Agrar- und Ernährungswirtschaft

100 Jahre Viehgroßhandlung Meyer

Autor*in: Daniel Meyer

Die Viehgroßhandlung Meyer feiert ihr 100-jähriges Bestehen; das Familienunternehmen handelt bereits in der dritten Generation mit Ferkeln und Schweinen. Als Conrad Meyer sen. die „Viehgroßhandlung Meyer" im Jahr 1921 gründete, war sicherlich noch nicht absehbar, dass aus dem kleinen Viehgeschäft im Jahr 2021 ein europaweit tätiges Unternehmen werden sollte. Der Firmengründer wuchs auf dem elterlichen Hof in Felsen bei Herzlake auf und arbeitete dann als Verwalter auf dem Hof Bothe in Klein Roscharden und als Viehkaufmann bei der Viehhandlung Willen.

Conrad Meyer leitet das Unternehmen in der dritten Generation.

1921 gründete Conrad Meyer sen. die Firma „CM" mit zwei Angestellten. Diese kauften das Vieh in den Bereichen Höltinghausen und Herzlake auf, von wo es dann zum größten Teil nach Ostdeutschland, Süddeutschland und in das Rheinland verkauft wurde. Verschickt wurde es mit der Reichsbahn über die Bahnhöfe in Cloppenburg und Hemmelte.

Im Zweiten Weltkrieg, als die Wehrmacht Polen besetzt hatte, lieferte CM nach Aufforderung der Reichsregierung auch in diese Gebiete. Nach dem Krieg übergab Conrad Meyer sen. die Geschäfte in die Hände seiner Söhne Hans (geboren 1922, verstorben 2004) und Paul (geboren 1929, verstorben im September 2020). Hans wurde noch während seiner Gymnasialzeit in Cloppenburg zum Militär eingezogen, Paul absolvierte die Berufsschule in Cloppenburg und wurde Groß- und Außenhandelskaufmann.

Die ersten Viehgeschäfte in der Nachkriegszeit waren fast immer Tauschgeschäfte. Die Brüder Hans und Paul fuhren mit dem Fahrrad und später mit dem Motorrad zu den Bauern und kauften Vieh auf. Mit den Jahren erweiterten Hans und Paul ihr Geschäftsgebiet. Sie fuhren wöchentlich nach Süddeutschland, um dort das Vieh aus Südoldenburg zu vermarkten. Trotz der damaligen schwierigen Transport- und Zollbedingungen gelang den Brüdern sogar ein Handel mit Schweinen nach Berlin.

Auch Meyers Jungs sind erfolgreich

Durch den Beitritt in den Vieh- und Fleischhandelsverband 1947 lieferte das Unternehmen bis in die 1960er-Jahre Vieh von Lastrup in die damalige Ostzone. Die Umstellung auf die Deutsche Mark brachte zunächst einige Schwierigkeiten mit sich. Oft mussten Hans und Paul, „Meyers Jungs", mangels Bargeld mit dem guten Namen „Conrad Meyer" bezahlen. Auch heute noch sind Vertrauen und Zuverlässigkeit Grundpfeiler des Betriebs.

Die Viehhandlung verzeichnete in den 50er und 60er-Jahren ein stetiges Wachstum. Im Jahre 1965 wurde der erste eigene Viehtransporter angeschafft, ein Hanomag. 1989 wurde die ehemalige Sägerei zu einer Verladehalle umgebaut. Seit 1982 arbeitet Conrad Meyer im Unternehmen mit. Nach seiner Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann und dem Tod seiner Mutter bat ihn sein Vater Paul Meyer, nach Hause zu kommen. Zum 1. Januar 1994 übernahm er den Betrieb, der in eine GmbH umgewandelt wurde. Zugleich wurde die Großviehsparte abgestoßen und es wurde komplett auf den Handel mit Ferkeln und Schweinen umgestellt. Ab 1996 handelt die Viehgroßhandlung Conrad Meyer als eine der ersten aus dem Südoldenburger Raum mit dänischen Ferkeln.

Die vierte Generation: Simon Meyer unterstützt seinen Vater schon
heute – wie hier beim Begutachten der frisch eingestallten Ferkel.

Ferkel

Jede erfolgreiche Schweinemast fängt bei den Ferkeln an: Durch langjährige Handelskontakte in Deutschland und in die angrenzenden Staaten erreicht die Viehgroßhandlung Conrad Meyer eine hohe Zuverlässigkeit in Qualität und Liefertreue. Dabei sind selbst große Lieferungen von bis zu 1.000 Ferkeln pro Betrieb kein Problem.

Traditionell arbeitet das Unternehmen nach einem sehr hohen Hygiene- und Qualitätsanspruch und schätzt gesunde Rassen mit hohem Muskelfleisch anteil und bestem Gesundheitsstatus. Ganz wesentlich für den Geschäftserfolg des Lastruper Unternehmens ist außerdem die feste Anbindung an ausgewählte Erzeugerbetriebe.

Schweine

Eine hohe Fleischqualität verlangt einen optimalen und stressfreien Transport. Dem Wohl der Tiere wird die Viehgroßhandlung Meyer durch gute Planung, tiergerechte Verladung und das geschulte Personal gerecht. Den Vertragspartnern verspricht Conrad Meyer eine schnelle Bezahlung und eine Abrechnung nach FOM oder AutoFOM. Hinzu kommt eine Selektion der Schlachtschweine nach Magerfleischanteil und Gewicht. Die Firma Meyer realisiert eine optimale Streckenplanung und kurze Transportwege durch Anfahrt der hiesigen Schlachthöfe.

Hochmoderne Fahrzeugflotte

Das Unternehmen war schon immer zukunftsweisend aufgestellt – nicht nur in puncto Geschäftsstrategie, sondern auch hinsichtlich einer modernen Fahrzeugflotte. Die Viehgroßhandlung setzt auf einen laufend modernisierten Fuhrpark, der ausnahmslos die umweltschonende EURO-6- Abgasnorm sowie alle weiteren EU-Richtlinien und QS-Zerti"zierungen erfüllt. Für einen tierschutzgerechten Transport von der Verladung über den Transportweg bis zur Entladung gibt es unter anderem eine automatische Klimatisierung, eine Tempe raturüberwachung sowie moderne und leicht zugängliche Tränkanlagen – getreu dem Firmenmotto: „wir fühlen und sauwohl".

Die Firma Meyer verfügt über einen laufend modernisierten und zertizierten Fuhrpark.

Vertrauen und Sicherheit

Dennoch ist die Viehgroßhandlung ihrer Tradition treu geblieben. Denn schon immer gehörten Zuverlässigkeit, Vertrauen sowie ein tierfreundlicher, komfortabler Transport zu den Grundpfeilern des Erfolgs. Und Vertrauen und Sicherheit machen sich besonders in schwierigen Zeiten bemerkbar. So meisterte das Unternehmen gemeinsam mit seinen Kunden schon einige schwierige Phasen. Die Schweinepest oder auch die Nitrofen- und Dioxinskandale brachten den Schweinehandel in den 1990er und Anfang der 2000er-Jahre fast zum Erliegen. Zurzeit bereiten die Afrikanische Schweinepest und auch der durch Corona ausgelöste „Schweinestau" dem Markt große Probleme.

Heute liefert Meyer Nutz-, Zucht- und Schlachtschweine nicht nur aus dem Oldenburger Münsterland, sondern ist auch im Im- und Export aktiv. Das gilt vor allem für die guten Handelsbeziehungen in die europäischen Nachbarländer und zu den Landwirten und Erzeugern in Deutschland, Dänemark und Holland.

Kurz vorm 100-jährigen Jubiläum starb im September 2020 der ehemalige Firmeninhaber Paul Meyer mit 91 Jahren. Doch das Familienunternehmen hat die Betriebsnachfolge fest im Blick und die vierte Generation steht in den Startlöchern: Simon Meyer, der Wirtschafts ingenieurwesen Agrar studiert, unterstützt seinen Vater schon heute.

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