Dienstleister

Corona-Digitalisierung

Bereits in der Ausgabe für 2018 konnten wir uns gemeinsam mit bleywaren.de präsentieren. Im folgenden werde ich kurz darstellen, wie sich Seitlicht seitdem entwickelt hat und darüber hinaus – basierend auf unserer täglichen Arbeit und Erkenntnissen aus der Corona-Pandemie – einige Prognosen zur zukünftigen Marktentwicklung abgeben.

Seitlicht-Geschäftsführer Maximilian Mayrhofer.

Seit der Firmengründung in 2014 haben wir den Anspruch, die beste Agentur für Online-Marketing im Oldenburger Münsterland zu sein. Ob wir dem gerecht werden, müsste schlussendlich der sich auf das gesamte Bundesgebiet verteilende Kundenstamm beurteilen. Als unter anderem Google Premium-Partner mit aktuell 25 Mitarbeitern sind wir jedoch definitiv die größte Agentur für diesen Marketing-Teilbereich. Ergänzt haben wir unser Leistungsportfolio in der Zwischenzeit um die Gestaltung von Websites und Onlineshops. Regelmäßig werden wir auch immer wieder gefragt, ob wir neben Online-Marketing auch bei klassischen Grafik-Dienstleistungen wie Büro- und Geschäftsausstattung unterstützen können. Das können wir natürlich! Um am Markt noch verbindlicher aufzutreten, haben wir unseren Slogan „Richtungsweisend" kurzerhand in "Zielführend" geändert. Dass Online-Marketing wohl der derzeit am stärksten wachsende Marketingbereich, aber trotzdem nur ein Teilbereich ist, hat uns dazu gebracht, diverse Kooperationen mit Spezialisten aus anderen Marketingbereichen einzugehen. Unser Ziel ist immer eine lange Kundenbindung, die Voraussetzung hierfür ist dabei ein stabiles Fundament in der Außendarstellung des Unternehmens – die Positionierung. Um hier bereits frühzeitig gut zu beraten und im Vorfeld unserer eigentlichen Tätigkeit im Sinne des Kunden zu agieren, empfehlen wir im Vorfeld unserer Arbeit gerne die Leistungen unseres Kooperationspartners Jens Mlinarzik aus Vechta.

Seit dem 01.08.2020 haben wir zudem unsere erste Auszubildende für Mediengestaltung in unseren Reihen. Darauf sind wir nicht nur stolz, wir freuen uns darüber, jungen Menschen aus der Region in der Region eine Jobperspektive bieten zu können, die man ansonsten eher in den Online-Marketing- Hochburgen Berlin, Hamburg, München oder Köln vermuten würde – aber eben nicht bei uns auf dem platten Land.

Mit der Überschrift habe ich bereits das eigentliche Thema dieses Beitrags angerissen. Seit März 2020 gehört Corona zum Alltag der Bevölkerung und hat sich nach dem Ausbruch in China in eine weltweite Pandemie entwickelt. Ob die mit Corona verbundenen Maßnahmen das angestrebte Ziel erreicht haben, sollen andere beurteilen. Ich für meinen Teil leite aus den Lockdowns des letzten Jahres und der weiterhin besonderen Situation die These ab, dass die Corona- Pandemie der Katalysator für die Digitalisierung ist und so das nachhaltige Aus für Tausende von stationären Geschäften nochmal beschleunigen wird.

Oliver Samwer (die Samwer-Brüder sind die Gründer von Zalando) hat schon vor Jahren einmal mit der Aussage polarisiert, dass es „Innenstädte nur deshalb gebe, weil es im Mittelalter noch kein Internet gab". Diese Aussage ist für jeden stationären Einzelhändler ein Schlag ins Gesicht, im Kern aber korrekt. Seit Jahren verzeichnet die E-Commerce- Branche kontinuierlich steigende Umsätze, seit Jahren steigen damit einhergehend auch die Netto-Werbeausgaben für Online-Marketing.

E-Commerce- und Online-Marketing-Boom

Jedes Jahr aufs Neue stellt das so genannte Cyber-Weekend mit dem Black-Friday und dem Cyber-Monday neue Verkaufsrekorde auf. In der E-Commerce-Branche ist es in der Regel das verkaufsstärkste Wochenende des Jahres. Viel gravierender dabei ist, dass das Niveau dieses Wochenendes den Maßstab für das Bestellvolumen der nächsten zwölf Monate de"niert und das Cyber-Week end im Folgejahr diese Benchmark erneut auf ein noch höheres Level hebt.

  • Wie stellt sich dieser Boom-Trend stationär dar?
  • Kann der Einzelhandel in den Innenstädten beziehungsweise offline ebenfalls von dieser Marktentwicklung profitieren?
  • Haben Händler in den letzten Jahren flächendeckend Angebote geschaffen, damit der Umsatz nicht noch beschleunigter in denOnlinekanal fließt?
  •  Ist der Einzelhandel flächendeckend von seinen Margen-Vorstellungen abgewichen, um den Umsatz mit geringerem Deckungsbeitrag stationär zu generieren?
  • Hat man die stationären Preise auf der Fläche bei entsprechenden Anfragen von Kunden reduziert oder diese stattdessen mit den höheren Kosten für die Vorhaltung stationärer Verkaufsfläche gerechtfertigt?
  •  Wie viele stationär mitunter schon seit Generationen geführte Geschäfte haben ihr Angebot in den letzten Jahren durch einen Onlineshop oder die Aktivierung anderer Online-Verkaufskanäle abgerundet?
  • Sind in den letzten fünf beziehungsweise zehn Jahren diverse stationäre Unternehmen verschwunden?
  • Ändert sich das eigene Einkaufsverhalten und verlagert sich zunehmend ins Netz?
  • Wird sich dieser Trend fortsetzen?
Erfahrungsgemäß weiß ich aus den letzten zwölf Jahren meiner geschäftlichen Tätigkeit, dass alle meine Fragestellungen zum Nachteil des stationären Verkaufs beantwortet werden müssen. Viel schlimmer wiegt dabei eine Erfahrung, die wir bei der Platzierung eines Angebots für die kurzfristige Erstellung eines Onlineshops auf Basis von Shopware im Frühjahr 2020 machen mussten. Das Angebot haben wir in der Annahme platziert, dem kleinen Einzelhändler damit einen Gefallen zu tun und dass insbesondere zur Zeit des ersten Lockdowns Ressourcen frei wären, damit man sich fundiert mit der Aktivierung eines Onlineshops und den damit verbundenen Anforderungen auseinandersetzen kann. Der dafür von uns aufgerufene Preis glich dem der TUI Aktie aus Mai 2020. Es handelte sich um einen absoluten Vorteilspreis, zu dem jeder Kaufmann eigentlich hätte kaufen müssen.
 
Raten Sie mal, wie viele dieser Vorteilsangebote wir trotz Bewerbung im Oldenburger Münsterland verkauft haben? Richtig – keins!
 
Woran liegt das? Für die Beantwortung dieser Frage gibt es nur zwei Möglichkeiten. Erstens: Wir als Sender haben das Angebot trotz intensiver Bewerbung falsch am Markt platziert bzw. kommuniziert. Oder zweiten: Der Empfänger be"ndet sich in der persönlichen Komfortzone und ist aus Bequemlichkeit nicht zu dieser Innovation bereit. Er resigniert deshalb und akzeptiert gewollt oder ungewollt die Stagnation. Das Stagnation Rückschritt ist, hat Anfang der 2000er- Jahre letztmalig Nokia als Platzhirsch für Mobilfunkgeräte mehr als eindrucksvoll bewiesen.
 
In Kombination damit haben wir anhand des Beispiels einiger kleiner Einzelhändler aus Hamburg auf Instagram als Verkaufskanal in der Zeit des Lockdowns hingewiesen. Das Insta-Stories eine Möglichkeit darstellen, der gezwungenermaßen ausbleibenden Kundschaft auf der Fläche trotzdem Produkte zum Corona-Lockdown-Vorteilspreis präsentieren zu können, wurde dabei vielfach unter Beweis gestellt. Bedauerlich fanden wir dabei, dass unserem kostenlosen Ratschlag bei aller Leichtigkeit der Umsetzung ebenso oft nicht gefolgt wurde. Ein leuchtendes Beispiel für die Nutzung der Möglichkeiten von Instagram ist das Schuhhaus Zumnorde aus Münster, das mit Dependancen in Osnabrück und Oldenburg hinreichend bekannt sein dürfte.
 
Bereits vor einigen Jahren wurde ich gebeten, das Modell „Mönchengladbach bei Ebay" auf Realisierbarkeit für eine Gruppe von Kaufleuten zu hinterfragen. Wem dieses Modell im ersten Schritt nichts mehr sagt – es geht darum, das stationäre Angebot von diversen Händlern in einem zentralen Verkäuferkonto bei Ebay zu bündeln und so ohne jeweils eigene Onlineshops bzw. Ebay Verkäuferkonten online verkaufen zu können.
 
Hierfür haben wir ein Stufenmodell entwickelt, das sich wie folgt aufgebaut hat:
 
Stufe 1: Initialkosten für die Aktivierung des Verkaufskanals inkl. digitaler Warenwirtschaft
Stufe 2: Laufende Kosten für die Aktivierung diverser Online-Marketing-Kanäle
Stufe 3: Laufende Kosten im Sinne von Verkaufsprovisionen für Ebay
 
Das Modell ist schon in Stufe 1 gescheitert, weil diverse Teilnehmer zwar grundsätzlich teilnehmen wollten, jedoch wegen schlecht gepflegten oder komplett fehlenden digitalen Warenwirtschaften nicht teilnehmen konnten.
 
Ich möchte mit diesem Beispiel verdeutlichen, dass es in den letzten Jahren ohne Probleme möglich gewesen wäre, die Weichen in eine erfolgreiche Zukunft zu stellen, bei der am Beispiel von Bley, einem in sechster Generation geführten Familienunternehmen, das stationäre Geschäft in der Cloppenburger Innenstadt mit bleywaren.de sinnvoll um einen Onlineshop ergänzt worden ist.
 
Stattdessen tritt scheinbar massenweise die soeben bereits erwähnte Resignation auf und das Internet wird weiterhin als Feind des stationären Einzelhandels verschrien.
 
Neuland zu betreten, erfordert Entrepreneurship. Dieses Unternehmertum wird immer auch mit neuen Erfahrungen verbunden sein. Diese Erfahrungen auch für die richtige Weichenstellung zu nutzen, war aufgrund der mit Online-Marketing verbundenen Messbarkeiten noch nie so leicht wie heute. Viel gravierender dabei ist, dass sich die Corona-Pandemie wie ein Katalysator auf die weitere Digitalisierung auswirken wird.
 
Zahlen, Daten und Fakten sind hier die entscheidenden Faktoren. Es geht immer um Effektivität und Effizienz – alles muss richtig, besser gemacht und vor allem schneller werden. Digitalisierung, Automatisierung und die damit verbundene Skalierbarkeit sind hier die entscheidenden Schlagworte. Im Online- Marketing ist so gut wie alles messbar, das lässt sich auch für die klassische Außendarstellung nutzen.
 
Sofern bei Unternehmen mit einer bislang ausschließlichen Ausrichtung auf das stationäre Geschäft aktuell noch keine einleitenden Prozesse zur E-Commerce-Erschließung angestoßen worden sind, empfehle ich diesen Schritt dringend. Trotz der mit diesem Artikel verteilten Schelte, maße ich mir nicht an, der geborene Unternehmer zu sein. Ich bin mit heute 37 Jahren Geschäftsführer einer weiterhin wachsenden Firma im Bereich Marketing und möchte insbesondere deshalb lediglich deutlich machen, dass Durchhalteparolen wie „kauft regional oder vor Ort" schlichtweg Schnee von gestern sind.
 
Der Markt war immer dynamisch und von Wandel gekennzeichnet, nur die Geschwindigkeit des Wandels hat sich massiv erhöht. Eine neue und junge Unternehmergeneration wird das machen, was schon in den Jahrhunderten Weltgeschichte immer wieder so geschehen ist: Neue Wege gehen und erfolgreich sein!

 

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