Kunststofftechnik

PLASTICS FOR FUTURE

Autor*in: SANDRA BURWINKEL

Häufig wird Plastik heute in den Medien als die Umweltsünde schlechthin proklamiert. Doch, auch wenn zu Recht darauf hingewiesen wird, dass der Gebrauch von Plastiktüten umweltschädlich ist, dass Q-Tipps Luxusartikel sind, auf die man durchaus verzichten kann, dass Strohhalme die Umwelt erheblich belasten und Plastikkügelchen aus Duschgels in den Weltmeeren wissenschaftlich nachgewiesen sind: Kunststoffe können genauso energie- und ressourceneffiziente Werkstoffe sein, wenn sie richtig eingesetzt und nachhaltig verwendet werden. In konsequent geschlossenen Materialkreisläufen sind sie sogar Wegbereiter für klimaschonende Technologien und prädestiniert für eine erstaunlich vielseitige Verwertung.

Geschäftsführer Martin Burwinkel mit einer Förderkette ECO-Chain².   

Werden Rezyklate in der kunststoffverarbeitenden Industrie eingesetzt, spricht man von der sogenannten werkstofflichen Verwertung der bereits einmal durch den Produktionsprozess geführten Rohware. Der Name Rezyklat, definiert als aufbereiteter Kunststoff mit bestimmten Eigenschaften, ist dabei als Oberbegriff zu verstehen für Regenerate (im Umschmelzprozess aufbereitete Kunststoffabfälle granuliert mit Zusätzen), Regranulate (im Umschmelzprozess aufbereitete Kunststoffabfälle granuliert ohne Zusätze) und dem sogenannten Mahlgut (gemahlener Kunststoffabfall in ungleichmäßiger Korngröße).

Die Burwinkel Kunststoffwerk GmbH nutzt ihr Know-how auf diesem Gebiet insbesondere mit dem Ziel, den Anteil an Rezyklaten im Verhältnis zur Neuware zu steigern und somit einen geschlossenen Materialkreislauf herzustellen. Dies ist aus rein technischen Gründen auf der einen und teilweise aufgrund von Kundenvorgaben und andersartig definierten Qualitätsanforderungen auf der anderen Seite vielleicht nicht immer in allen Bereichen realisierbar.

Dennoch sind die Möglichkeiten für den Einsatz von Rezyklaten weitaus größer als bislang erkannt und genutzt. Die Firma Burwinkel Kunststoffwerk GmbH hat die hierin liegenden Potenziale bereits vor geraumer Zeit erkannt und ist tätig geworden.

Die Burwinkel Kunststoffwerk GmbH fertigt in Mühlen Artikel für eine Vielzahl namenhafter Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen.   

ECO-Products² von Burwinkel

„Erfolgreich umgesetzt haben wir das Kunststoff-Recycling in unserer ECO-Products²- Serie", berichtet Geschäftsführer Martin Burwinkel stolz. „Hier haben wir umweltverträgliche Kunststoffspritzgussteile entwickelt, durch deren Produktion wir Kunststoffmüll reduzieren und gleichzeitig natürliche Ressourcen schonen."

Das ökologische Bewusstsein der Firma überzeugt den Kunden im Bereich der Schutzkappen und -stopfen mit den Kunststoff-Schutzelementen ECO-CAPS², auf dem Gebiet der umspritzten Förderketten mit ECO-Chain² und mit technischen Kunststoffteilen der ECO-TEC²-Reihe in weiteren diversen Anwendungsfällen wie Kunststoffpaletten, Umlenkecken oder Konsolen, die ebenso aus hochwertigen Kunststoffgranulaten hergestellt sind.

„Schon als wir die Produkte vor einigen Jahren einführten, war es uns wichtig, den Nachhaltigkeitsgedanken zu transportieren. Wir entschieden uns deshalb dafür, die Produkte aus recyceltem Material unter dem Oberbegriff ECO zu bündeln. Wie die heutige Aktualität der Thematik zeigt, war dies wichtig und rückt uns damit verstärkt ins Kundenbewusstsein. Und dort wollen wir präsent sein", so Martin Burwinkel.

Rezyklate sind vernünftig

„Größte Herausforderung bei dem Einsatz von Rezyklaten ist die konstante, gleichbleibende Materialeigenschaft und Qualität – unabhängig davon, ob man sie am Markt bezieht oder aber die aus dem internen Materialkreislauf nutzt", erläutert Martin Burwinkel. „Gleichwohl muss es unser ständiger Anspruch sein, diese Konstanz für uns und unsere Kunden zuverlässig und nachhaltig zu erreichen, um so die geforderten Produkteigenschaften zu gewährleisten und gleichzeitig die Kreislaufwirtschaft innerhalb des Betriebes zu optimieren". Dass diese Kompetenz und Expertise im Hause Burwinkel vorhanden ist, hat sich in den letzten Jahren gezeigt.

Die Entwicklung des Rezyklate-Einsatzes wird jedoch heute nicht nur von unternehmensinternen Nachhaltigkeitsstrategien, zu denen sich auch Burwinkel verpflichtet hat, getrieben, sondern ist ein dringliches Gebot der Stunde: Vor allem die verstärkte Fokussierung in der Öffentlichkeit und in zahlreichen politischen Diskussionen macht eine Thematisierung der ökologischen Nachhaltigkeit und die Entwicklung von zukunftsorientierten Maßnahmen unentbehrlich.

Innovativ, flexibel und kundenfreundlich: So präsentiert sich die Burwinkel Kunststoffwerk GmbH unter der Leitung von Martin Burwinkel seit inzwischen mehr als 40 Jahren. Das vielfach ausgezeichnete Unternehmen mit Sitz in Mühlen gilt als eines der Besten in der Kunststoffindustrie.   

Kooperationsnetzwerk RECOMPOUND

So engagiert sich auch die Firma Burwinkel zusätzlich im ZIM-Kooperationsnetzwerk RECOMPOUND, einem Unternehmensverbund, dessen Mitglieder im Bereich der werkstofflichen Verwertung von Kunststoffen und gemeinsam an der Entwicklung neuer Verfahren und alternativer Einsatzmöglichkeiten von Kunststoffabfällen arbeiten. Zentrales Thema ist hierbei die effiziente Aufbereitung von Mischkunststoffen zu hochwertigen Kunststoffgranulaten, die für die Herstellung neuer technisch anspruchsvoller Produkte und Anwendungen eingesetzt werden.

Denkbare Einsatzmöglichkeiten sieht man in der Kunststoffindustrie sowohl im öffentlichen Bereich (Hoch-/Tiefbau, Straßenbau, Kinderspielplätze etc.) als auch in der privaten Umgebung (Kfz-Teile, Paletten, Kisten, Kästen, jegliche Art von Verpackungen, Komposter etc.).

Zahlreiche Stationen in heutigen Wertschöpfungsketten benötigen Kunststoffteile ausschließlich als vorübergehendes Schutzelement, das nach Entsorgung dem Wirtschaftskreislauf problemlos wieder zugeführt werden kann oder als Transportmedium, das mehrfach nutzbar sowie recyclebar ist, dient. „Einfachste Beispiele sind hier die Kappen und Stopfen aus unserer ECO-Caps² Reihe, die in der Automobilindustrie nur während des Lackierprozesses an Fahrzeugteilen angebracht sind, oder aber Kisten zum Transport von Nahrungsmitteln oder auch Non-Food Artikel", so Burwinkel.

Doch nicht nur auf Produzentenseite wird man derzeit sehr aktiv; auch die Maschinenhersteller entwickeln neue Konzepte, die nicht mehr nur hauptsächlich auf verbesserte Zykluszeiten im Kunststoffspritzgießen abstellen, sondern optimierte Ansätze für eine bessere Verarbeitung von Biokunststoffen und Rezyklaten liefern. „Wir dürfen gespannt sein", so Burwinkel, „was unsere Maschinenlieferanten uns auf der diesjährigen K-Messe in Düsseldorf präsentieren. Zweifellos können auch sie einen nicht unerheblichen Beitrag zu maschinenseitig verbesserter Energieeffizienz und reduzierten Ausschussmengen leisten, was den Einsatz von recyceltem Material im Sinne unserer Ökobilanz vorantreiben würde".

Burwinkel steht für ganzheitliche und individuelle Lösungen: Von der Idee und Entwicklung eines Artikels über die Konstruktion und Produktion bis hin zur Montage und Bedruckung bieten die Mühlener alles aus einer kompetenten Hand.   

Dunkle Masterbatchfarben

Auch Farbproduzenten springen auf den Zug ökologischer Nachhaltigkeit auf. Entscheidende Schritte in die richtige Richtung wurden hier bereits in jüngster Vergangenheit gemacht. So ist es bereits Anbietern möglich, nun auch dunkle (vor allem schwarze) Masterbatchfarben per Nah-Infrarot-Sensoren in Abfallsortieranlagen zu erkennen und eine sachgerechte Kunststoffabfall-Sortierung zu ermöglichen. Dies war bislang vermeintlich und mehrfach öffentlich konstatiert nicht möglich, da der im schwarzen Kunststoff enthaltene Ruß die Infrarot-Strahlung absorbiert, sodass dunkel eingefärbte Kunststoffe im Recycling-Prozess nicht erkannt wurden.

„Wir als Burwinkel Kunststoffwerk GmbH sehen es nicht nur als Herausforderung, sondern auch als unsere Pflicht an, die Entwicklung von Innovationen im Bereich der Kunststoff-Wiederverwendung zu fördern und uns aktiv daran zu beteiligen. Wir setzen schon jetzt über 50 Prozent unserer verarbeiteten Rohstoffe an unserem Produktionsstandort in Mühlen aus Rezyklaten ein", sagt Burwinkel.

„Fordern wir von unserer Gesellschaft einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und sehen wöchentlich, immer wieder Freitags, mittlerweile auch unsere Kinder in länderübergreifenden Demonstrationen für einen nachhaltigeren Umgang mit unserer Umwelt teilnehmen, ist es umso mehr ein wesentlicher Bestandteil unserer Firmenphilosophie, unsere Produkte einer nachhaltigen Verwendung und Verwertung zuzuführen", erklärt der Geschäftsführer.

12 Prozent Rezyklat sind zu wenig: Grafik aus der CONVERSIO-Studie des Bundesverbandes Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V., Bonn (BVSE).   

Fiskalische Anreize erforderlich

„In gleichem Maße sehen wir allerdings auch die Politik gefordert, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen: Es sollten auch fiskalische Anreize gesetzt werden, die den Einsatz von Rezyklaten fördern und somit den Anteil der dem Materialkreislauf wieder zugeführten Kunststoffe erhöhen können", fordert Burwinkel. Diese Forderung liegt darin begründet, dass der Kunde einen Anreiz haben muss, Rezyklate für seine Produkte anzufragen bzw. alternativ als verarbeiteten Rohstoff zuzulassen. Sicherlich kann zum einen ein positiver Imageeffekt aus dem ökologisch nachhaltigen Produktionsprozess abgeleitet werden; dieser ist jedoch nicht unbedingt auch nach außen wirksam kommunizierbar, sodass der Kunde im ersten Schritt lediglich die potenziell nachteiligen Effekte für seine Produktkalkulation wahrnimmt.

Diese können sich daraus ergeben, dass die Wiederzuführung von Altkunststoffen zum Materialkreislauf aufgrund vorgeschalteter notwendiger Prozesse wie der sortenreinen Erfassung, dem Verpressen oder Zerkleinern, dem Waschen oder auch Abtrennen anhaftender Störstoffe einen neuen Kostenfaktor darstellt.

Eines ist sicher: Genügend Potenzial für das Recycling von Kunststoffen und deren Wiederverwendung besteht seit Langem, wie die Studie von CONVERSIO zeigt.

Luft nach oben

Von den 2017 zur Herstellung von Kunststoffprodukten eingesetzten 14,4 Mio. Tonnen Rohware waren lediglich 1,8 Mio. und damit nur rund 12 Prozent Rezyklat. „Da ist Luft nach oben!", so Burwinkel. „Was wir daraus machen, ist abhängig von gesetzlichen Vorgaben, verantwortungsvollem Handeln sowohl auf Seiten der Industrie als auch beim Endkunden und nicht zu guter Letzt von technischen Innovationen, die unsere Prozesse und Produkte weiter verbessern. Wir zeigen viele Anwendungen auf unserer Homepage plasticsforfuture.com und sind überzeugt vom Werkstoff Kunststoff, der weiterhin eine große Zukunft hat, wenn verantwortungsvoll damit umgegangen wird."

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