Agrar- und Ernährungswirtschaft

Das Craftbier vom Dümmer

Autor*in: Anne Hartmann

Craftbier ist in aller Munde. Und seit Christopher Franz sein eigenes Bier am wunderschönen Dümmer braut, auch in den Mündern der Region. Craftbier ist in erster Linie handwerklich gebrautes Bier, das sich kreativer Elemente bedient. So brauen kreative Brauer kreative Biere innerhalb und außerhalb des deutschen Reinheitsgebots und verzaubern die Geschmacksknospen vielzähliger Bierliebhaber.

Bootshaus-Brauerei-Chef Christopher Franz mit Gerstenmalz in seiner Brauerei.

Christopher Franz hat schon immer gerne selbst Bier getrunken, erzählt er. Eines Abends dann auf dem heimischen Sofa kam die Idee, sich selbst an den Bierbrauprozess zu wagen und das erste Hobbybrauset zu erstehen. Ein erster Versuch scheiterte zwar am Geschmackstest des Bierliebhabers, der Ehrgeiz hatte ihn jedoch bereits gepackt. Er probierte weiter und weiter und die Ergebnisse wurden schnell immer besser. Hier kamen dem gelernten Koch, der auch bereits in der Sternegastronomie den Kochlöffel geschwungen hat, sicherlich seine geschulten Geschmacksnerven zu Gute. Nachdem die ersten Sude zuhause gebraut wurden und die Ergebnisse immer mehr überzeugten, baute Christopher Franz eigenhändig den Bootsschuppen neben dem Wohnhaus zu einer kleinen Hobbybrauerei um. Die Bootshausbrauerei war geboren, das erste eigene Bier konnte in größerer Menge produziert werden.

Der Bierbrauer erzählt, dass seine handwerklich gebrauten Biere positive Bewertungen von Freunden, Bekannten und Genussbegeisterten aus der Region erhielten und schnell die Braukapazitäten im Bootsschuppen erreicht waren. So entstand also die Planung für eine größere Brauerei in Marl. Das Gebäude war nach einiger Suche doch relativ schnell gefunden und nach größeren Umbauarbeitern eröffnete Christopher Franz die Brauerei im April 2020.

Naturtrübes und unltriertes Pils der Bootshaus-Brauerei.

Das perfekte Bierergebnis

Was macht nun das perfekte Bierergebnis aus? Für Christopher Franz ist das ganz klar: Qualitativ hochwertige Produkte. Malz, Hopfen und Hefe werden vom Brauer nämlich selbst ausgesucht und erst dann zum Brauen verwendet, wenn die geschulten Sinne die Qualität bestätigt haben. Christopher Franz riecht nämlich zum Beispiel die Reinheit von Malz oder experimentiert überwiegend mit Aromahopfen, im Gegensatz zu den eher bekannten Bitterhopfen, die häufig in anderen Bieren verwendet werden. Die Aromahopfen seien maßgeblich für den Geschmack des Bieres verantwortlich und würden deshalb ausschließlich qualitativ hochwertig aus gewählt.

Der Brauer erklärt, dass ihm Transparenz dem Kunden gegenüber ebenfalls sehr wichtig ist. Der Kunde soll wissen, dass der Brauprozess eines handwerklich gebrauten Bieres ca. sechs bis acht Wochen in Anspruch nimmt. Ein Bier, das nicht gefiltert wird, muss länger gelagert werden, damit der Geschmack sich richtig entwickeln kann. Auch ist es so, dass Christopher Franz viel herumexperimentiert, also viele Probesude angesetzt werden, bevor ein fertiges Bier dem Urteil des Brauers standhält. „Eben schnell" ist ein handwerkliches Bier also nicht einfach so herzustellen. Wichtig ist auch, zu zeigen, dass der Bierbrauprozess nicht nur „spaßige Elemente" beinhaltet. Es müssen zu Recht hohe Hygienestandards eingehalten werden, deren Einhaltung viel Zeit in Anspruch nimmt. Außerdem muss man ganz schön geduldig sein, wenn man wochenlang auf die Vollendung durch den Reifeprozess wartet. In der Zeit des Wartens kommt jedoch keine Langeweile auf. Es wird Kundenpflege betrieben, neue Experimente werden gestartet, die Homepage wird gepflegt und die noch verbleibenden Zeitfenster werden für Biertastings und Brauereiführungen genutzt.

Tasting-Events in Marl

Nicht nur das Bier schmeckt den Kunden, auch die Brauerei und der Brauer selbst sind für den regionalen Konsumenten von großem Interesse. Und da Christopher Franz auf die Wünsche seiner Kunden eingeht, finden regelmäßig Tasting-Events mit eingebauten Führungen durch die Brauerei in Marl statt. Zum Biertasting gibt es dann eine deftige Brotzeit vom Bäcker aus der Region und während die Biere verköstigt werden, berichtet der Brauer mit leuchtenden Augen von seiner Passion: dem Bierbrau prozess in seiner eigenen Brauerei.

Es wird vom Schroten und vom Einmaischen gesprochen, über Treber und Enzyme gefachsimpelt oder von der Lagerung und Abfüllung der Biere berichtet. Für Bierliebhaber also tolle Informationen gepaart mit leckeren Gaumenschmäusen.

Taproom für Brauereibesichtigungen, Braukurse und Tasting-Events.

Regional ist erste Wahl

Regionalität ist dem Brauer ebenfalls sehr wichtig. So entstehen immer wieder Biere in Kooperation mit anderen regionalen Unternehmen. Nachdem bereits ein Erdbeerbier aus heimischen Früchten entstanden ist, können Bierliebhaber auf weitere Kombinationen gespannt sein. Wer weiß, vielleicht gibt es ja bald ein Biererzeugnis mit Honig? Oder sogar mit einer Nuss-Nougat-Creme aus der Region? Die Spannung steigt: Christopher Franz ist dafür bekannt, dass er Ideen, die er verfolgt, auch umsetzt. Der Perfektionist achtet auch darauf, dass am Ende des Brauprozesses unnötiger Müll vermeidet wird. So wird etwa der Treber, der bei der Produktion des Bieres in der Brauerei entsteht, nicht weggeschmissen, sondern entweder an einen regionalen Bäcker zum Brotbacken weitergegeben oder dient einem regionalen Landwirt als Futter für die Tiere – das ist Nowaste im wahrsten Sinne des Wortes, so, wie es im Buche steht.

Der Dümmerlohauser beschreibt sich selbst als ehrgeizig, zielstrebig und nahezu besessen von der eigenen Vision. Anders ist der Erfolg seiner Biere und seiner eigenen Brauerei auch kaum zu erklären.

Online wächst zweistellig

Die Biere sind bereits in vielen Getränkemärkten, Bars, Cafes, Hotels und Restaurants der Region erhältlich, werden aber selbstverständlich auch deutschlandweit über den Online-Shop der Bootshaus-Brauerei vertrieben. Zahlreiche Verlinkungen der Biertrinker bei Instagram und Bewertungen in einem speziellen Bier bewertungsportal im Internet verraten, dass Lobeshymnen zum festen Bestandteil der Arbeit von Christopher Franz gehören müssen.

Der gebürtige Neubrandenburger selbst hat den Traum eigener Biere und der eigenen Brauerei Wirklichkeit werden lassen und möchte andere, die ebenfalls ihrem Traum etwas näher kommen möchten, gerne helfen. So haben beispielsweise andere Brauer in der Bootshausbrauerei die Möglichkeit, ihre eigenen Biere zu brauen. „Gipsy-Brauen" nennt sich dieses stunden- oder tageweise Einmieten für bereits be stehende Brauereien, das so am Dümmer ganz unkompliziert möglich gemacht wird. Darüber hinaus können talentierte Brauer ihr eigenes Bier in die Bootshausbrauerei bringen und es von Christopher Franz in einer nahezu sauerstofffreien Abfüllanlage für ihre Kunden in Flaschen abfüllen lassen.

Christopher Franz hat für die nächsten Jahre eine klare Vision: Er möchte die gesamte Region mit handwerklich gebrautem Bier versorgen. Und das darf gefeiert werden – mit tollem Bier und echter Begeisterung!

Christopher Franz am Weizenbier in der Hauptgärung im offenen Gärbottich.

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