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Zahnärztin mit Herzblut

Autor*in: DR. VIKTORIA SAAGER

Celle – Wildeshausen – Goldenstedt. Und dazwischen als kleiner Ausreißer ein Zwischenstopp in Würzburg. Vor zehn Jahren wurde Zahnärztin Dr. Viktoria Saager heimisch: mit der eigenen Praxis in Goldenstedt.

Fühlt sich wohl in Goldenstedt: Zahnärztin Dr. Viktoria Saager.   

Kurz gezweifelt und in sich hinein gehört habe sie schon, räumt Dr. Viktoria Saager ein: „Lohnt es sich, hier neben den schon existierenden noch eine weitere Praxis aufzumachen? Werden die Goldenstedter mich gut aufnehmen?" 2009 war das. Der Sprung in die Selbstständigkeit will schließlich gut überlegt sein – erst recht, wenn es um den richtigen Standort geht. „Aber dann dachte ich mir: Sei einfach mutig, bleibe du selbst." So entschied sich die gebürtige Cellerin nach ihrem Studium in Würzburg, in den Norden zurückzukehren. Im nahen Wildeshausen hatte sie bereits 2004 ihre erste Stelle angetreten und sich direkt heimisch gefühlt. „Ich wollte von Anfang an Zahnärztin auf dem Land sein", unterstreicht sie.

Ähnlich pragmatisch wie in den Anfangstagen geht die Zahnärztin auch heute noch durchs Leben – und fährt damit weiterhin gut. Auch nach zehn Jahren gefällt es ihr in Goldenstedt, der 10.000-Seelen-Gemeinde im Oldenburger Münsterland. Genau in der Mitte zwischen Wildeshausen und Vechta gelegen, mit viel Natur, die sie vor allem für ausgedehnte Spaziergänge mit ihrem Hund sehr schätzt – auch in der Mittagspause.

Der Neustart im Norden war am Anfang eine Herausforderung. Denn Selbstständigkeit kommt nicht von heute auf morgen, sondern will gelernt sein. Das weiß Saager mittlerweile. „Die Trennung zwischen Arbeit und Freizeit fiel mir in der ersten Zeit schon schwer, denn die Leute klingelten regelmäßig nach Feierabend bei mir. Die Praxis war keine halbe Stunde zu, da stand ich im Garten und bekam plötzlich Prothesen und Fragen durch den Zaun gereicht", erzählt sie lachend. „Da ist es mir am Anfang natürlich schwergefallen, konsequent zu bleiben und auch mal Nein zu sagen."

Nach Feierabend behandelt die Zahnärztin mittlerweile keine Patienten mehr und auch sonst hat sich alles eingespielt. Ein spezielles Thema ist und bleibt die Personalsuche, denn sie gestaltet sich in Zeiten des Fachkräftemangels alles andere als einfach – erst recht, wenn es eine Vollzeitstelle zu besetzen gilt. „In meinen ersten Berufsjahren hätte ich mir nie träumen lassen, dass es einmal so schwer sein würde, zahnmedizinische Fachangestellte zu finden", berichtet sie. Dabei sei der Grund nicht die ländliche Lage ihrer Praxis. Vielmehr handle es sich um ein generelles Problem, das es auch in anderen Branchen gibt. Auch Kollegen in der Großstadt seien nicht besser dran. Klar ist: Im kommenden Jahr möchte Saager ihr Team wieder um eine Auszubildende erweitern. Sie findet es schön, junge Menschen auszubilden. „Letztlich bringt man ihnen nicht nur den Beruf bei, sondern kann ihnen auch einiges an Lebenserfahrung und Persönlichkeit mit auf den Weg geben."

Blick in die modern ausgestattete Praxis.   

Ihre Praxis umfasst heute neun Mitarbeiterinnen. Dr. Viktoria Saager führt sie noch immer allein. Gab es Pläne, sich mit einem weiteren Zahnarzt zu einer Praxisgemeinschaft zusammenzuschließen? Klar, sagt sie, diese Überlegungen habe es gegeben. Doch sie stolperte erneut über das altbekannte Problem: „Kaum einer will mehr auf dem Land praktizieren, schon gar nicht dauerhaft", berichtet sie – und macht weiter wie bisher: allein, aber immer gut gelaunt und mit Leidenschaft für ihre Arbeit.

Das Landleben hält für die Zahnärztin spezielle Herausforderungen bereit. In einer Region, in der Agrarwirtschaft eine wichtige Rolle spielt, müsse man zum Beispiel bei der Terminfindung mit den Bauern ein wenig mehr Spielraum einplanen. „Wenn einer nur zwischen Melken und Füttern Zeit für einen Behandlungstermin hat oder erst mal die Ernte einfahren muss, dann ist das eben so", sagt die 43-Jährige. In den meisten Fällen ließen sich besondere Umstände wie diese berücksichtigen, man müsse es nur wollen. Flexibilität ist alles.

Und sie schätzt den persönlichen, nahezu familiären Umgang miteinander, der für die Region so typisch ist. Manchmal kommen Patienten einfach so in der Praxis vorbei, obwohl sie gar keinen Termin haben. Besuche aus der Kategorie „Einfach mal eben moin sagen" sind für die Zahnärztin kein Problem. „So etwas macht eine Praxis auf dem Land eben aus", stellt sie klar. „Und meine Patienten treffe ich auch ab und an im Supermarkt oder beim Spaziergang mit dem Hund."

Einige Patienten folgten Dr. Viktoria Saager von Wildeshausen nach Goldenstedt. Viele weitere hat sie im Laufe der Jahre hinzugewonnen. „Es haben am Anfang natürlich viele Leute ganz neugierig ihren Kopf durch die Praxistür gesteckt, um mal zu gucken, wie die Neue so ist", erinnert sie sich. „Manche sind nicht wiedergekommen, andere sind bis heute geblieben." Längst sind ganze Familien bei ihr in Behandlung. Der Umgang mit den Patienten macht ihr noch immer besonders viel Freude, denn jede Behandlung und jeder Mensch ist anders und bedeutet eine neue Herausforderung. Was ihr an ihrem Beruf sonst noch gefällt? „Ich mag das filigrane Arbeiten. Man muss sich konzentrieren, weil das Feld, in dem man arbeitet, klein und sensibel ist", so Saager. „Es ist für mich ein echtes Handwerk."

Dr. Viktoria Saager, die ihre Praxis immer noch alleine führt, schätzt den persönlichen, nahezu familiären Umgang miteinander, der für die Region so typisch ist.   

Großen Wert legt sie dabei auf Prophylaxeorientiertes und hochwertiges Arbeiten. Es freut sie, dass sich mehr und mehr Menschen für eine regelmäßige Prophylaxe entscheiden. „Das Bewusstsein hat sich in den letzten Jahren glücklicherweise stark verändert. Man weiß: Vorsorge macht Sinn und zahlt sich langfristig aus", berichtet Saager. Ihre Terminbücher sind gut gefüllt, die Nachfrage nach Prophylaxe-Behandlungen ist so groß, dass sie sogar eine zweite Assistentin dafür einstellen konnte.

Zudem bemerkt die Zahnärztin, dass Ästhetik den Menschen immer wichtiger wird. Dabei setzen sie zunehmend auf hochwertigere Lösungen. Aber: Ästhetik ist nicht alles. „Wenn wir uns zuerst um andere Baustellen kümmern sollten, dann sage ich das meinen Patienten auch." Sie möchte „schließlich nicht nur hier und da herumflicken, damit die Front schön aussieht". Vielmehr gehe es darum, den gesamten Zahnapparat in Ordnung zu halten.

Apropos Ästhetik: Die Website der Praxis für Zahnmedizin ist ein echter Hingucker. Äußerst ansprechend gestaltet kommt sie seit dem Relaunch vor ein paar Jahren übersichtlich und schlicht daher. Schnickschnack Fehlanzeige. Eine bewusste Entscheidung aus gutem Grund. „Wenn man etwas besonders gut kann, raten Experten: Tue Gutes und sprich darüber. Meine Seite war zunächst sehr überladen und vollgestopft mit Informationen", sagt Dr. Viktoria Saager rückblickend. „Ich habe im Laufe der Zeit gemerkt, was zu mir passt und was nicht. Ich möchte nicht damit prahlen, was ich kann, sondern mit dem überzeugen, was ich mache. Und ob ein Patient sich bei uns wohlfühlt oder nicht, zeigt sich ohnehin am besten im persönlichen Gespräch." Deshalb hat sie auch um ihr zehnjähriges Praxisjubiläum nicht viel Tamtam gemacht, sondern schlicht und einfach im kleinen Kreis gefeiert – ganz bodenständig eben.

Bleibt die Frage, was sich die leidenschaftliche Zahnärztin für die nächsten zehn Jahre wünscht. Sie bleibt der Antwort keinen Augenblick schuldig. „Denselben Elan, dieselbe Motivation. Ich möchte weiterhin mit Vollgas bei der Arbeit sein." Sich mit einer Praxis selbstständig zu machen, war für sie tatsächlich eine Lebensentscheidung. „Goldenstedt ist mein Zuhause geworden."

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