Wirtschaftsregion

Weiter Kurs halten!

Autor*in: CLAUS SPITZER-EWERSMANN

Ein starker Wirtschaftsstandort gepaart mit hoher Lebensqualität und einem attraktiven Umfeld – so präsentiert sich das Oldenburger Münsterland in der vor drei Jahren gestarteten Informationsoffensive. Zeit für eine Zwischenbilanz und einen Ausblick.

Präsident Herbert Winkel (links) und Vizepräsident Johann Wimberg verantworten als Landräte der Kreise Vechta und Cloppenburg die Arbeit des Verbundes Oldenburger Münsterland.   

„Der Mensch will immer, dass alles anders wird, und gleichzeitig will er, dass alles beim Alten bleibt." So schrieb der berühmte brasilianische Schriftsteller Paulo Coelho in seinem im Jahr 2000 veröffentlichten Roman „Der Dämon und Fräulein Prym". Warum ist das so? Weil wir feige sind? Weil wir Angst vor der Zukunft haben und dem, was sie uns bringt? Vielleicht, weil sich das, was kommt, weniger planen lässt, als das, was bereits ist?

Ja, der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Veränderung bringt oft Unsicherheit mit sich. Momente des Zweifelns. Und viele berechtigte Fragen. Aber das Leben erneuert sich jede Sekunde, jede Minute, jeden Tag. Der Wandel ist sein Motor. Klar ist: Die Zukunft kommt von ganz allein. Kaum spricht man von ihr, ist sie – schwupps – schon zur Stelle. Klug sein bedeutet, sich ihr zu stellen, ihre Risiken und Gefahren zwar zu kalkulieren, dennoch aber die sich bietenden Chancen und Herausforderungen zu sehen.

Neue Ziele, neue Wege

Im Oldenburger Münsterland leben und arbeiten viele Männer und Frauen, die das beherzigen. Sie schätzen die Tradition und den Halt, der von ihr ausgeht. Sie sind stolz auf die Region und auf ihre Errungenschaften. Doch damit nicht genug – sie schauen auch nach vorn. Stecken sich neue Ziele, legen neue Wege an. Und diese brauchen ebenso Markierungen, Hinweisschilder und Leitplanken. Für sie sorgt der Verbund Oldenburger Münsterland mit Präsident Herbert Winkel und Vizepräsident Johann Wimberg, den Landräten der Kreise Vechta und Cloppenburg, an der Spitze.

Digitalisierung und Fachkräftemangel, Generationswechsel und neue Ernährungsgewohnheiten: Die Liste der Themen, die in den letzten Jahren aufgekommen sind und auch weiterhin Stoff für Diskussionen bieten, könnte noch um einige Positionen verlängert werden. Immer wieder stellt sich dabei die Frage, ob die lange Zeit erfolgreichen Konzepte heute noch bei der Lösungssuche helfen können. Oder muss man umdenken, neue Ansätze zulassen, etwas wagen? Wenn ja, wie viel? Wie mutig darf, muss und will man sein, wenn man sich dem Wandel nicht entgegenstellen möchte?

Die Antwort der Verantwortlichen im Oldenburger Münsterland fällt eindeutig aus: Wir versuchen es mit den neuen Wegen, wohlwissend, dass es durchaus mal holperig werden kann. Wir verleugnen unsere Herkunft nicht. Nein, wir zeigen offensiv, woher wir kommen, wer wir sind und was wir können. Schluss mit dem Versteckspiel!

„Wir müssen stärker voneinander lernen und gemeinsam Lösungen entwickeln.“ (Johann Wimberg, Landrat des Landkreises Cloppenburg)

Keine Selbstzufriedenheit, bitte!

Seit drei Jahren läuft das Programm jetzt. Ohne zu übertreiben, lässt sich sagen: Es zeigt Wirkung, nach außen wie nach innen. Das Oldenburger Münsterland wird inzwischen deutschlandweit ganz anders wahrgenommen als in der Vergangenheit. Als eine der wirtschaftlich erfolgreichsten Regionen des Landes bekommt es so endlich die Wertschätzung, die es verdient. Allein die Anzahl der europa- und sogar weltweiten Marktführer nötigt selbst kritischen Geistern Respekt ab – ebenso wie der Umstand, dass pro 100.000 Einwohnern deutlich mehr Patentanmeldungen aus dem Oldenburger Münsterland registriert werden als etwa aus Bremen, Schleswig-Holstein oder Berlin.

Allerdings warnt Vechtas Landrat Herbert Winkel vor Selbstzufriedenheit: „Wir haben schon viel erreicht, aber der eingeschlagene Weg ist noch lang. Wichtig ist, dass wir weiter Kurs halten." Da trifft es sich gut, dass nach anfänglicher Skepsis nun auch innerhalb der Region die Zustimmung überwiegt und sich viele Unternehmen beispielsweise auf Messen als Teil des Oldenburger Münsterlands präsentieren. Winkel: „Darüber sind wir sehr froh, denn das bringt uns weiter."

„Wir haben schon viel erreicht. Aber der eingeschlagene Weg ist noch lang. Wichtig ist, dass wir weiter Kurs halten.“ (Herbert Winkel, Landrat des Landkreises Vechta)

„New Work" und „Smart Region"

Fest steht: Die Aufgaben werden nicht weniger, die Ansprüche nicht geringer. Eines der großen Zukunftsthemen: New Work. Was nach Großstadt klingt, hat auch für den ländlichen Raum Relevanz. Um im Wettbewerb um die besten Kräfte bestehen zu können, setzen mehr und mehr Unternehmen darauf, althergebrachte Strukturen und Verfahrensweisen zu hinterfragen, Mitarbeiter enger einzubeziehen und Prozesse zu optimieren.

So verändert sich nicht nur die Arbeitswelt im Großen, sondern jeder einzelne Arbeitsplatz. Gelingt es, die Verantwortung im Unternehmen auf mehrere Schultern zu verlagern, können die Beschäftigten selbstbestimmter arbeiten, sind zufriedener – und bleiben im Haus. Diese Entwicklung ist noch längst nicht abgeschlossen. Auf die Tagesordnung rückt mit Macht auch das Projekt „Smart Region". Der Begriff steht für die Vision digital vernetzter Gemeinden und Städte, die sozial, ökologisch und ökonomisch nachhaltige Ziele verfolgt. Der Branchenverband Bitkom zählt etwa eine verbesserte Ressourceneffizienz, die Schaffung von Innovationsräumen oder eine erhöhte Zugänglichkeit und Effizienz öffentlicher Dienstleistungen dazu.

Roland und Karoline Zerhusen mit Verbund-Geschäftsführer Jan Kreienborg vor dem prägnanten OM-Logo am Hochregallager der Zerhusen Kartonagen GmbH in Damme.   
Partnerlogo des Oldenburger Münsterlandes am Goldschmaus-Truck.   

Lernen und Lösungen entwickeln

Einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge eignen sich die Landkreise Cloppenburg und Vechta hervorragend als Smart Region. Die Wissenschaftler trauen in Niedersachsen nur dem Oldenburger Münsterland zu, aus eigener Kraft smart zu werden und die Grundlagen für die erfolgreiche Nutzung und Umsetzung der Digitalisierung zu schaffen. „Wir müssen stärker voneinander lernen und gemeinsam Lösungen entwickeln", nennt Cloppenburgs Landrat Johann Wimberg ein Beispiel für denkbare Effekte. „Ein erfolgreiches Projekt einer Gemeinde mag einer anderen noch gar nicht bekannt sein. Solche Synergieeffekte wollen wir fördern."

Beide Themenfelder zeigen, wie nah die Zukunft bereits ist. Für eine Region, die weiterkommen will, ist es also nur konsequent, sie jetzt aktiv anzugehen. Und damit sind wir wieder beim Thema Tradition. Einer der Garanten für den Erfolg im Oldenburger Münsterland liegt nämlich in der speziellen Mentalität seiner Bewohner. Devise: anpacken, nicht zaudern. Oder, um mit dem irischen Dramatiker George Bernard Shaw zu sprechen: „Ihr aber seht und sagt: Warum? Aber ich träume und sage: Warum nicht?"

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