner unterschiedlichsten Aktivitäten nachgehen.

Die Gründer-Schwestern:  Angela Zerhusen und Elisabeth Blömer.

Hinter den Fakten stecken Menschen

Wer den ersten Eindruck durch Fakten, Fakten, Fakten hinter sich lässt, erhält einen einzigartigen Einblick in die außergewöhnlichen Denkweisen des geschäftsführenden Tandems. Denn die Zahlen sind die eine Wahrheit. Hinter den Zahlen steckt jedoch ein komplexes System aus unzähligen Befindlichkeiten, Interessen, Abwägungen und Präferenzen. Ein Unternehmen mit 220 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern muss einen roten Faden vorgeben und eine klare Philosophie verfolgen, an der sich alle orientieren können. Hier geht es nicht um richtig oder falsch, sondern einzig und allein um die Frage: Was will ich? Geschäftsführer Ulrich Zerhusen beantwortet die Frage so: „Ich will Menschen bestärken. Das bedeutet, sie stärker zu machen, aufzubauen und in die Lage zu versetzen, eigenständig und möglichst frei zu leben und Entscheidungen zu treffen."

Während viele Pflegeunternehmen darauf ausgerichtet sind, pflegebedürftige Menschen zu betreuen und teilweise sogar zu bemuttern, geht Zerhusen einen anderen Weg. Beispielsweise sollen die pflegebedürftigen Menschen bei Zerhusen & Blömer möglichst eigenständig leben und wirken. Sie werden aktiv bestärkt, auf Eigeninitiative Tätigkeiten nachzugehen und Routinen zu entwickeln. Das Unternehmen will vermeiden, möglichst viele Menschen in konforme Tagesabläufe zu stecken, nur um sie besonders kostengünstig und zeitsparend zu verwalten. Viel Energie wird dabei in die Weiterentwicklung des Pflegekonzepts gesteckt. Ulrich Zerhusen und Marie-Luise Bertels betrachten die Pflegeentwicklung global. Das bedeutet, dass die Unternehmensführung weltweit nach neuesten Methoden und Forschungen schaut, um eventuelle Verbesserungen im Pflegealltag umzusetzen.

CrossFit im Pflegeheim: von dem umfangreichen betrieblichen Gesundheitsmanagement profitieren alle: Pflegekräfte UND Bewohner.

Innovatives Denken mit royalen Folgen

2014 entdeckte die Unternehmensführung von Zerhusen & Blömer in Schweden ein innovatives, ganzheitliches Pflegekonzept: Silviahemmet, die Pflegephilosophie der gleichnamigen Stiftung. Silvia? Schweden? Richtig. Die verantwortliche Stiftung wurde von Königin Silvia ins Leben gerufen, deren Mutter an Demenz erkrankt war. In Zusammenarbeit mit dem Karolinska-Institut bei Stockholm, einem der größten und angesehensten medizinischen Institute Europas, wurde eine Philosophie entwickelt, die den pflegebedürftigen Menschen in den Mittelpunkt stellt und diesen als Lehrer betrachtet. Alle Menschen, die mit ihm interagieren, lernen im wahrsten Sinne von seinen Präferenzen, Entwicklungen und Verhaltensweisen.

Zunächst wurde die Philosophie im teilstationären Bereich der Tagespflege umgesetzt. 2015 folgte die Eröffnung des eigens angelegten, geschützten Wohnbereichs Silvia in Kroge, architektonisch direkt an das bestehende Pflegeheim St. Anna angegliedert und mit diesem verbunden. Er ist nach den neuesten Erkenntnissen der Stiftung Silviahemmet gestaltet. Dies bedeutet, dass jedes Detail des besonderen Wohnbereichs nach anderen Maßstäben konzipiert ist, als es bei konventionellen Wohnumgebungen der Fall ist. Designs und Aufteilungen sind nicht zufällig ausgewählt, sondern folgen bestimmten Funktionen und Nutzen.

Neben der Bestärkung der pflegebedürftigen Menschen setzt sich Zerhusen & Blömer auch für den Nachwuchs ein. So holte das Unternehmen als Initiator gemeinsam mit Partnern den internationalen Pflegepreis Queen Silvia Nursing Award nach Deutschland. Seit 2017 werden angehende Pflegekräfte ausgezeichnet, die mit einer innovativen Idee zur Verbesserung der Pflege die deutsche Jury überzeugen können. Dies führte 2019 zu einem aufsehenerregenden Besuch von Königin Silvia im St. Anna-Stift Kroge, der auch überregional für Schlagzeilen sorgte.

Royaler Besuch Königin Silvia von Schweden besuchte 2019 das St. Anna-Stift Kroge, das als Modeleinrichtung das ganzheitliche Pflegekonzept Silviahemmet umsetzt.

Hohe Wertschätzung für die Belegschaft

Als eine Herzensangelegenheit betrachten Zerhusen und Bertels die Bestärkung der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Insbesondere die Pflegekräfte erleben in ihrem Arbeitsalltag hohe Belastungen und viel Verantwortung. Fehlende Motivation und Rückendeckung führt in der Pflegebranche leider allzu oft zu steigenden Krankenständen, erhöhter Fluktuation und sinkender Pflegequalität. Im Gegenzug bedeutet dies aber auch: Wertschätzung, Wahrnehmung und Bestärkung können zu einer gesünderen, loyaleren und motivierten Belegschaft führen. Deshalb hat Zerhusen & Blömer eine Reihe von Maßnahmen umgesetzt, um die eigenen Angestellten zu bestärken.

Ein wichtiger Grundsatz für das Unternehmen ist dabei eine tarifliche Vergütung aller Beschäftigten. Auf der Suche nach einem passenden Tarifvertrag hat sich das Unternehmen für die Arbeitsvertragsrichtlinien des Deutschen Caritasverbandes entschieden; auch, wenn Zerhusen & Blömer selbst ein privatwirtschaftliches Unternehmen ist. So beinhaltet diese Kollektivvereinbarung beispielsweise 36 Tage Urlaub bei einer Sechs-Tage-Woche, Urlaubs- und Weihnachtsgeld, gute Bezahlung nach festen Entgeltgruppen, VL- und BAV-Leistungen, Kinderzuschläge und weitere Sozialleistungen. Eine feste Richtlinie, nach der sich das Unternehmen ausrichtet, sorgt bei den Pflegekräften für Sicherheit und Orientierung.

Ebenfalls außergewöhnlich ist das Bonussystem für besonderes Engagement. Für bestimmte Leistungen, etwa für eine Vertretung oder kurzfristiges Einspringen, erhalten Angestellte Punkte auf eine Prepaid-Karte. Pro Punkt zahlt Zerhusen & Blömer im Rahmen des steuerfreien Sachbezuges drei Euro auf die Karte ein. So können monatlich 44 Euro und damit jährlich bis zu 528 Euro steuerfrei dazuverdient werden. Das einfache Prinzip dahinter: besonderer teamfördernder Einsatz wird gesehen, wertgeschätzt und belohnt. Nach der Einführung des Systems im Jahre 2019 konnte ein deutlicher Anstieg der Motivation festgestellt werden, ebenso eine spürbare Abnahme der Fehlzeiten.

Zudem bezahlt das Unternehmen interne Schulungen. Dazu zählen Pflichtthemen wie Betreuungsschein oder Erste Hilfe, aber auch Fachausbildungen wie Demenzkompetenz. Damit wird es Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ermöglicht, ohne Aufwand und Kosten weiterzukommen und besser zu werden. Dieses Konzept bestärkt die Belegschaft, mit eigenen Vorschlägen auf die Geschäftsführung zuzugehen und lernwillig zu bleiben.

Aber auch für die Gesundheit tut das Unternehmen außergewöhnlich viel. Für Bewohner und Tagespflegegäste gibt es mehrere Stunden täglich ein Bewegungsprogramm durch ausgebildete Physiotherapeuten. Und für die Mitarbeiter wurde zudem ein sehr umfangreiches betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) entwickelt. Ganze sechs Stunden täglich sind Physiotherapeuten im Haus, um beruflichen Belastungen entgegenzuwirken und so für mehr Gesundheit und Wohlbefinden zu sorgen. Auch dies hat die Ausfallquoten deutlich sinken lassen.

Von oben Luftaufnahme St. Anna-Stift Kroge

Mit voller Kraft in die Zukunft

Energiegeladen geht das Führungsduo von Zerhusen & Blömer die Zukunft an. Aktuell entsteht eine Kindertagespflege, um Angestellten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu ermöglichen. Kinder können dann einfach zum Dienst mitgebracht und für diese Zeit gut betreut werden. Diese Kita wird in einem Neubau zusammen mit einer neuen Tagespflege für ältere Menschen entstehen. Von diesem innovativen, intergenerationellen Ansatz profitieren alle – ob Jung oder Alt. Und für diejenigen, die ihre Kita-Tage einige Jahre hinter sich gelassen haben, bietet Zerhusen & Blömer attraktive Ausbildungsplätze mit besten Zukunftschancen. Das Unternehmen sucht gezielt nach Menschen, die den Pflegeberuf als Chance sehen, sich einzubringen und gesellschaftlich wirklich etwas zu bewirken. So arbeitet das Unternehmen nicht nur für sich, sondern versucht nebenbei, auf allen Ebenen die gesamte Pflegebranche aufzuwerten.

Die Pflege verdient Respekt und Ansehen, Pflegekräfte sollen Stolz und Status spüren. Bei Zerhusen & Blömer ist man sich einig: Veränderungen kommen nicht von allein, sie müssen herbeigeführt werden. Wenn die Geschäftsführung, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Bewohnerinnen und Bewohner, Kunden und Tagespflegegäste sowie deren Angehörige an einem Strang ziehen, blickt die Pflege in eine hoffnungsvolle Zukunft.

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