Dienstleister

Der Zeit voraus

Autor*in: LUDGER BICKSCHLAG

Die knallroten Lkws mit dem unübersehbaren Elefantenrüssel der Firma Hilker GmbH & Co. KG prägen seit vielen Jahren das Straßenbild in der Region, in Deutschland und auch im Ausland. Als Entsorgungsfachbetrieb ist das Friesoyther Unternehmen seit Jahrzehnten der Spezialist, wenn es um Rohr-, Kanal-, Klärgruben- und Behälterreinigung geht. Ein weiteres Standbein ist der Transport von Gefahrgut und Abfällen jeglicher Art bis hin zum Flüssiggut.

Geschäftsführer Stefan Hilker (rechts) mit Ehefrau Verena und seinen Eltern Otto und Maria Hilker.   

Stefan Hilker leitet diesen Familienbetrieb als geprüfter Meister für Rohr-, Kanal- und Industrieservice. Schon mit 24 Jahren hatte er seinen Meisterbrief in der Tasche. Heute, mit 34 Jahren, ist er in seinem mittelständischen Unternehmen für etwa 50 Mitarbeiter verantwortlich – an 365 Tagen im Jahr, 24 Stunden am Tag. Denn private, gewerbliche und auch öffentliche Unternehmen schätzen die Kompetenz und Zuverlässigkeit des Unternehmens aus Schlingshöhe, einer Ortschaft in der Stadt Friesoythe.

Seine Eltern Otto und Maria Hilker wohnen auf dem Firmengelände und blicken nach 38 Ehejahren gerne im Wintergarten bei Tee und Kuchen auf das Rotwildgehege gleich nebenan. Mit Nichts ist man Anfang der Siebzigerjahre auf dem elterlichen Betrieb angefangen, so Otto Hilker, der heute in seiner Freizeit als Jäger die Natur genießen kann.

Tobias Tönjes, Geschäftsführer A+T Nutzfahrzeuge aus Garrel, mit seinem Vertriebsleiter Michael Schaub (links) und Stefan Hilker.   

Die großen Sturmschäden forderten damals den Lohnbetrieb Hilker heraus. In den Wäldern um die Ortschaft Thüle herum gab es sehr viel zu roden, erinnert sich der heute 65-jährige Landwirtschaftsmeister. „Ich hatte von meinem Vater den Betrieb übernommen und wollte uns ein weiteres Standbein aufbauen", so Hilker zurück. Man entwickelte dann Anfang der Neunzigerjahre das erste Güllefass mit Spülfass hinter einem Schlepper, um Kanalrohre zu reinigen. Diese Eigenentwicklung in Zusammenarbeit mit der Firma Landmaschinen Bruns aus Cloppenburg sollte sich später als richtungweisend herausstellen. Dass Stefan Hilker und seine drei Schwestern den Führerschein Klasse zwei haben und damit große Lkws fahren dürfen, ist ebenso bemerkenswert wie auch typisch für einen Familienbetrieb im Oldenburger Münsterland.

Schon früh zeichnete sich für die Eltern ab, dass Sohn Stefan Verantwortung und Führung für das Unternehmen übernehmen könnte. „Gleich nach der Schule ging es damals für Stefan erst einmal auf den Trecker, kaum Zeit fürs Mittagessen. Er hatte es einfach im Blut, sich mit Treckern und Maschinen zu umgeben und zu beschäftigen", so Mutter Maria Hilker. Man spürt im Gespräch mit den Eltern den Stolz auf ihre vier Kinder und auf das Erreichte in einer Branche, die sich immer weiterentwickeln muss, will man wettbewerbsfähig bleiben.

Heute sind täglich sechs Kanalreinigungsfahrzeuge unterwegs, wobei zwei Fahrzeuge mit Kamera und Monitor ausgestattet sind. So können die Spülarbeiten live am Bildschirm verfolgt werden. „Das ist ein großer Vorteil für unsere Kunden, wenn es darum geht, schnell und präzise Fehlerquellen im Kanalnetz aufzuspüren", so Stefan Hilker.

Werkstatt-Mitarbeiter Jaroslaw Leszczynski (rechts) vor dem Volvo-LNG. Der Flüssigerdgastank fasst etwa 200 Kilogramm womit der Lkw eine Reichweite von circa 1000 Kilometer hat.   
Mit Trecker und Spülwagen fing Otto Hilker in den 90er-Jahren an.   
Hightech-Einsatz: Oliver Helm ist Spezialist, wenn es um Kanalreinigung und Ortungen im Kanalnetz geht. Mit Kamera und Bildschirm vor Ort können Störungen und Schäden in Kanalrohrnetzen schnell erkannt werden.   
Mit Erfahrung und Fachkenntnis sind Jaroslaw Leszczynski (links) und Friedhelm Priester für die Fahrzeuge in der firmeneigenen Werkstatt verantwortlich.   

Durch den Handel und den Aufbau von Verwertungwegen wurde 2019 neben der bestehenden Firma „Hilker GmbH & Co. KG" die „Hilker Verwertung GmbH & Co. KG" gegründet. Der Aufgabenbereich liegt hier in der Verwertung von Klärschlamm, dem Aufbereiten und Vermarkten von flüssigen Abfällen, Grün- und Strauchschnitt sowie der Trocknung von Klärschlamm. Dazu wurde 2018 eine eigene Klärschlammlagerhalle gebaut. Dieser Betriebszweig mit etwa 30 Sattel- und Gliederzügen sorgt heute überwiegend für die Abfuhr von Klärschlamm und Abfällen.

In Zeiten von Flexibilität, Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit werden die Kundenwünsche immer vielfältiger und anspruchsvoller. „Wir sind in eine Zeit hineingerutscht, wo unser Know-how immer mehr gefragt ist", freut sich Stefan Hilker mit seinem Vater, schon früh die Weichen für ein zukunftsfähiges Unternehmen gestellt zu haben. „Unsere jahrelange Zuverlässigkeit ist auf jeden Fall das Fundament unseres Erfolgs."

Mit einer Landwirtschaft fing in den 50er Jahren auf dem Hof Hilker in Schlingshöhe alles an.   

Und wenn es um Klimaschutz geht, ist Hilker auch hier ganz vorne dabei. In dem seit 2006 aufgebauten Fuhrpark stehen seit Frühjahr 2019 sechs nagelneue Volvo LNG (liquefied natural gas, übersetzt Flüssigerdgas ). „Wir stellen uns den Herausforderungen des Alltags", betont Stefan Hilker, der 2018 auf die Idee kam, auf Lastkraftwagen mit LNG-Technik zu setzen. Man hat sich mit den Experten der Garreler Firma A+T Nutzfahrzeuge zusammengesetzt, um dem Thema „CO2-Einsparung" zu begegnen. „Wir sind stolz darauf, ein Stück zum Klimaschutz beizutragen", so Stefan Hilker.

Eines der größten Probleme ist dabei noch die fehlende flächendeckende Infrastruktur für die Betankung. In Deutschland gab es 2016 lediglich zwei Tankstellen. Seit Ende 2019 sind es inzwischen zehn bis zwölf Tankstellen, so Michael Schaub, Vertriebsleiter von A+T Nutzfahrzeuge. Im Oktober 2019 wurde von der Steinfelder Firma Alternoil GmbH in Bakum (Landkreis Vechta) Europas größte Flüssigerdgas-Tankstelle direkt an der Autobahn 1 eröffnet.

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