Maschinen- und Anlagenbau

Unser Beitrag für die Welternährung

Autor: Jürgen Feld

Innerhalb der letzten 100 Jahre ist die Weltbevölkerung von rund 2 auf 7,7 Milliarden Menschen gestiegen. Ohne moderne Landwirtschaft und Landtechnik wäre die Ernährung der Menschen nicht zu realisieren. Für eine ausgewogene Ernährung bietet die Natur der Menschheit eine Vielfalt wertvoller Lebensmittel. Gesundes Gemüse und die Variantenvielfalt der Kartoffel wird weltweit sehr geschätzt und bietet die Grundlage für eine gesunde sowie ausgewogene Ernährung.

We are Family: (v.l.) Philipp, Christine, Franz und Christoph Grimme leiten die Unternehmensgruppe in der vierten und fünften Generation.   

Seit über 70 Jahren beschäftigt sich das Dammer Familienunternehmen GRIMME mit der rationelleren Ernte dieser Ackerfrüchte und hat einen wesentlichen Beitrag zur Reduzierung der mühseligen Handarbeit auf dem Feld beigetragen. Gegründet wurde das Unternehmen 1861 als Schmiede. 1936 entwickelte Franz Grimme senior, Vater des jetzigen Eigentümers, einen Auffangkorb, der an einem Schleuderradroder montiert wurde. Dadurch wurde das mühsame Aufsammeln der Kartoffeln deutlich erleichtert. Der Grundstein für die Landmaschinenfabrik war gelegt. 1966 entwickelte Franz Grimme den ersten vollhydraulischen Kartoffelvollernter und wurde innerhalb eines Jahres in Deutschland Markführer. 1980 wurde Franz Grimme, Sohn von Franz Grimme Senior, Geschäftsführer der Landmaschinenfabrik, die bereits ca. 300 Mitarbeiter beschäftigte. In den darauffolgenden Jahren wurde die Internationalisierung massiv vorangetrieben. Die ersten Gesellschaften in Großbritannien und USA wurden gegründet und das Vertriebsnetz deutlich ausgeweitet. 1987 gründete Franz Grimme die Firma INTERNORM in Damme, die Kunststofftechnikkomponenten unter anderem für die Landmaschinen von GRIMME und andere namhafte Landtechnikhersteller produziert.

1995 wurde die Tochtergesellschaft RICON in Damme gegründet, die Sieb- und Fördertechnik herstellt. Seit 2017 ist das Unternehmen im Niedersachsenpark in Rieste ansässig. 1999 wurde das Produktprogramm um die Lege-, Pflege- und Lagertechnik für Kartoffeln erweitert. 2003 kam die Rübentechnik dazu. Im gleichen Jahr übernahm GRIMME den US-amerikanischen Kartoffelerntetechnikhersteller SPUDNIK mit Sitz in Idaho. Heute ist SPUDNIK mit über 360 Mitarbeitern ebenfalls Komplettanbieter im Kartoffeltechniksegment und Marktführer in Nordamerika.

2013 wurde der dänische Gemüsetechnikspezialist ASA-LIFT übernommen und produziert mit über 120 Mitarbeitern kundenspezifische Maschinen für den Weltmarkt.

Autor Jürgen Feld ist Leiter Marketing bei GRIMME und seit 1999 im Unternehmen tätig.   

Im Laufe der Jahre sind zudem Sales- und Servicegesellschaften in Großbritannien, Irland, Niederlande, Dänemark, China, Russland, Frankreich, Belgien, Türkei, Polen und Deutschland gegründet worden. Heute erwirtschaftet die GRIMME Gruppe einen Umsatz von über 450 Millionen Euro und beschäftigt weltweit über 2.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Unternehmensgruppe wird von Franz Grimme geleitet. Christine Grimme ist seit 2002 im Unternehmen tätig und verantwortet die Öffentlichkeitsarbeit.

Die beiden Söhne Christoph und Philipp sind als fünfte Generation ebenfalls im Unternehmen tätig. Christoph Grimme ist seit 2016 Mitglied der Geschäftsleitung und 2019 zum Geschäftsführer der GRIMME Landmaschinenfabrik ernannt worden. Philipp Grimme ist seit 2019 Mitglied der Geschäftsleitung der GRIMME Gruppe und verantwortet den Vertrieb für den Kontinent Afrika, die Händlerentwicklung und das Corporate Marketing Board.

Die Entwicklung von Maschinen, die der Ernährungssicherung dienen und zum wirtschaftlichen Erfolg des Kunden beitragen ist schon die oberste Maxime des Gründers der Landmaschinenfabrik, Franz Grimme Senior, gewesen. Dieser Leitsatz gilt heute ebenso wie vor über 60 Jahren.

Heute rodet ein moderner Selbstfahrer von GRIMME in einer Saison so viele Speisekartoffeln, um eine Stadt wie Bochum oder um alle Einwohner von Berlin, Hamburg und Köln mit Kartoffelchips zu versorgen. Moderne Möhrenroder schaffen stündlich die Erntemenge, um über 110.000 Liter Möhrensaft herzustellen. 25.000 Päckchen Haushaltszucker würde aus der stündlichen Erntemenge eines Rübenroders hergestellt werden können. Diese beeindruckenden Fakten zeigen die wichtige Rolle moderner Landtechnik ohne die eine Ernährung von über 7,7 Milliarden Menschen nicht möglich wäre.

Aber auch politische Einflüsse verändern die Landwirtschaft nachhaltig. 2015 verkündete das Landwirtschaftsministerium in China, dass der Kartoffelanbau von 85 auf 135 Millionen Tonnen innerhalb von fünf Jahren gesteigert werden soll. Reis und Weizen verbrauchen im Gegensatz zur Kartoffel viel mehr Wasser und die Erdfrucht gedeiht zudem auch auf kargeren Böden. Mit über 5 Millionen Hektar ist China der mit Abstand größte Produzent weltweit und im Vergleich zu Deutschland mit knapp 250.000 Hektar ein Riese. Auf Platz 2 und 3 folgen Indien und Russland.

Die GRIMME Mitarbeiter in Damme.   

GRIMME hat 2018 ein 12.500 qm großes Werk in Tianjin (130 Kilometer südöstlich von Peking) eröffnet, um dort Maschinen für den chinesischen Markt nicht nur zu fertigen, sondern auch zu entwickeln. Die Anforderungen sind sehr speziell und die Preissensibilität der Kunden ist hoch. Des Weiteren sind viele lokale Hersteller in China aktiv, die bereits eine stattliche Zahl von Kopien des Dammer Traditionsunternehmens in den Markt eingeführt haben, die über 50 Prozent billiger sind als das Original. Dennoch wird bei den chinesischen Kunden GRIMME als der Premiumhersteller in diesem Segment angesehen und professionelle Kunden entscheiden sich für die roten Maschinen, da nicht nur die Qualität, sondern auch der Service und die Ersatzteilversorgung gewährleistet sind.

Indien ist der zweitgrößte Produzent für Kartoffeln. Die sehr kleinteiligen landwirtschaftlichen Strukturen und das noch vorhandene Kastenwesen erschweren den professionellen Kartoffelanbau stark. Die durchschnittliche Betriebsgröße liegt bei rund 2,5 Hektar und der Mechanisierungsgrad ist entsprechend gering, so dass im Kartoffelanbau Maschinen primär im unteren Einstiegssegment nachgefragt werden. Aus diesem Grund hat GRIMME ein Joint-Venture mit dem indischen Familienunternehmen Shaktiman aus Rajkot (rund 1.100 Kilometer südwestlich von Neu-Delhi) gegründet.

Bodenschonendes Fahrwerk und 8-Tonnen-Bunker: Der zweireihige Bunkerroder GRIMME EVO 280.   

Shaktiman entwickelt und produziert mit 2.500 Mitarbeitern vor allen Dingen Bodenbearbeitungsgeräte und ist zugleich der größte Hersteller für Bodenfräsen weltweit. GRIMME wird deutsche Spitzentechnologie und Shaktiman modernste Produktionskapazitäten in das deutsch-indische Joint Venture einbringen.

Ein Schwerpunkt der gemeinsamen Aktivitäten wird darin liegen, die Kompetenzen für die Entwicklung von Maschinen in der Traktorenklasse bis 75 PS (55 kW) zu optimieren. Die Maschinen werden unter dem Label „Shaktiman – GRIMME, Root Crop Solutions" in der markanten roten Farbe vermarktet. Der Vertrieb und der Service erfolgen über das bewährte und gut funktionierende Händlernetz von Shaktiman mit seinen über 650 Handelspartnern.

Nicht nur Maschinen aus Stahl und Eisen sorgen für einen optimierten Anbau von Kartoffeln, Rüben und Gemüse. Auch die Digitalisierung hat in der Branche Einzug gehalten. GRIMME ist einer der ersten Hersteller weltweit, der schon in den 1990-er Jahren eine eigene Abteilung aufgebaut hat, um komplexe Maschinen digital zu steuern.

Auf der Agritechnica 2017 stellte GRIMME das Kundenportal myGRIMME mit vielfältigen Anwendungen vor. Eine digitale Maschinenakte, Standortanzeige in Google Maps, Diebstahlschutz und die Anzeige von wichtigen Prozessparametern sind nur einige von vielen Mehrwerten. Mit der neuen Shop-Funktion in myGRIMME kann der Anwender GRIMME Original-Teile einfach identifizieren und online bestellen. Statt umfangreiche Ersatzteillisten durchsuchen zu müssen, werden dem Nutzer exakt die Teile angezeigt, die in der Maschine ab Baujahr 2011 auch verbaut sind.

GRIMME App mit Konfigurator, Bildern, Videos, Infotexten und Prospekten von mehr als 100 Produkten.   

GRIMME ist Gründungsmitglied des Competence Centers Isobus in Osnabrück, das seit über 10 Jahren sehr erfolgreich isobusfähige Bedienterminals entwickelt. Auch bei der universellen Datenaustauschplattform für Landwirte und Lohnunternehmer, dem agrirouter, ist GRIMME von Anfang an dabei. Als einer der ersten Hersteller hat GRIMME ein pay-per-use Modell auf der Agritechnica 2019 präsentiert, mit dem der Kunde digital per Smartphone Maschinenfunktionen auf dem Acker direkt freischalten kann. Hohe Anschaffungskosten beim Kauf der Neumaschine entfallen komplett und der Kunde kann bequem testen, ob diese Funktion einen Mehrwert bringt. Darüber hinaus werden über die GRIMME App vielfältige Informationen und ein Online-Konfigurator angeboten.

Mit der Gründung der Schmiede.ONE in Düsseldorf hat Christoph Grimme zudem im März 2017 ein auf Internet- und Softwarethemen spezialisiertes Unternehmen gegründet, das sich zum Horchposten, unter anderem für die GRIMME Gruppe, in der digitalen Welt entwickelt. Marktrelevante Trends werden so früher erkannt und in digitale praxisgerechte Lösungen umgesetzt.

Die GRIMME Gruppe wird sich als Familienunternehmen den vielfältigen Herausforderungen in der sich schnell wandelnden Welt stellen. Hochmoderne Landmaschinen für kartoffel-, rüben- und gemüseanbauende Betriebe und mehrwertbringende Dienstleistungen sind jetzt und in Zukunft der Garant für den Unternehmensslogan „Erfolg ernten!"

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