Maschinen- und Anlagenbau

Transporter aus Lastrup

Autor*in: STELLA & JUSTUS BÖCKMANNN

„Nur wer mit dem Herzen bei der Sache ist, hat langfristig Erfolg", war der Leitzsatz der Gründer Brigitte und Anton Böckmann. Noch heute, zwei Generationen später, wird jeder Tag in den Böckmann Fahrzeugwerken so gelebt. Mit Erfolg: Das Familienunternehmen hat sich von einer Dorfschmiede zu einem internationalen Marktführer entwickelt. Am Stammsitz in Lastrup werden zukunftsweisende Transportlösungen entwickelt, die sich durch erstklassige Qualität auszeichnen und weltweit vertrieben werden.

Stella und Justus Böckmann.   

Die Entscheidung, fest ins Unternehmen einzusteigen, trafen Stella (29) und Justus Böckmann (29) vor ungefähr drei Jahren. Mittlerweile sind die zwei – Cousine und Cousin – neben Geschäftsführer Klaus Böckmann (61) Teil des Führungsteams geworden. Sie verantworten auch den Truck-Bereich des Unternehmens. „Sattelfest" ist daher ein ganz passender Begriff, zumal der Auftakt unsers Gesprächs am Gestüt der Familie in Hamstrup stattfindet.

„Unser Testgelände sozusagen", sagt Stella Böckmann und zeigt auf den Reitplatz, neben dem wir Platz genommen haben. „Mehr Erfahrung geht fast nicht. Oder?", ergänzt Justus Böckmann mit einem Lachen und verweist auf den Reiter. Gilbert Böckmann (59) ist auf seinem Weg zum nächsten Hindernis. Was hier so spielend leicht aussieht, ist in der Tat das Ergebnis von ausdauerndem Training. Und das weiß kaum einer so gut wie er. Der Nationenpreisreiter hat schon viele Turniere gewonnen und als Ausbilder noch mehr Pferde zur Turnierreife gebracht. Sein Team von knapp 20 Mitarbeitern betreut rund 200 Vierbeiner, darunter 50 unternehmenseigene. Die Böckmann Pferde GmbH, die Gilbert Böckmann leitet, ist einer der Schwesterbetriebe der Fahrzeugwerke.

„Das wären dann unsere Testkandidaten", sagt Justus Böckmann und deutet auf das Pferd. „Jede Entwicklung", so Böckmann weiter, „muss sich erst einmal hier am Gestüt bewähren. Nur was für unsere eigenen Pferde infrage kommt, geht in die Produktion. Selbst wenn nur die Futtereimer an der falschen Seite hängen, bekommen wir das prompt zu hören". Dieser Praxisbezug und der Wunsch, Transportlösungen permanent zu verbessern, sind der Ursprung der Erfolgsgeschichte aus Lastrup.

Gilbert und Klaus Böckmann, Geschäftsführer und Gesellschafter der Böckmann Pferde GmbH bzw. der Böckmann Fahrzeugwerke.   

Schon früh begeisterte der 2010 verstorbene Seniorchef Anton Böckmann seine Söhne für den Reitsport. Es kam der Zeitpunkt, an dem die Ponys zum Turnier transportiert werden mussten. Dies nahm sich der gelernte Schmied zum Anlass, ein Anhänger-Prototyp zu konstruieren. Kurze Zeit später wurden bereits die ersten serienmäßig gefertigten Anhänger in Lastrup verkauft.

„Diese Aus-der-Praxis-für-die-Praxis-Philosophie steht noch heute hinter all unseren Entwicklungprojekten", sagt Stella Böckmann. „Ob man nun Baumaterial transportiert oder einfach nur den Rasenschnitt wegbringen möchte: Am Ende müssen immer die passenden Funktionen gegeben sein". Das Produktportfolio des Unternehmens ist umfangreich. Vom einfachen ungebremsten Kastenanhänger über Kipper-Fahrzeuge bis hin zu LKW-Aufbauten werden sämtliche Transportprobleme gelöst – und zwar „made in Lastrup".

Mittlerweile befinden wir uns auf dem Gelände der Fahrzeugwerke, nur wenige Kilometer von dem Gestüt entfernt. Wir besichtigen die Pferdeanhänger-Produktion. „Hier sitzt jeder Griff", erklärt Stella Böckmann den Ablauf einer der Fertigungslinien. „Die Ankunft der Fahrgestelle, die vorgefertigten Komponenten aus anderen Bereichen – alles ist genau geplant. Das ist eine unserer Stärken".

Um uns herum reiht sich Anhänger an Anhänger und die Linien bewegen sich scheinbar fließend fort. Mitarbeiter in blauer Böckmann-Arbeitskleidung haben kaum etwas montiert, schon wird neues Material an ihren Arbeitsplatz gebracht. In kurzer Abfolge öffnet und schließt sich das Tor, durch das die fertigen Anhänger gezogen werden.

Die Familie steht zm Standort Lastrup. Neben 100 Trucks werden hier pro Jahr 20.000 Anhänger produziert. Zum Unternehmen gehören zwar auch weitere Fertigungsstandorte – einige davon im Rahmen von Joint Ventures –, doch Lastrup ist der größte. Von den über 500 Mitarbeitern, die die Böckmann-Gruppe international beschäftigt, arbeiten 300 hier am Stammsitz.

Vertrieben werden die Fahrzeuge über ein weltweites Händlernetz. „Mit unseren Partnern arbeiten wir eng zusammen", sagt Justus Böckmann. „Wir sind bemüht darin, in Sachen Service besser zu sein, als unser Wettbewerb. Der einheitliche Auftritt, die Beratung, die Ersatzteilversorgung: Es geht immer um den Kunden, ob in Australien, Südafrika oder Südoldenburg!"

Das Böckmann-Center in Lastrup, der Direktvertrieb der Firma, dient dabei als Referenzgeschäft. „Hier wollen wir Vorreiter sein, um unsere Händler von unseren Ideen zu überzeugen – egal, ob Prospektständer, Leuchtreklame oder Fahne. Denn erst, wenn man es live gesehen hat, erkennt man auch den Mehrwert", sagt er.

Ein weltweites Händlernetzwerk.   

Böckmann ist ein Global Player. Nicht nur im Oldenburger Münsterland werden solche Unternehmen gern als „Hidden Champions" bezeichnet. In Lastrup bleibt man lieber bodenständig und nahbar, das lebt die Familie Böckmann auch im Unternehmen. Die Anhänger des Unternehmens sind die Wahl der Profis, aber auch für Privatanwender gibt es ein attraktives Sortiment. Und beim Transport von Pferden vertrauen Olympiasieger und Hobbyreiter auf die Marke.

Auf dem Weg in den Showroom des Truck-Centers, wo Kunden von einem Transporter für zwei Pferde bis hin zu einem großen 26-Tonnen Fahrzeug für bis zu zwölf Pferde und Wohnung alles konfigurieren können, kommt uns eine Gruppe junger Menschen entgegen.

„Das sind einige unserer Azubis", sagt Stella Böckmann. „Weil wir letztendlich alle am selben Strang ziehen, verbringen alle Auszubildenden einen Teil in der Produktion", so Böckmann weiter. Stella und Justus Böckmann selbst waren fast ein Jahr in der Fertigung tätig.

„Wir sind immer auf der Suche nach neuen Mitstreitern, die mit uns etwas bewegen wollen", sagt Justus Böckmann. „Egal ob Praktikant oder Geschäftsführer: Wir sind nur dann gut, wenn die Ideen und Erfahrungen aller in die Weiterentwicklungen einfließen".

Dafür bietet die Firma ihren Böckmännern und -frauen einiges: Attraktive Arbeitszeiten mit bereichsabhängiger Gleitzeit und eine Beteiligung am Unternehmenserfolg durch Bonuszahlungen sind Teile des Angebots.

Warum sich die zwei für den Eintritt in das Familienunternehmen entschieden haben, möchten wir wissen. „Im Grunde war die Firma schon immer Teil unseres Lebens", sagt Stella Böckmann. „Trennen kann man das von der Familie nicht wirklich".

„Letztlich wollen wir zusammen etwas bewegen", sagt Justus Böckmann. „Immerhin sollen ja auch in Zukunft die besten Transportlösungen aus Lastrup kommen".

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